Im In- und Ausland bestimmt die Bundestagswahl die Schlagzeilen. Fotp: dpa

Im In- und Ausland bestimmt die Bundestagswahl die Schlagzeilen. Fotp: dpa

25.09.2017
dpa

„Das Land rückt nach rechts“: Pressestimmen zur Bundestagswahl

Berlin. Die Ergebnisse der Bundestagswahl dominieren im In- und Ausland die Kommentarspalten. In der Einschätzung des Wahlergebnisses sind sich die Medien weitgehend einig über die Verlierer. Vor allem im Ausland machen sich die Kommentatoren Gedanken über den Einzug der AfD.

„faz.net“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

„Merkel hat doch nicht so viele Wähler becirct, wie es noch bis vor vier Wochen aussah, weswegen sogar die CSU mit dem Konterfei der Kanzlerin warb. Ihre Popularität hatte nach dem Tief im Flüchtlingsherbst alte Höhen erklommen, weil Deutschland sich im Meer der Krisen wie eine Insel der Glückseligen ausnimmt: politisch stabil, ökonomisch gesund. Schulz gelang es nicht, die hier und da glimmende Unzufriedenheit zu einer Wechselstimmung anzufachen. Die Wähler nahmen ihm einfach nicht ab, dass die SPD vier Jahre lang in der Opposition gewesen sei.“

„süddeutsche.de“ (Süddeutsche Zeitung)

„Für die SPD und vor allem für die CDU gibt es am Sonntagabend nur eine einzige gute Nachricht, nur ein einziges Lichtlein: In drei Monaten ist Weihnachten. SPD und CDU sind die großen Verlierer der Wahl. Für die CSU vor allem ist das Wahlergebnis in Bayern ein Debakel. Die Partei wurde enteiert, sie wurde düpiert, die Partei hat ihren Stolz verloren. In der SPD hat Martin Schulz es nicht geschafft, den Sog für die SPD nach unten zu stoppen. Richtigerweise hat deswegen Martin Schulz sogleich erklärt, dass die SPD in die Opposition gehen wird. (...) Das ist überlebenswichtig.“

„Rheinische Post“

„Der 24. September 2017 markiert das vorläufige Enddatum einer wohltemperierten, konsensgeprägten Nachkriegs-Republik. Das Land rückt nach rechts. Mit unüberhörbarem Lärm und mehr als 80 Abgeordneten zieht eine Partei in den Bundestag ein, die sich als Anti-Establishment profilierte, dabei Ressentiments gegen Fremde schürte und den Konsens der Demokraten umdefinieren möchte, dass die Erinnerung an den Holocaust nur eine der Scham und der Verantwortung für ein ‚Nie wieder‘ sein kann. Traurig!“

„zeit.de“ (Die Zeit)

„Ein Umbruch sieht anders aus. Man vergleiche dieses Wahlergebnis bloß mit den jüngsten Wahlen in den USA, Frankreich, Polen oder England. Die Wahlkämpfe unserer Nachbarn und Verbündeten waren von harten ideologischen Konflikten geprägt und hatten meist den Austausch der politischen Elite zur Folge. Verglichen damit ist Deutschland ein Hort der Stabilität.“

„Westdeutsche Zeitung“

„Die genauere Analyse des Wahlergebnisses wird zudem die Lebenslüge von der gelungenen ‚inneren‘ deutschen Wiedervereinigung ein weiteres Mal als Illusion entlarven: 27 Prozent der ostdeutschen Männer haben nach den ersten Daten die AfD gewählt, weil sie sich konstant benachteiligt fühlen. Daran muss die Politik endlich arbeiten.“

„Mittelbayerische Zeitung“

„Der 24. September 2017 ist ein historischer Tag, aber keiner zum Feiern. Wir haben nun Antidemokraten im Bundestag. Aus Gründen, die vermeidbar gewesen wären. Es wird noch sehr viele Analysen dieses Wahlausgangs geben. Fest steht schon jetzt: Nur ein kleiner Teil hat die AfD offenbar aus Überzeugung gewählt. Angst war der große Motivator dafür, die Alternative für Deutschland auch als solche zu sehen.“

„The Guardian“ (London)

„Der Aufstieg der AfD ist ohne Zweifel besorgniserregend. Und es ist ein Zeichen wachsender politischer Fragmentierung. Es bringt in Deutschlands föderale Politik ein Element von Gift und Polarisierung, das jedem, der einer liberalen Demokratie anhängt, nur zu denken geben muss.“

New York Times (New York)

„Trotz ihres Sieges können Frau Merkel und die Konservativen nicht alleine regieren, was es wahrscheinlich macht, dass das politische Leben der Kanzlerin komplizierter wird. Die Form und die Inhalte einer neuen Regierungskoalition werden Wochen mühsamer Verhandlungen beanspruchen.“

„Washington Post“ (Washington)

„Gauland und andere AfD-Kandidaten machten während der gesamten Kampagne Schlagzeilen, die weithin als empörend wahrgenommen wurden. Doch einige ihrer Wähler äußerten am Sonntag die Hoffnung, dass dieses Profil ihrer Partei Merkel dazu zwingen wird, ihre Politik der jüngeren Vergangenheit zu ändern.“

„El Pais“ (Madrid)

„Die Extremen beiseite - ein großer Teil der Deutschen hat für die Kontinuität gestimmt. Merkel steht noch immer für viele Bürger für Stabilität in einer zitternden Welt, bewohnt von Trump, Erdogan und Kim Jong Un. Sie steht für das notwendige Durchsetzungsvermögen und die Stärke, um den internationalen Herausforderungen die Stirn zu bieten.“

„Le Figaro“ (Paris)

„Ihr neuer Sieg hat sogar einen bitteren Beigeschmack. Der Platz der Kanzlerin in den Geschichtsbüchern ist befleckt vom historischen Ergebnis der Populisten von der AfD. Ihre Migrationspolitik verbunden mit der Allianz mit der SPD hat der extremen Rechten dieses Ergebnis geschenkt (...). ‚Mutti‘ ist zur ‚Mutter der AfD‘ geworden."

„The Times“ (London)

„Der Einzug der AfD in den Bundestag - es ist das erste Mal seit 1960, dass eine politisch rechts-außen stehende Partei im Parlament vertreten ist - stellt zwar keine unmittelbare Gefahr dar, denn alle anderen Parteien weigern sich, mit ihr eine Regierung zu bilden. Aber sie wird mit ständigem Gezeter ein härteres Vorgehen gegen Migranten einfordern. (...) Unterm Strich wird es die siegreiche Merkel mit einer Regierung zu tun bekommen, die von vornherein instabil ist. Dagegen muss sie ankämpfen, indem sie eine energische Politik des Wandels durchsetzt statt zurückzuweichen.“

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