12.05.2017
Rainer Schuwirth / Wolfgang Döring

60 Jahre DWT: WEHRTECHNIK IM DIALOG

Zur Historie

Am 12. März 1957 wurde in Bad Godesberg die Arbeitsgemeinschaft für Wehrtechnik (AWT) gegründet und wenig später als eingetragener Verein registriert, dem die Gemeinnützigkeit zuerkannt wurde.

Dieser Schritt stand im Zusammenhang mit der Diskussion um die Ausstattung und Materialbeschaffung für die neu entstehende Bundeswehr. Treibende Kraft war Generalleutnant a.D. Dipl.-Ing. Erich Schneider, der sich auch mit der Zeitschrift „Wehrtechnische Monatshefte“ für eine verstärkte Berücksichtigung der Wehrtechnik und ihrer Probleme in der politischen und gesellschaftlichen Diskussion einsetzte.

Der damalige Verteidigungsminister Franz-Josef Strauss empfing vier Wochen vor dem Start der AWT einige der Gründungsmitglieder zu einem intensiven Gespräch und begrüßte deren Aktivitäten ausdrücklich.

Der Initiator der AWT und spätere erste Vorsitzende der DWT, Generalleutnant a.D. Dipl.-Ing. Schneider, wurde 1971 mit dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Die Laudatio würdigte sein Wirken in AWT und DWT als partnerschaftlich und förderlich. Damit war die DWT als Informationsplattform zwischen der Wehrtechnik und der Amtsseite anerkannt - eine Beziehung, die über die vergangenen Jahrzehnte ungebrochen blieb.

1967 wurde aus der AWT die DEUTSCHE GESELLSCHAFT FÜR WEHRTECHNIK e.V. (DWT). Damit war keine inhaltliche Neuorientierung verbunden, sondern lediglich die Anpassung des Namens an den anderer Organisationen, die sich mit der Sicherheitspolitik und der Verteidigungswirtschaft beschäftigten.

Zur Thematik

Die Themenpalette der DWT Arbeit hat sich in den vergangenen Jahrzehnten ständig den fachlichen Notwendigkeiten angepasst. Aber einige grundsätzlichen Themen finden sich immer wieder. So stand die Jahrestagung 1958 unter dem Generalthema „Rüstungsprobleme - Planung, Finanzierung, Produktion“ - und bei dem Symposium Perspektiven der Verteidigungswirtschaft im Januar 2017 stand die „Agenda Rüstung“ auf der Tagesordnung.

Während in den frühen Jahren der DWT ausschließlich wehrtechnische und ausrüstungsbezogene Fragestellungen im Mittelpunkt der Arbeit der zentralen Veranstaltungen standen, verlangen heute auch eher „weiche“ Themen wie Vergabe- und Preisrecht, Ausfuhrrecht, Vertrags- und Projektmanagement, Ausbildung, Simulation und Cyber eine besondere Aufmerksamkeit.

Die DWT konzentriert sich mit ihrer Informations- und Bildungsarbeit auf Veranstaltungen in Bonn, Berlin und Brüssel. Die großen Symposien mit hoher Teilnehmerzahl und entsprechenden Aufwendungen werden von ihrer Tochtergesellschaft, der Studiengesellschaft der DWT mbH (SGW) durchgeführt.

Beide Organisationen sind miteinander verbunden, aber sie handeln rechtlich und finanziell selbständig.

Die SGW wurde 1989 als eingetragener Verein gegründet und 1997 in die Rechtsform einer GmbH überführt. Sie unterstützt die DWT bei der Erfüllung ihrer satzungsgemäßen Ziele.

Zum Selbstverständnis

AWT und DWT haben von Beginn ihrer Tätigkeit ihre bestimmenden Prinzipien wie Gemeinnützigkeit, Selbständigkeit, Unabhängigkeit und Neutralität in ihrer Arbeit konsequent berücksichtigt und dabei viel Anerkennung erworben. Die DWT bietet einen neutralen Rahmen für den Meinungs- und Informationsaustausch. Dieses wird auch insbesondere von der Amtsseite geschätzt. Im DWT Rahmen werden Ideen vorgestellt, Projekte erläutert und diskutiert, aber keinesfalls geworben, gefordert oder gar verhandelt. Die Gesellschaft ist kein Interessenverband, sondern steht für freien Informationsaustausch.

Zur Zukunft

DWT und SGW sind solide aufgestellt und haben bewiesen, dass sie sich in ihrer Arbeit sowohl thematisch wie auch was die Veranstaltungsformate angeht, an neue Herausforderungen anpassen können. Insofern sind alle Voraussetzungen für eine erfolgreiche Fortsetzung der Informationsarbeit gegeben.

In der gegebenen Lage bleibt der Meinungs- und Gedankenaustausch zu Fragen der Sicherheitspolitik wie auch zu allen Aspekten der Wehrtechnik und der Verteidigungswirtschaft nicht nur geboten, sondern muss im Sinne eines partnerschaftlichen Dialoges, wie er von der Spitze des Bundesministeriums der Verteidigung und den führenden Kräften der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie immer wieder betont wird, vertieft werden.

Vor diesem Hintergrund geht die DWT mit vollen Segeln in das 7. Jahrzehnt ihrer Tätigkeit. Sie wird mit ihren Sektionen, dem Arbeitskreis Mittelstand, dem Initiativkreis Zukunft, den wehrtechnischen Arbeitskreisen sowie mit der SGW weiterhin als neutrale Informations- und Dialogplattform für die Amtsseite und die Verteidigungswirtschaft ihren Beitrag zur Sicherheitsvorsorge für Deutschland leisten.

Bei der Jahrestagung der DWT am 10. Mai 2017 in Bonn hat für den Vorsitzenden des Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestages Wolfgang Hellmich, der wegen einer Sondersitzung des Verteidigungsausschusses verhindert war, Frau Ulrike Merten, die Präsidentin der Gesellschaft für Sicherheitspolitik den Vortrag übernommen. Frau Merten setzte mit ihren Ausführungen zum Thema „Zwischen Trendwende, transatlantischem Bündnis und europäischer Autonomie - die Bundeswehr zwischen Hammer und Amboss“ grundsätzliche sicherheitspolitische und gesellschaftspolitische Akzente, die auch das nächste DWT Jahrzehnt mitprägen werden.

So betonte sie unter anderem die Bedeutung einer stärkeren Europäisierung der Sicherheits- und Verteidigungspolitik, verhehlte aber ihre Skepsis hinsichtlich einer raschen und konfliktarmen Umsetzung nicht.

Darüber hinaus mahnte sie eine verstärkte nationale Diskussion in Politik und Gesellschaft um die Ziele der Sicherheits- und Verteidigungspolitik an. Die Erwartungen im Hinblick auf eine solche Diskussion, die die Erarbeitung des Weißbuches in 2016 geweckt habe, seien nicht erfüllt worden - auch nicht durch den Deutschen Bundestag, merkte Frau Merten an.

Verfasser:
General a.D. Rainer Schuwirth, Vorsitzender der DWT
Generalmajor a.D. Wolfgang Döring, Geschäftsführer der DWT

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