09.10.2015
Yann Bombeke

„Schlagende Argumente für eine Mitgliedschaft im Verband“

Fürsorge, klare Führung, Team-Arbeit: Für Oberstleutnant Heiko Diehl steht als Bataillonskommandeur an vorderster Stelle, immer für seine Soldaten da zu sein – sei es in der Heimat oder im Auslandseinsatz.

 

Als Heiko Diehl 1993 in die Bundeswehr eintrat, wurde ihm schnell klar gemacht: Einsatz und Soldatenberuf gehören zusammen. Die Ansage bei der Einstellung hat sich für Diehl bewahrheitet. Mittlerweile ist der Oberstleutnant einer der einsatzerfahrensten Kommandeure der Bundeswehr.

Auf seinen vergangenen Einsatz in Afghanistan ist Oberstleutnant Heiko Diehl besonders stolz, und das, obwohl die letzte große Operation des Einsatzes den Namen „Withdrawal“ trug – das bedeutet Abzug. Ein Begriff, der im militärischen Sprachgebrauch etwa bei der Beendigung einer Operation verwendet wird.. Und dennoch war diese Operation ein großer Erfolg: Am 19. Oktober 2013 trafen in Masar-e-Sharif in einem Konvoi aus 119 Fahrzeugen insgesamt 441 deutsche Soldaten ein.

Unter ihnen waren die letzten deutschen Kampftruppen, die in Kundus stationiert waren: Soldatinnen und Soldaten des Panzergrenadierbataillons 112 aus Regen und aus anderen Einheiten der Bundeswehr. Die 300 Kilometer lange Fahrt von Kundus zum Camp Marmal nahm zwei Tage in Anspruch – und verlief ohne größere Zwischenfälle. „Das ist einer der größten Momente für mich, als wir sagen konnten: Auftrag ausgeführt, wir können jetzt zurückverlegen in die Heimat“, sagt Bataillonskommandeur Diehl.

Seit Anfang des Jahres sind die Panzergrenadiere wieder in Regen. „Ich bin froh, dass wir alle gesund wieder hier sind“, sagt Diehl. Keine Selbstverständlichkeit bei einem Einsatz wie der ISAF-Mission in Afghanistan. Davon zeugen die Gedenktafeln, die in der Bayerwald-Kaserne an die bittersten Stunden des Bataillons erinnern. Auf Plaketten sind die Namen von drei Angehörigen der 4./PzGrenBtl 112 eingraviert, die am 18. Februar 2011 bei ihrem Einsatz im OP North einem heimtückischen Anschlag zum Opfer fielen.

Der vermeintliche Freund und Partner entpuppte sich an diesem Tag als Feind. Als die Soldaten ihren Marder-Schützenpanzer warteten, eröffnete der Attentäter in afghanischer Uniform das Feuer. Die Kugeln aus seinem M16-Gewehr trafen neun Panzergrenadiere, drei von ihnen überlebten den Anschlag nicht. „Dieser Verlust ist immer in uns“, sagt Diehl, „wir halten die Erinnerung an unsere Kameraden hoch. Das ist das, was wir tun können: Die Erinnerung hochhalten und uns um die Familien der Gefallenen kümmern.“ In den Jahren 2010 und 2011 herrschte Krieg im Norden Afghanistans. Den eingesetzten Soldaten sei das längst klar gewesen, sagt Heiko Diehl. „Wir haben dort gute Kameraden verloren“, sagt der Bataillonskommandeur.

Dennoch erkennt Diehl nach nunmehr drei Einsätzen in Afghanistan Fortschritte in dem von mehr als drei Jahrzehnten Krieg zerrissenen Land. Er erinnert sich, wie er anfangs mit dem damaligen Kommandeur des RC North, Generalleutnant Hans-Werner Fritz, im Norden des Landes unterwegs war und beide gespürt haben: Hier dominieren die Feinde Afghanistans, hier haben wir wenig Bewegungsfreiheit. „Als wir neun Monate später den Raum wieder verlassen haben, konnte man die Straßen befahren. Dort waren dann afghanische Sicherheitskräfte, das war für mich greifbarer Fortschritt“, sagt Diehl. Im nächsten Einsatz sah der Panzergrenadier, dass dort nun feste Straßen gebaut und Stromleitungen verlegt worden waren. Afghanische Armee und Polizei waren noch stärker präsent als zuvor. „Wenn dort weiter Entwicklung zu beobachten ist, macht einen das unwahrscheinlich zufrieden“, erklärt der Oberstleutnant.

Als Heiko Diehl 1993 als junger Wehrpflichtiger in die Bundeswehr eintrat, waren deutsche Soldaten in Somalia eingesetzt und standen damit erst am Anfang einer langen Reihe von Auslandseinsätzen. „Der Einsatz war ein stetiger Begleiter seit dem ersten Tag bei der Bundeswehr“, erinnert sich Diehl. Nach dem Studium führt ihn sein erster Auslandseinsatz ins Kosovo. Mit neuen Verwendungen folgen neue Einsatzaufträge – drei Mal wird der heute 43-Jährige in der Folge seinen Dienst in Afghanistan verrichten. „Von Einsatz zu Einsatz hat man dann mehr Erfahrung gesammelt. Diese konnte ich jetzt zum Schluss als Bataillonskommandeur im Einsatz vollständig einbringen“, sagt der Oberstleutnant. Ob in der Heimat oder im Auslandseinsatz – ein Anliegen des Offiziers ist es, immer für seine Soldaten da zu sein. „Fürsorge ist wichtig, klare Führung ist wichtig, Team ist wichtig“, benennt Diehl seine Prioritäten. Um gut vorbereitet als Gemeinschaft den Auftrag zu erfüllen, sei es von enormer Bedeutung, dass sich Teams schon vorher bilden und dass die Ausbildung vor der Verlegung in den Einsatz abgeschlossen ist. Nicht minder wichtig sei die mentale Vorbereitung der Soldaten auf die Mission – und die Vorbereitung der Familien. „Die Familienbetreuung ist ein ganz elementarer Baustein“, betont Diehl.

Gut eingebettet sieht Diehl das Panzergrenadierbataillon 112 am Standort Regen. „Wir werden hier getragen durch die Menschen und ihre Solidarität“, sagt der Kommandeur, der sich dankbar für den Erhalt des Standortes zeigt. Durch die Reform habe man auch an Professionalität gewonnen. „Wir können unsere Team-Mitglieder – die Mannschaftsdienstgrade – jetzt viel länger an uns binden“, sagt Diehl. Als er vor knapp drei Jahren das Bataillon übernahm, sei die Struktur des Verbandes noch stark von der Wehrpflicht geprägt gewesen, mit Durchschnittsverpflichtungszeiten von unter zwei Jahren bei den Mannschaftsdienstgraden. „Jetzt bewegen wir uns in Richtung acht Jahre. Das macht uns die Arbeit viel leichter und wir können ein Niveau erreichen, das wir damals nicht erreichen konnten“, sagt Diehl im Rückblick.

Unterstützung erfährt der Bataillonskommandeur in seiner täglichen Arbeit und bei der Einsatzvorbereitung durch den Deutschen BundeswehrVerband, etwa wenn es um Themen wie finanzielle Absicherung und Rechtsschutz geht. „Die Vertreter des DBwV stehen uns mit Rat und Tat zur Seite, dafür bin ich sehr dankbar“, sagt Diehl, der seit 1993 Mitglied im DBwV ist. Schon während der Grundausbildung informierte sich der junge Soldat über den BundeswehrVerband. „Zunächst ganz pragmatisch“, sagt Diehl, „denn man wusste: Der Verband ist die Interessenvertretung der Soldaten, der Verband ist die Absicherung in Rechtsfällen. Das war natürlich ein schlagendes Argument, Mitglied zu werden.“ Im Laufe der Zeit und mit den immer gefährlicheren Einsätzen der Bundeswehr lernte Diehl auch weitere Aspekte der politischen Arbeit des DBwV zu schätzen: „Der Verband hat aus meiner Sicht dazu beigetragen, dass sich die Situation der Verwundeten und auch der Hinterbliebenen weiter verbessert hat.“

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