16.11.2016

Hilfestellungen rund um die Beihilfe

Dass es rund um die Beihilfe, also das Krankheitskostenerstattungssystem des Bundes, immer wieder teils auch erhebliche Probleme gibt, ist nicht erst seit den überlangen Bearbeitungszeiten bekannt. Und auf letztere wollen wir in diesem Artikel heute gar nicht eingehen. Dieser Artikel soll einmal mehr ein paar Hilfestellungen für jedermann beinhalten. Ein paar Hilfestellungen, die einem im Idealfall den Umgang mit der Beihilfe erleichtern sollen.

 

1.) Regelmäßiges Einreichen von Krankheitskosten

Reichen Sie entstandene Krankheitskosten am besten immer ein, sobald diese die Mindesteinreichungssumme von 200,- Euro erreichen.

Regelmäßig eingehende Beihilfeanträge mit einem überschaubaren Umfang sind oftmals deutlich schneller bearbeitet.

Das Sammeln von Kosten über einen langen Zeitraum verlängert die Bearbeitung eines einzelnen Antrags überproportional und kann in ungünstigen Fällen dazu führen, dass die Antragsfrist (Jahresfrist) überschritten wird.

Anmerkung im Interesse aller Beihilfeberechtigten:

Sammeln Sie bitte nicht über einen langen Zeitraum Kosten an um auf einen Einreichungsbetrag von mehr als 2.500,- Euro zu kommen.

 

2.) Arzneimittelkosten / Generika

Die Problematik der Arzneimittelfestbeträge und die damit einhergehenden, zum Teil sehr hohen Eigenbelastungen sind ein Thema, über das bereits mehrfach ausführlich berichtet wurde.

Am 08. November 2012 ist die bis dahin lang ersehnte höchstrichterliche Entscheidung zu diesem Thema durch das Bundesverwaltungsgericht gefällt worden und dem Grunde nach wurde die Anwendung der Arzneimittelfestbeträge in diesem Urteil für rechtens erklärt. Daher ist es zu empfehlen, nach Rücksprache mit einem Arzt beim Apotheker des Vertrauens nach einem Arzneimittel zu fragen, das dem auf dem Rezept entspricht, jedoch gemäß der Grundlagen der gesetzlichen Krankenversicherung VOLL erstattungsfähig ist.

Auf diese Weise kann unter gewissen Umständen sogar die Rezeptgebühr entfallen!

Anmerkung zur Arzneimittelverschreibung:

Beachten Sie bitte, dass die Verordnungen über Arzneimittel seit dem Januar 2014 nicht mehr von den Beihilfestellen zurückgegeben werden.

Bei dieser Vorgehensweise handelt es sich um die Umsetzung einer Vorschrift, die bereits seit mehreren Jahren Teil der Bundesbeihilfeverordnung ist und zu deren Durchführung die Beihilfestellen nunmehr von höchster Stelle angehalten worden sind.

Sollten Sie zukünftig eine weitere Rezeptkopie für die eigenen Unterlagen benötigen, so möchten wir an dieser Stelle nochmals darauf hinweisen, dass Sie diese im Vorfeld der Einreichung bei der Beihilfe anfertigen müssen. (Oft ist es so, dass Ihre Apotheke Ihnen auch eine zweite Kopie kostenlos anfertigt, wenn Sie darum bitten.)

 

3.) Honorarvereinbarungen und Befreiung von GOÄ / GOZ

Ob beim Hausarzt oder beim Zahnarzt, immer wieder bekommen Beihilfeberechtigte sogenannte Honorarvereinbarungen von den Ärzten vorgelegt, mit denen die Gebührenordnungen außer Kraft gesetzt werden sollen.

Unterschreibt man eine solche Erklärung, kann ein Arzt „nach eigenem Gusto“ abrechnen. Von Seiten der Beihilfestellen werden in solchen Fällen allenfalls die vergleichbaren Kosten in Anrechnung gebracht, was zu erheblichen Eigenbehalten führen kann.

Lassen Sie sich also auf keinen Fall auf Honorarvereinbarungen ein, durch die die Abrechnung gemäß der anzuwendenden Gebührenordnung aufgehoben wird.

 

3.1) Privatkliniken / Bundespflegesatzverordnung und Krankenhausentgeltgesetz

Gemäß der Bundesbeihilfeverordnung sind nur solche bei stationärer Unterbringung entstandene Kosten voll beihilfefähig, die anhand der Grundlagen der Bundespflegesatzverordnung und des Krankenhausentgeltgesetzes abgerechnet werden.

Kosten für Behandlungen in Privatkliniken sind zwar inzwischen grundsätzlich beihilfefähig, richten sich jedoch nach in den Beihilfevorschriften vorgesehen Höchstbeträgen. Da diese jedoch regelmäßig von Privatkliniken überschritten werden – Privatkliniken rechnen in der Regel nicht nach Bundespflegesatzverordnung und Krankenhausentgeltgesetz ab – besteht hier die Gefahr von erheblichen Kosten, die nicht von der Beihilfe und infolgedessen von den Betroffenen selbst zu zahlen sind.

Eine Ausnahme im Zusammenhang mit der Behandlung gilt im Fall der Notfallbehandlung.

Liegt ein Notfall vor und ist kein anderes Krankenhaus als eine Privatklinik zu erreichen, so ist die Notfallbehandlung selbst auch dann beihilfefähig, wenn sie in einer Privatklinik stattfindet. Sobald der Notfall jedoch als solcher behandelt ist, gelten wieder die allgemeinen Vorschriften. Also die Behandlung und Abrechnung nach Bundespflegesatzverordnung und Krankenhausentgeltgesetz oder aber die Einhaltung der Höchstbeträge für die Privatkliniken gemäß der Bundesbeihilfeverordnung.

Anmerkung:
Informieren Sie sich am besten schon heute, welches Krankenhaus in Ihrer Region ein Krankenhaus der Maximalversorgung ist, das nach den Grundlagen der Bundespflegesatzverordnung und des Krankenhausentgeltgesetzes abrechnet!

Um Ihnen diesen „Informationsmarathon“ ein wenig zu erleichtern, haben wir eine „Krankenhaus-Checkliste“ entwickelt. Auf dieser Checkliste können Sie die Informationen, die Sie aus den umliegenden Krankenhäusern abgefragt haben, eintragen.

Darüber hinaus sind die in der Bundesbeihilfeverordnung vorgesehen Höchstsätze für die Behandlung in Privatkliniken abgedruckt. Wenn also die Behandlung in einer solchen Privatklinik unumgänglich ist, dann haben Sie mit dieser Krankenhaus-Checkliste einen Anhaltspunkt zu den möglichen Maximalkosten; ein Mittel, mit dem Sie im Idealfall auch bei der Behandlung in Privatkliniken nicht auf zu hohen Kosten sitzen bleiben.

 

4.) Abschlagszahlungen

Es ist möglich bei der Beihilfestelle Abschlagszahlungen auf bestimmte, planbare Behandlungen zu beantragen und zu erhalten.

Hierbei spricht die Verwaltungsvorschrift zu § 51 Absatz 8 der Bundesbeihilfeverordnung eine recht verständliche Sprache:

„Beihilfeberechtigten Personen können insbesondere zum Schutz vor außer-gewöhnlichen finanziellen Belastungen auf Antrag Abschlagszahlungen gewährt werden. Dabei ist es ausreichend, wenn durch Unterlagen, zum Beispiel der Leistungserbringerin oder des Leistungserbringers dokumentiert wird, dass eine hohe Belastung vor der Beihilfebeantragung entsteht (zum Beispiel Kauf eines Hilfsmittels mit einer sofort zu begleichenden Rechnung). Einzahlungsbelege als Grundlage für eine Abschlagszahlung sind nicht erforderlich.“

Wird auf den entsprechenden Antrag ein Abschlag gewährt, so beläuft sich dieser in der Regel auf 80 % der zu erwartenden 70 % der Beihilfeleistungen.

 

5.) Beihilfekonto

Kaum etwas ist so wenig einplanbar wie Krankheiten; und das ist auch gut so. Allerdings kommen mit schweren Krankheiten und Behandlungen oft auch erhebliche Kosten auf die Betroffenen zu, die dann je nachdem recht schnell bezahlt werden müssen.

Um hier eine gewisse Handlungsfreiheit gewährleisten zu können, ist es zu empfehlen, ähnlich dem Heizölkonto, ein Beihilfekonto anzulegen, das ausschließlich für besondere Ausnahmefälle in Sachen Krankheitskosten und Beihilfe angetastet werden sollte.

Gerade in Anbetracht hoher Eigenbehalte, zum Beispiel bei der Implantatversorgung (Zahnersatz), kann ein solches Beihilfekonto ein „rettendes Ufer“ darstellen.

 

6.) Vollmacht

Krankheitskosten einreichen und Beihilfe beantragen kann dem Grunde nach nur der Beihilfeberechtigte selbst und nicht der / die gegebenenfalls berücksichtigungsfähige Angehörige.

Was aber, wenn der Beihilfeberechtigte aus gesundheitlichen Gründen den Antrag nicht mehr selbst ausfüllen und unterschreiben kann?

In solchen Fällen muss eine dritte Person die Kosten einreichen, was erheblich leichter und rechtlich unkomplizierter ist, wenn diese Person unter Beifügung einer entsprechenden Vollmacht den Nachweis erbringen kann, hierzu vom Beihilfeberechtigten berechtigt worden zu sein.

Wen man bevollmächtigt (Ehefrau, Kind(er), Nachbarn, Kameraden u.v.a. ), ist einem selbst überlassen. Die Vollmacht sollte jedoch, bis es denn dann so weit ist, zu Hause im „Beihilfeordner“ als oberstes Dokument abgeheftet sein, damit sie im Fall der Fälle schnell gefunden wird und dem maßgeblichen Beihilfeantrag direkt beigefügt werden kann.

Merke:
Die Beihilfevollmacht nicht vorab an die Beihilfestelle schicken, sondern erst dann, wenn sie auch wirklich benötigt wird und zum Tragen kommt! HO

 

  • Mustervollmacht Beihilfe (PDF)
  • Krankenhauscheckliste (PDF)