Gab Einblicke in die Praxis: Andrea Dachs, Referatsleiterin beim BVA in Stuttgart Foto: DBwV

Gab Einblicke in die Praxis: Andrea Dachs, Referatsleiterin beim BVA in Stuttgart Foto: DBwV

26.04.2018
Thomas Kamenzky

Neues von der Beihilfe: Direktabrechnung kommt endlich!

Das Bundesverwaltungsamt (BVA) hat vor etwa einem Jahr die Beihilfeverantwortung übernommen. Eine ganze Menge ist seit dem passiert. Eine neue Abrechnungssoftware ist (fast fertig) ausgerollt und hatte einige Probleme bereitet. Die neue Änderungsverordnung in der Beihilfe zeichnet sich immer schärfer ab. Grund genug, für den Vorsitzenden der ERH, Hauptmann a.D. / Stabshauptmann d.R. Albrecht Kiesner, und seinen Stellvertreter Oberstabsfeldwebel a.D. Armin Komander, sich im BVA in Stuttgart über das Kommende auszutauschen.

Versorgungsempfänger werden aus dem BVA Stuttgart oder Düsseldorf betreut. Allein in der Dienststelle in Stuttgart werden etwa 60.000 Beihilfeberechtigte versorgt, es gehen rund 240.000 Anträge pro Jahr ein, eine gewaltige Menge. In Stuttgart ist die neue Software bereits vollständig eingeführt. Hier konnte man Spitzen in der Beihilfebearbeitungszeit um und nach dem Jahreswechsel spüren – die Zeiten sind aber mittlerweile (Stand April) wieder bei längstens 16 Arbeitstagen angelangt.

In Düsseldorf wird der letzte Schritt zur neuen Software gerade vollzogen. Wir hoffen, dass auch hier die Zeiten im aushaltbaren Bereich bleiben. Dem ERH Vorstand war dies ein wichtiger Punkt, denn Mitglieder sollen nicht erneut mit unverhältnismäßig langen Beihilfebearbeitungszeiten konfrontiert werden.

Im nahenden Sommer ist das Inkrafttreten der nächsten Änderung der Beihilfeverordnung geplant. Eine elementare Neuheit ist die hoffentlich einzuführende Direktabrechnung. Eine langjährige Verbandsforderung würde sich damit endlich verwirklichen. Das BVA Stuttgart legte die Möglichkeiten dieser Abrechnungsform für die Beihilfeberechtigten dar und gab erste Hinweise zu den notwendigen Rahmenbedingungen. Wir werden in einem separaten Beitrag mehr darüber berichten, sobald die Änderung beschlossen ist.

Digitalisierung auch in der Beihilfe


Ansonsten freuen wir uns zu berichten, dass die Digitalisierung auch in der Beihilfewelt ankommt: Es wird aktuell an einer Beihilfe-App gearbeitet. Damit sollen dann Rechnungen mit dem Smartphone abfotografiert und über die App an das BVA übertragen werden können. Einige Versicherte kennen vergleichbare Apps von ihrer privaten Krankenversicherung. Das spart Papier, Briefmarken und Postlaufzeiten - eine Entbürokratisierung ganz im Sinne des Deutschen BundeswehrVerbandes. Auch der Bereich der Pflege war Bestandteil des Gespräches.

Hier ist Stuttgart Vorreiter mit einem eigenen Pflege-Team, das nur Beihilfeanträge im Zusammenhang mit Pflege bearbeitet. Die Materie ist hoch komplex, und in der Praxis hat sich diese Spezialisierung bewährt. Nach unserer Auffassung ist die Qualität der Bearbeitung angestiegen, davon profitieren alle. Zur schnelleren Bearbeitung wird im Übrigen geraten, einen Antrag auf Beihilfe für Krankheitskosten von jenen zu trennen, die nur Pflege betreffen.

Im Weiteren warb das BVA für Verständnis bei den Laufzeiten von Widersprüchen. Ein solcher Antrag unterliegt i.d.R. einer doppelten Prüfschleife, um Fehler weitgehend auszuschließen. Zum einen setzt sich erneut ein Sachbearbeiter thematisch mit dem Lagebild auseinander und in einer zweiten Stufe überprüft eine eigene Widerspruchsabteilung die Rechtmäßigkeit des Ursprungsbescheides. Der Aufwand ist letztlich auch sichtbar – die Widerspruchsbescheide enthalten in aller Regel eine sehr ausführliche Begründung. Der komplette Vorgang kann damit zwei bis drei Monate dauern.

Und noch einen wichtigen Hinweis gab es zum Thema Widerspruchsverfahren: Nach wie vor werden Belege von der Beihilfestelle nicht verfilmt oder gespeichert. Im Widerspruchsverfahren müssen Sie also alle Rechnungen erneut vorlegen. Sparen Sie sich also Zeit und Mühe und sichern Sie sich alle Ihre Belege vor dem Übermitteln an die Beihilfestelle und legen Sie mit dem Widerspruch alle Belege im Zusammenhang unaufgefordert erneut vor.

Ein weiterer interessanter Punkt im Zusammenhang mit Fahrtkosten wurde besprochen. Neben Rettungsfahrten sind unter bestimmten Voraussetzungen auch andere ärztlich verordnete Fahrten beihilfefähig, zum Beispiel solche, die im Zusammenhang mit einem Krankenhausaufenthalt oder einer ambulanten OP stehen. Unabdingbar hierbei ist die ärztliche Verordnung, die die medizinische Notwendigkeit darlegt.  Sie ist maßgebend und Grundlage für die Entscheidung, ob eine Beihilfefähigkeit vorliegt.

Grundsätzlich können auch nur Wege zu der nächst erreichbaren Behandlungsmöglichkeit als beihilfefähig anerkannt werden. Aufwendungen für ein Taxi können nur dann beihilfefähig sein, wenn laut ärztlicher Bescheinigung, aus zwingenden medizinischen Gründen, die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln oder einem privaten Kraftfahrzeug ausgeschlossen ist.

Fazit: Eine zentrale Forderung des Deutschen BundeswehrVerbandes – die Direktabrechnung – wird endlich umgesetzt. Wir freuen uns sehr über diese Entwicklung. Eine gute Grundlagen ist damit geschaffen und wir werden, soviel sei versprochen, emsig in Ihrem Sinne weitermachen.

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