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Betreutes Wohnen – ein Thema mit Zukunft

Sehr verehrte Kameradinnen und Kameraden, sehr geehrte Damen und Herren

unsere Streitkräfte stehen vor, noch vor einem Jahr nicht für möglich gehaltenen, erneuten Umstrukturierungen mit erheblichen Auswirkungen. Dies soll mit dem „Werkzeug“ Transformation gelingen. Einzige Alternative wäre das Prinzip Hoffnung.

Ungleich größer sind die zu bewältigenden Herausforderungen unserer Gesellschaft: Schuldenkrise, Globalisierung und demografischer Wandel sind hier an erster Stelle zu nennen. Viele ursächliche Entwicklungen in diesem Bereich waren und sind auch zukünftig nicht vorhersehbar und somit auch nicht berechenbar. Eine Ausnahme bildet da sicherlich die demografische Entwicklung in der Bundesrepublik. Es erfordert nur Grundkenntnisse in Mathematik und Statistik, um von der derzeitigen Bevölkerungsentwicklung auf die Gegebenheiten in 10, 30 oder gar in 50 Jahren zu gelangen. Die Herausforderung für Staat und Gesellschaft, die diese Entwicklung in sich birgt, lassen sich nicht nur erahnen, sie sind vorhersehbar.

Immer mehr Rentner und Versorgungsempfänger müssen von immer weniger Beitragszahlern getragen werden. Die Menschen werden immer älter, die Pflegebedürftigkeit wird signifikant steigen. Um die dafür nötigen sozialen Rahmenbedingungen zu schaffen, benötigt man zumindest eine Reform der Alterssicherungssysteme und Konzepte, die schnell greifen und die sicherlich mehr sind als nur kosmetische Eingriffe.

Aber auch das Verhalten der Gesellschaft wird sich erkennbar verändern. Es gibt immer mehr „Single-Haushalte“, die Lebenserwartung überschreitet die 80-Jahre- Grenze, und viele Menschen werden dann auf Mithilfe und Unterstützung durch die Gesellschaft angewiesen sein.

War es in den 70-er Jahren noch gang und gäbe, dass viele (Groß-)Familien in so genannten Mehrgenerationenhäusern lebten und sich die Frage nach Wohnen für Ältere oder gar Pflege erst gar nicht gestellt hat, so ist die Lage heute und in Zukunft eine völlig andere. Wir müssen Wohnformen haben, die die vorgenannten Problemfelder sozial und infrastrukturell abfangen.

Ältere Menschen möchten so lange wie möglich selbstbestimmt und selbstständig leben. Viele von ihnen stellen sich schon frühzeitig die Frage, wie sie wohnen und leben wollen, wenn sie einmal aus dem Berufsleben ausscheiden, die Kinder nicht mehr im Hause wohnen und die Wohnqualität mit einem Wechsel sogar noch erhöht werden kann. Auch für viele unserer Mitglieder stellt sich bei der Verabschiedung in den Ruhestand diese Frage (Endumzug).

Ein mehr als vielversprechender Ansatz wurde in den 90-er Jahren entwickelt und wird allgemein als „Betreutes Wohnen“ bezeichnet.

Der Begriff „Betreutes Wohnen“ ist rechtlich nicht genau definiert und kann vieles beinhalten. In unserer Gesellschaft sind damit viele, häufig negative, Vorurteile verbunden. Wenn der Begriff fällt, denken viele an Rollator, Schnabeltasse und Demenz, also an Pflegebedürftigkeit. Dabei ist eher das Gegenteil der Fall. Unter dem Begriff „Betreutes Wohnen“ sollte man vielmehr eine möglichst lange eigenständige Lebensform in den eigenen vier Wänden verstehen. Dabei macht es keinen Unterschied, ob die Wohnung die eigene ist oder man in einer privaten oder öffentlichen Wohnanlage lebt. Es beinhaltet grundsätzlich keine Vollversorgung, und es verbirgt sich auch kein Pflegeheim hinter diesen Begriff.

Betreutes Wohnen, auch Wohnen mit Service oder Wohnen mit Wahlleistung oder begleitetes Wohnen genannt, ist gedacht für Senioren, die noch eigenständig ihren Haushalt führen, auch wenn z. B. schon eine Behinderung vorliegt. Man lebt sozusagen in einer Wohnanlage, deren Wohnungen seniorengerecht entwickelt und gebaut worden sind.

Kriterien für solche Wohnanlagen können sein:

- Barrierefreie und altersgerechte Architektur
- Dienstleistungen stehen zur Auswahl und können frei gewählt werden
- Eigene Haushaltsführung ist vorherrschend
- Leben wie im bisherigen Umfeld und nur auf Wunsch Unterstützung bei der Lebensgestaltung.

Was grundsätzlich in jeder Wohnung vorhanden sein sollte ist der Notruf der rund um die Uhr zur Verfügung steht.

Das Engagement des DBwV im Bereich „Betreutes Wohnen“ startete zu Beginn des neuen Jahrtausends. Es wurde ein Arbeitskreis gegründet, der sich mit den Entwicklungen in diesem Bereich befasste und die möglichen Forderungen unserer Mitglieder und die Unterstützungsmöglichkeiten des Verbandes zusammenfassen und bearbeiten sollte.

Man erkannte sehr schnell, dass die Beziehung der Kameradschaften ERH zu diesem Thema eine gewisse Ambivalenz besaß. Die Bandbreite der Meinungsäußerungen reichten von „brauchen wir nicht, kein Bedarf“, vorwiegend vorgetragen von kleineren Kameradschaften in ländlichen Gebieten, bis hin zu der Forderung „der Verband muss eigene Wohnanlagen betreiben“. Ersteres wäre nicht zielführend gewesen, letzteres aus nicht nur wirtschaftlichen Erwägungen einfach nicht machbar. Aber schon alleine das Motto unseres Verbandes „Wir sind für unsere Mitglieder da“ erfordert zwingend auch hier ein Engagement.

Der Arbeitskreis „Betreutes Wohnen“ hatte dazu vor einigen Jahren ein Konzept und eine Arbeitshilfe für Kameradschaften ERH entwickelt. Unter den Aspekten der Beschlüsse der 18. HV und den inzwischen zahlreichen Meinungsäußerungen unserer Mitglieder zum Thema „Betreutes Wohnen“ scheinen diese nun überarbeitungsbedürftig. Dies wird im Laufe der nächsten Wochen geschehen. Des Weiteren hat die Arbeitsgruppe (der ehemalige Arbeitskreis) im Rahmen der letzten Arbeitsgruppensitzung eine Zielvorstellung formuliert.

Was wollen wir im Bereich Betreutes Wohnen für unsere Mitglieder erreichen?

Wir wollen:
1) sicherstellen, dass jedes interessierte Mitglied in seiner Kameradschaft ERH einen Ansprechpartner hat, der über regionale Angebote im Bereich „Betreutes Wohnen“ nformiert und auf Wunsch bei der Auswahl einer geeigneten Institution Hilfestellung leistet.

2) mittelfristig prüfen, ob mit geeigneten überregionalen/ bundesweit sowie regionalen tätigen Dachverbänden und Institutionen Rahmenverträge oder andere Formen von Kooperationen möglich sind und so Vorteile für Mitglieder im Bereich „Betreutes Wohnen“ zu ermöglichen.

Dazu hat jede Kameradschaft ERH die Möglichkeit, einen Beisitzer als „Beauftragten für Betreutes Wohnen“ zu bestellen. In Kameradschaften, bei denen dies nicht für nötig erachtet wird, sollte der Vorsitzende als Ansprechpartner gelten.
Zu o. a. Punkt Eins muss man allerdings feststellen, dass dies keine Beratung bzw. eine Empfehlung im juristischen Sinne sein kann. Diese bekommt man bei vielen Institutionen im öffentlich, rechtlichem Bereich. Informationen dazu und das Herstellen des Kontaktes zu ihnen kann wiederum der Beauftragte der Kameradschaft gewährleisten.

Zusammenfassend kann man feststellen:
Betreutes Wohnen hat in den letzten Jahren eine enorme Konjunktur erlebt und ist jetzt schon zur wichtigsten Wohnform für ältere Menschen geworden. Man braucht kein Prophet zu sein, um zu sagen, dass diese Wohnform auf lange Sicht Konjunktur hat und das zukunftsweisende Seniorenwohnkonzept unserer Gesellschaft ist.

Bei der Suche nach einer passenden Form des Wohnens gut informiert auf den Weg zu gehen und dann noch die richtige Entscheidung zu treffen, ist dabei ein wesentlicher Faktor. Mit der richtigen Entscheidung erhält man nicht nur ein wichtiges Stück Lebensqualität, sonder man fördert seine eigene Individualität, Selbstständigkeit und Selbstbestimmung.

Wir, der DBwV, geben unseren Mitgliedern im Rahmen unserer Möglichkeiten die nötige Unterstützung, um die in diesem Bereich notwendigen Entscheidungen zu treffen.

Von Hptm a. D. u StHptm d. R. Albrecht Kiesner, stellvertretender Vorsitzender ERH im Bundesvorstand, Kontakt: AlbrechtKiesner@dbwv.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Letzte Änderung am 23.8.2010


 
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