Bezirk 5: Hannover

Hannover: Wiederholt war das Engagement Deutschlands in Afghanistan Thema in Vorträgen der Arbeitsgemeinschaft Soldatischer Verbände in Hannover (ASVH). Militärpolitische und wirtschaftliche Gesichtspunkte standen bisher im Vordergrund.
Auf Einladung des Arbeitskreises der Sicherheitsbevollmächtigten in Niedersachsen und der ASVH schlug Oberstarzt a.D. Reinhard Erös in seinem packenden Vortrag „Unter Taliban, Warlords und Drogenbarone“ eine weitere Seite in der Bewertung dieses Afghanistaneinsatzes auf. Der Gründer und Leiter der privaten „Kinderhilfe Afghanistan“ engagiert sich seit über 20 Jahren mit seiner Familie im Bereich humanitärer und Katastrophenhilfe in Indien, Bangladesch, Kambodscha, Pakistan, Iran, Albanien, Ruanda und Ost-Timor mit UNO, NATO und Internationalen Hilfsorganisationen mit Schwerpunkt seit fast 10 Jahren in Afghanistan.
Erös ist profunder Kenner des Landes und bildet daher regelmäßig deutsche Polizisten für ihren Auslandseinsatz in Afghanistan aus und ist Gastdozent an vielen Hochschulen. „Du musst den Menschen lieben, wenn Du ihm helfen willst“ unter dieser Devise errichtet, betreibt und unterstützt seine ganz private familiengeführte Hilfsorganisation mit Hilfe afghanischer Mitarbeiter in den Ostprovinzen und in Flüchtlingslagern Schulen, Mutter-Kind-Kliniken, Gesundheitsstationen, Waisenhäuser bis hin zu Solarwerkstätten.
In seinen Ausführungen stellte Erös deutlich heraus, dass seine „Kinderhilfe für Afghanistan“ eine Hilfe zur Selbsthilfe ist, sie steht für Hoffnungen der jungen und armen Landbevölkerung, den entscheidenden Bevölkerungsanteil, für einen Weg aus dem Krieg und einem Weg in die bessere Zukunft. Dr. Erös besucht mehrfach jährlich - auf eigene Kosten - die Projekte, kontrolliert und überwacht die Arbeit, und bezahlt persönlich die Gehälter der Lehrer, Ärzte, Ingenieure, Bauarbeiter, Schreiner etc.
Damit stellt er sicher, dass 100 % der Spendengelder sparsam und sinnvoll eingesetzt werden. In einer pragmatischen Darstellung beschrieb er die Folgen der vielen Kriege in den letzten Jahrzehnten. Darunter litten alle ethnischen Gruppen in einer Region, in der große Teile fast unzugänglich und extremen klimatischen Bedingungen ausgesetzt sind. Kritisch beurteilte er das Vorgehen der Truppen im Kampf gegen die Taliban und zeigte krasse Fehler in der Behandlung der Bevölkerung auf.
Keine Verfassung kann und darf gegen die Bestimmungen der Shari’a, der religiös legitimierten unabänderlichen Gesetzte des Islams verstoßen. Unsere abendländischen Werte und Normen seien dort nicht einfach anwendbar. Man müsse klar definieren, auf welches Niveau man Afghanistan bringen will. Sein Appell: „Wir müssen uns um Afghanistan kümmern, wir dürfen sie nicht fallenlassen, das wäre der größte Fehler“. Dies gelte auch für den Einsatz der Bundeswehr. hh
