Bundesvorsitzender Oberstleutnant André Wüstner

Bundesvorsitzender Oberstleutnant André Wüstner

23.07.2015

DBwV: Gestalten statt verwalten

Monat für Monat vergeht die Zeit wie im Fluge. Sie ist angefüllt mit verbandspolitischer Aktivität – ob an der Mitgliederbasis, im politischen Berlin oder im Einsatz. So herausfordernd unsere Arbeit und unsere Ziele sind, so wirkungsvoll sind wir. Die vielen positiven Rückmeldungen aus der Breite der Bundeswehr machen – dies sei auch einmal angemerkt – große Freude und motivieren die vielen ehrenamtlichen Mandatsträger des DBwV, auch weiterhin für die Menschen der Bundeswehr zu kämpfen. Denn es lohnt sich.

Wer diese leidenschaftliche Ausübung eines Ehrenamts erleben will, hätte sie in den vier DBwV-Landesversammlungen spüren können. Diese sind die „Herzkammern“ unseres Berufsverbands. Gute Stimmung, hochwertige und bei aller Kontroverse immer lösungsorientierte Debatten sind dort die Regel, genauso wie ein selbstbewusster und dankbarer Rückblick auf 60 Jahre Bundeswehr und 25 Jahre deutsche Einheit.

Allen neu gewählten Landesvorständen wünsche ich an dieser Stelle viel Erfolg, eine glückliche Hand und die Erfüllung, die wir alle brauchen, um diesen anstrengenden Job zu machen. Der Bundesvorstand freut sich auf das gemeinsame Wirken für unsere Mitglieder, für die Menschen der Bundeswehr – getreu dem Motto der Landesversammlungen: Gestalten statt verwalten.

Wie immer beeindruckend für mich als Besucher in den letzten Tagen: die Einsatzrealität vor Ort, dieses Mal bei „jungen“ Einsätzen der Bundeswehr. Deutschland kann stolz auf unsere Kameradinnen und Kameraden im Irak sein, die völlig selbstverständlich, hoch professionell und effektiv ihren nicht ungefährlichen Ausbildungseinsatz erfüllen. Auch hier wird für jeden Besucher wieder einmal sichtbar, was der Öffentlichkeit zu Hause in der Regel verborgen bleibt. Soldatinnen und Soldaten sind außerordentlich belastbar, improvisieren routiniert und sind über jedes Normalmaß hinaus engagiert – genau deswegen ist die internationale Reputation der Bundeswehr so hoch. Gleiches gilt für die Soldatinnen und Soldaten der Marine, die im Rahmen einer noch sehr frischen EU-Mission Tag für Tag unter schwierigen und oft dramatischen Bedingungen Menschen vor dem sicheren Tod aus dem Mittelmeer retten. Ihnen ist auch die August-Ausgabe unseres Verbandsmagazins „Die Bundeswehr“ gewidmet.

Auch in dieser EU-Mission ist es wieder einmal die Bundeswehr, die der Suche nach politischen Lösungsansätzen Zeit verschafft – und in diesem Fall ist die Notwendigkeit einer von der Staatengemeinschaft im Konsens getragenen Lösungsstrategie in ihrer Dramatik buchstäblich auch für die Menschen im sicheren Europa sichtbar. Hunderttausende Menschen machen sich, getrieben von Krieg und Vertreibung oder aus blanker wirtschaftlicher Not auf den Weg in eine bessere Zukunft in der Fremde.

Tausende Flüchtlinge kommen bei uns in Deutschland an und werden in der Regel willkommen geheißen, an manchen Orten jedoch in beschämender Weise nicht. Ich als Familienvater fühle mich besonders getroffen und angesprochen, wenn ich verzweifelte Menschen sehe, die für ihre Kinder das gleiche wollen wie wir alle: eine Zukunft ohne Krieg und Hunger. Genau das schildern unsere Kameradinnen und Kameraden der Marine, die tagtäglich in die erschöpften wie hoffnungsvollen Augen der Geretteten sehen, eindrucksvoll und eindringlich.

In Migration und deren auslösenden Faktoren, wie wir sie derzeit erleben, liegt auch eine riesige sicherheitspolitische Bedrohung. Neben der Ukraine-Krise oder dem IS-Albtraum im Mittleren Osten haben wir es hier mit einer der ganz großen Herausforderungen der Gegenwart zu tun. Ich hoffe sehr, dass sich die im Angesicht der griechischen Schuldenkrise aufblitzende bedenklich tiefe Uneinigkeit zwischen den europäischen Ländern in sicherheitspolitischen Fragestellungen nicht fortsetzt. Denn mindestens genauso existentiell gefährlich, wie beispielsweise ein Absturz unserer Währung, ist ein zögerliches und unentschlossenes Begegnen der großen sicherheitspolitischen Bedrohungen für unseren Kontinent.

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