Afghanische Sicherheitskräfte suchen nach einem Bombenanschlag im Dorf Kamar Kalagh (westliches Afghanistan) nach Opfern. Foto: picture alliance / Xinhua News Agency | Elaha Sahel

Afghanische Sicherheitskräfte suchen nach einem Bombenanschlag im Dorf Kamar Kalagh (westliches Afghanistan) nach Opfern. Foto: picture alliance / Xinhua News Agency | Elaha Sahel

02.05.2021
ssc

SIGAR-Report: Zahl der feindlichen Angriffe in Afghanistan um 37 Prozent gestiegen

Am Freitag startete offiziell der Truppen-Abzug der Nato und ihrer Partner aus Afghanistan. Übrig bleibt die Frage, ob die afghanischen Sicherheitskräfte ohne die internationale Unterstützung die Regierung verteidigen können.

Umso beunruhigender erscheint der jüngst veröffentlichte Bericht des US-Generalinspekteurs für den Wiederaufbau in Afghanistan (SIGAR: Special Inspector General for Afghanistan Reconstruction). Auf 224 Seiten gibt der vierteljährlich erscheinende Bericht einen Lagereport über die Bereiche Wirtschaft, Sicherheit und Entwicklung. Vor allem der Themenkomplex „Sicherheit“ verdient einen genaueren Blick. 

„Enemy-initiated attacks from January 1 through March 31, 2021, increased nearly 37% compared to the same quarter last year“, heißt es dort. Demnach stieg die Zahl der sogenannten „feindlichen Angriffe“ („Enemy Initiated Attacks“/EIA), das sind Angriffe von Aufständischen wie den Taliban, die von der Nato-Mission Resolute Support erfasst werden, von Januar bis März um 37 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Davor hatte bereits die UN-Mission in Afghanistan (UNAMA) einen Anstieg an zivilen Opfern im ersten Quartal um fast 30 Prozent dokumentiert. 

Während im SIGAR-Report seit einiger Zeit nur noch prozentuale Veränderungen angegeben werden, spricht das UNAMA konkret von 573 Toten und 1.210 Verletzten im Zeitraum vom 1. Januar bis 31. März 2021. Dieser Gewaltanstieg ist vor allem für den frühen Zeitraum des Jahres ungewöhnlich, denn üblicherweise gehen Kampfhandlungen und Angriffe in den kalten Wintermonaten am Hindukusch zurück.

Nicht nur Zivilisten, auch die Zahl der afghanischen Sicherheitskräfte, die verletzt oder getötet wurden, sei im ersten Quartal 2021 „erheblich höher“ als im ersten Quartal des Vorjahres – besonders besorgniserregend dabei die Angriffe von Innen. 

„The number of insider attacks on ANDSF personnel also increased by 82% this quarter compared to the same period last year“. Zu deutsch: Die Zahl der sogenannten „Insider-Angriffe“, also Angriffe von Sicherheitskräften gegen ihre eigenen Kameraden, stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 82 Prozent. Demnach wurden in 31 Insider-Angriffen 115 Sicherheitskräfte getötet, heißt es in dem Bericht.

Auch das deutsche Verteidigungsministerium zeichnete am Freitag in einer Unterrichtung des Bundestags, die als Verschlusssache eingestuft war, ein eher düsteres Bild der Sicherheitslage am Hindukusch. „In Nordafghanistan ist die Sicherheitslage in den Provinzen Balkh und Takhar ausreichend sowie in der Provinz Samangan überwiegend kontrollierbar, in weiten Teilen allerdings überwiegend nicht kontrollierbar“, zitiert die Deutsche Presse-Agentur. 

Die im Golfemirat Katar laufenden Friedensgespräche zwischen den militant-islamischen Taliban und der Regierung in Kabul ist ins Stocken geraten. Die Taliban haben einen von Präsident Aschraf Ghani gemachten Vorschlag zu einer Waffenruhe während des Ramadans abgelehnt und setzten die Angriffe auf die afghanischen Sicherheitskräfte „mit unveränderter Härte fort“, berichtet das BMVg.

Deutschland stellt derzeit nach den USA das zweitgrößte Kontingent der Nato-Truppe in Afghanistan. Das Camp Marmal ist der größte Bundeswehr-Stützpunkt außerhalb Deutschlands. Am Freitag waren noch 1067 deutsche Soldaten im Land. Die Zahl der Soldatinnen und Soldaten wird zunächst sogar noch leicht zunehmen, um die Rückführung des Materials zu organisieren. Zudem sprach das BMVg am Freitag davon, das Kommando Spezialkräfte (KSK) für Sicherungsaufgaben nach Afghanistan zu entsenden. Darüber hinaus seien bereits ein deutscher Mörserzug sowie geschützte Fahrzeuge im Camp Marmal eingetroffen, ebenso niederländische Verstärkungskräfte. 

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