Türen öffnen!

Aktion zur Buchvorstellung „Frauen in der Bundeswehr“.

Eine Truppe von Soldatinnen, Ehemaligen und Reservistinnen verteilen bei einer PR-Aktion in Berlin Türhänger. Es sind die Frauen hinter den Geschichten eines Buches, das passend zum 25. Jahrestag des Kreil-Urteils erscheint. Ihre Botschaft: „Türen öffnen! Für Frauen in der Bundeswehr.“

Das neue Buch erzählt die Geschichten von 17 Frauen.
Sie sind Kämpferinnen, Kameraden und Vorbilder. Mit ihrem Einsatz haben die Frauen Hürden überwunden, Widerstände gelöst, neue Türen für Frauen geöffnet und die Bundeswehr damit stärker gemacht. Ihre Geschichten zeugen von Kampfgeist. Und sie machen Mut. Denn es geht um die Fragen, die viele junge Menschen heute umtreiben:

  • Wie baue ich mir ein besseres Leben auf?
  • Wie überwinde ich Widerstände und verwirkliche meine Ziele?
  • Wie gehe ich mit schwierigen Situationen um?
  • Was macht mich stark und wofür kann ich mich heute noch einsetzen?
     

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Unsere Geschichten. Euer Vorbild?

Wir haben viel erreicht. Und viel liegt noch vor uns. Unsere Geschichten sollen inspirieren, Mut machen und euren Kampfgeist wecken.


„Menschen Hoffnung geben -und nie wieder schweigen.“

Als Sanata Doumbia-Milkereit zur Bundeswehr kam,lagen Unruhen, Flucht und Gewalt hinter ihr. Sie fand Zughörigkeit und eine Perspektive. Und sie fasste einen Entschluss: Nie wieder schweigen, wenn Menschen Ungerecht geschieht.“

Sanata Doumbia-Milkereit wird 1991 in Bouaké in der Côte d’Ivoire geboren und wächst im traditionsgebundenen, muslimischen Familienverbund ihres Großvaters auf. Sie entgeht knapp der Beschneidung, verliert früh ihre Schwester, erlebt Unruhen, Gewalt und Bürgerkrieg. Mit sechs Jahren holt ihr Vater sie nach Deutschland. Statt des erhofften „Paradieses“ erlebt sie bei der Stiefmutter körperliche und seelische Gewalt, fühlt sich wertlos, denkt an Suizid. Sie beginnt früh zu arbeiten, will da raus. Bei der Bundeswehr findet sie, was sie sucht. 

Regeln, Kameradschaft und klare Werte vermitteln ihr erstmals im Leben Zugehörigkeit. Sie entwickelt sich, die Bundeswehr erkennt ihr Potenzial und bietet ihr ein Studium an. Doch das traut sich Sanata noch nicht zu und scheidet 2018 aus dem aktiven Dienst aus. Sie studiert privat, bleibt der Bundeswehr aber als Reservistin erhalten. 2015 kehrt sie erstmals nach Bouaké zurück, trifft ihre Mutter wieder und sieht, wie abhängig Frauen in ihrer Herkunftskultur sind und wie verbreitet Zwangsehen und weibliche Genitalverstümmelung sind. Aus diesen Erfahrungen entsteht ihr Engagement als Aktivistin. Heute promoviert sie über weibliche Beschneidung und den Umgang mit Betroffenen in Deutschland, ist weiterhin Reservistin, engagiert sich für Frauen in der Bundeswehr und lebt ihr neues Leben als Mutter eines 2024 geborenen Sohnes – entschlossen, nie wieder zu schweigen und anderen Betroffenen Hoffnung zu geben.


„Ein Löwe ist ein Löwe -egal ob Mann oder Frau.“

Hülya Süzen wächst als Tochter einer muslimisch-kurdischen Familie in Deutschland auf. Als Kind will sie „Ritter“ werden. Mit Unterstützung ihres Vaters schafft sie es gegen viele Widerstände zur Bundeswehr.Dann geht es plötzlich um alles.

Das Kreil-Urteil öffnet ihr den Weg in die Streitkräfte. Als Kind muslimischer Einwanderer stößt sie damit in der Familie auf Gegenwind, doch ihr Vater hält zu ihr: „Ein Löwe ist ein Löwe – egal ob Mann oder Frau.“ Sie erlebt Auslandseinsätze – gewaltsame Ausschreitungen im Kosovo, später Raketenbeschuss. Bei einem Sportunfall wird sie dann schwer verletzt.Aber sie kämpft sich ins Leben zurück, macht Abitur und studiert. 

Auf ihrem Weg engagiert sie sich für interkulturelle Verständigung. Sie kümmert sich um Fragen muslimischer, jüdischer und anderer nicht-christlicher Soldaten und hilft, religiöse Vielfalt in der Bundeswehr sichtbar zu machen. Auch ihre Mutter ist tief berührt. Schließlich schafft sie es in die Offizierslaufbahn der Luftwaffe, geht mit der Bundeswehr in den Irak. Im Deutschen BundeswehrVerband wird sie Personalratsvorsitzende und engagiert sich für PTBS-erkrankte Soldatinnen und Soldaten. Sie lebt ihren Kindheitstraum.


„Neurodivergenz ist weder Superkraft noch Schwäche.“

Tamara Pace Ross merkt früh, dass ihr Gehirn „anders“ funktioniert: Sie ist autistisch, hochbegabt und hat ADHS. In der Schule ist sie unterfordert, in Unternehmens-beratungen macht sie Karriere. Aber erst bei der Bundeswehr findet sie den Raum, den sie braucht.

Tamara Pace Ross wächst als Tochter eines tschechisch-norwegischen Pianisten und einer deutschen Zahnarzt-helferin mit vielen Umzügen in Norwegen, Südafrika, England und Deutschland auf und merkt früh, dass ihr Gehirn „anders“ funktioniert: Sie ist autistisch, hochbegabt und hat ADHS („thrice exceptional“). In der Schule ist sie unterfordert, schnell genervt, gleichzeitig in vielem extrem gut – Schach, Klavier, Sport – verliert aber die Lust, sobald andere sie einengen. Nach dem Abitur verzichtet sie trotz zugesagtem Medizinstudienplatz auf Medizin und macht ein duales BWL-Studium. Sie optimiert Prozesse, hasst „Das haben wir immer schon so gemacht“ und geht ins Ausland: erst Big-Four-Beratung auf Malta, dann Aufbau einer Übersetzungsagentur, anschließend ein transatlantisches Joint Venture in New York, wo sie mit 28 Finanzvorständin wird. Parallel studiert sie Physik mit Schwerpunkt Quantenphysik, bekommt den Spitznamen „Sheldonisa“.

2007 wird sie alleinerziehende Mutter; als sie merkt, dass sie zentrale Momente im Leben ihres Sohnes verpasst, kehrt der alte Wunsch nach einem Medizinstudium zurück. 2011 zieht sie mit Sohn nach Berlin, beginnt Medizin an der Charité, lebt in einer WG, arbeitet in zwei Instituten und strukturiert den Alltag streng durch.Fürs Praktische Jahr geht sie bewusst ans Bundeswehrkrankenhaus Berlin, erlebt dort gutes Teamwork und entscheidet sich nach reiflicher Abwägung, als Sanitätsoffizierin zur Bundeswehr zu gehen. Im Einsatzlazarett in Mazar-e-Sharif arbeitet sie als chirurgische Assistenz und Stationsärztin, bewahrt in Stresslagen kühlen Kopf, erlebt aber auch einen toxischen Vorgesetzten und erkennt, wie wichtig Integrität und Fürsorge in Führung sind. Zurück in Deutschland übernimmt sie eine Einsatzkompanie, holt militärisches Wissen im Team nach, verändert Strukturen, setzt auf Beteiligung.

Später wechselt sie ins Einsatzführungskommando, Abteilung JMed, ist dort für medizinische Aspekte der Auslandseinsätze zuständig, wertet NATO-Dokumente aus und trägt nach dem russischen Angriff auf die Ukraine zur medizinischen Lagebeurteilung bei. Bei einer NATO-Konferenz entschärft sie einen Konflikt zwischen zwei ranghohen Offizieren.

2023 übernimmt sie das Kommando über das Sanitätsregiment 1 Führungsbereich Berlin: hoher Grundbetrieb, Übungen, Unterstützungsaufträge. 2024 führt sie Anteile des Verbandes zur Übung „Grand Quadriga“ nach Litauen. Als Kommandeurin sieht sie sich als „Enabler“, der Rahmen und Schutz bietet, damit ihre Leute glänzen können, fordert viel, aber nichts, was sie nicht selbst leisten würde. Sie wirbt für einen offenen Umgang mit Neurodivergenz, betont, dass diese weder Superkraft noch Schwäche, sondern ein Teil ihrer Identität ist, und dass kleine Anpassungen große Talente sichtbar machen können. Inzwischen ist sie Berufssoldatin. Ihr Sohn ist 17 und denkt über eine Bundeswehr-Laufbahn als Pilot nach.