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Covid-19-Impfung und Langzeitdaten – was ist bekannt?

Kleiner Pieks mit späten Folgen? Viele Menschen sind skeptisch, fürchten Langzeitschäden durch die Covid-19-Impfung. Die österreichische Medizinerin Petra Falb gibt Entwarnung. Foto: Stockfoto

Kleiner Pieks mit späten Folgen? Viele Menschen sind skeptisch, fürchten Langzeitschäden durch die Covid-19-Impfung. Die österreichische Medizinerin Petra Falb gibt Entwarnung. Foto: Stockfoto

19.01.2021
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Covid-19-Impfung und Langzeitdaten – was ist bekannt?

Die Diskussionen nehmen auch in der Bundeswehr zu: Kommt die Impfpflicht für Soldatinnen und Soldaten? Gibt es Risiken? Aktuell berichtete Spiegel Online von einem Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts, das disziplinarische Maßnahmen gegen einen Soldaten, der sich einer Impfung verweigert hatte, für rechtmäßig erklärte. Dabei ging es allerdings nur um eine Basis-Impfung, nicht um eine Covid-19-Impfung.

Auch sonst ist die Verunsicherung groß: Meldungen, dass die Impfskepsis unter medizinischem Personal recht weit verbreitet ist, tragen nicht zur allgemeinen Beruhigung bei. Weil die Impfstoffe erst seit kurzer Zeit freigegeben sind, fürchten viele Menschen „Langzeit-Nebenwirkungen“. Experten geben aber Entwarnung: Bei Impfungen sind generell keine Langzeit-Nebenwirkungen bekannt.

Petra Falb, Gutachterin in der Zulassung für Impfstoffe beim österreichischen Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen, schildert in ihrem Blog, wie Impfungen funktionieren, wie sie auf den Körper einwirken und warum die Angst vieler Menschen unbegründet ist.

Impfstoffe wirken anders als klassische Pharmazeutika

Zunächst hält Falb fest, dass Impfstoffe eine ganz andere Wirkungsweise als die sogenannten „klassischen Pharmazeutika“ wie Antibiotika, Schmerztabletten oder Psychopharmaka haben. Von diesen Wirkstoffen hat man zu verschiedenen Zeitpunkten verschiedene Konzentrationen im Körper, die nach einer gewissen Zeit abgebaut werden. Mit einem Impfstoff hingegen wird im Körper nichts „verstoffwechselt“, wie Falb es formuliert. Der Impfstoff löst lediglich eine Wirkung im Körper aus – die immunologische Reaktion.

Allein aus biologischen Gründen kann es laut Falb keine „Spätnebenwirkungen“ geben, die Jahre nach der Impfung plötzlich auftreten. Im Gegensatz zu klassischen Pharmazeutika, die mitunter über einen längeren Zeitraum eingenommen werden, kann sich mit dem Impfstoff im Körper nichts anreichern, das späte Reaktionen hervorruft. Nebenwirkungen einer Impfung zeigen sich demnach binnen weniger Stunden oder Tage, gleiches gilt für allergische Reaktionen.

Dennoch seien Langzeitdaten über einen Impfstoff wichtig – das liege aber am eventuellen Auftreten von seltenen oder sehr seltenen Nebenwirkungen, so Falb. Tritt eine bestimmte Nebenwirkung etwa nur bei einer von 100.000 Personen auf, braucht es viele geimpfte Personen und somit einen längeren Zeitraum, um diese zu erkennen.

Langzeitschäden nach der Pockenimpfung?

Als Beispiel für eine Fehlinterpretation von „Langzeitschäden“ nennt die Österreicherin die Pockenimpfung, mit der bis Ende der 1970er Jahre die Pocken ausgerottet werden konnten. Dabei trat in seltenen Fällen eine impfbedingte Encephalitis – also eine Gehirnentzündung und damit ein Langzeitschaden – auf. Das Wort „Langzeitschaden“ habe sich im täglichen Sprachgebrauch etabliert und werde vielfach fälschlich – übertragen auf die aktuelle Situation – interpretiert als „Schaden, den die Impfung erst nach langer Zeit verursacht“, so Falb. Das Auftreten dieser Encephalitis sei jedoch im Schnitt innerhalb einer Woche nach der Impfung aufgetreten. Falb bemerkt, dass ein solcher Impfstoff es nach heutigen Kriterien nicht durch ein Zulassungsverfahren schaffen würde.

Als weiteren wichtigen Faktor zur Beurteilung von Nebenwirkungen erwähnt Falb die sogenannte Hintergrundinzidenz. Als Hintergrundinzidenz bezeichnet man die Menge an Fällen einer bestimmten Erkrankung, die auch in einer ungeimpften Population innerhalb eines bestimmten Zeitraumes auftreten würde. Mit einem der neuen Covid-Impfstoffe traten während der Studien vier Fälle von Gesichtslähmung auf – diese Fälle wurden gerne in Internet-Meldungen aufgegriffen, um auf die Risiken der Impfung hinzuweisen.

Allerdings entsprechen diese Fälle laut Falb genau der bekannten Hintergrundinzidenz: Während eines vergleichbaren Zeitraumes entsprechen vier Fälle von Gesichtslähmung bei einer vergleichbaren Population also genau der erwarteten Anzahl – auch ohne jegliche Impfung. Dennoch wurde diese potenzielle Nebenwirkung in die Fach- und Gebrauchsinformation aufgenommen, weil sie in der Impfstoffgruppe und nicht in der Placebogruppe auftrat und ein Zusammenhang somit nicht ausgeschlossen werden kann.

Für die Medizinerin ergibt sich mit den aktuell entwickelten Corona-Impfstoffen eine vorteilhafte Situation. Allein in den klinischen Studien vor der Zulassung sei die Anzahl der Probanden sehr hoch gewesen – deutlich höher als bei anderen ebenfalls in den vergangenen Jahren neu zugelassenen Impfstoffen. Zudem sei durch die laufenden Massenimpfkampagnen schnell die notwendige Anzahl Geimpfter erreicht worden, um seltene Nebenwirkungen erkennen zu können.

Den vollständigen Beitrag von Petra Falb finden Sie HIER.

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