US-Soldaten auf dem Luftstützpunkt Bagram bei Kabul: Nach Angaben aus US-Regierungskreisen will Präsident Joe Biden alle US-Truppen bis spätestens zum 11. September aus Afghanistan abziehen - in Koordinierung mit den Nato-Partnern. Foto: US Army

US-Soldaten auf dem Luftstützpunkt Bagram bei Kabul: Nach Angaben aus US-Regierungskreisen will Präsident Joe Biden alle US-Truppen bis spätestens zum 11. September aus Afghanistan abziehen - in Koordinierung mit den Nato-Partnern. Foto: US Army

13.04.2021
dpa/yb

Biden will US-Truppenabzug aus Afghanistan bis 11. September

Die Entscheidung über einen Truppenabzug aus Afghanistan ist eine der heikelsten, die US-Präsident Biden bislang fällen musste. Nun steht ein Termin für den Abzug fest. Das Datum besitzt hohe Symbolkraft – entspricht aber nicht dem mit den Taliban vereinbarten Plan.

Washington. US-Präsident Joe Biden will nach Angaben aus Regierungskreisen alle US-Truppen aus Afghanistan bis zum 11. September abziehen – dem 20. Jahrestag der Terroranschläge von New York und Washington. Ein hochrangiger US-Regierungsvertreter sagte am heutigen Dienstag, der geordnete Abzug der Truppen aus Afghanistan solle noch vor dem 1. Mai beginnen und spätestens bis zum 11. September abgeschlossen sein. Unter Bidens Vorgänger Donald Trump hatte die US-Regierung mit den Taliban einen Abzug bis zum 1. Mai vereinbart.

Der US-Regierungsvertreter sagte weiter, der Abzug werde mit den Nato-Partnern koordiniert. Man sei gemeinsam nach Afghanistan gegangen, und „wir sind bereit, gemeinsam wegzugehen“. Der Abzug sei nicht an Bedingungen geknüpft, weil ein solcher Ansatz nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre dazu führe, „für immer in Afghanistan zu bleiben“. Die Bundesregierung hatte sich zuletzt dafür ausgesprochen, das Ende des Nato-Einsatzes in Afghanistan vom Erfolg der Friedensverhandlungen zwischen den militant-islamistischen Taliban und der Regierung in Kabul abhängig machen. Noch vor wenigen Wochen hatte der Bundestag das Mandat für den Bundeswehr-Einsatz um weitere zehn Monate bis Ende Januar 2022 verlängert.

Der US-Regierungsvertreter betonte, der 11. September sei das späteste Datum, um den Abzug abzuschließen – das Ziel könne aber auch deutlich vorher erreicht werden. Danach sollten nur noch Soldaten zum Schutz der US-Diplomaten in Afghanistan im Land verbleiben.

Die Aufständischen hatten zuletzt neue Gewalt gegen Nato-Truppen angedroht, sollte die Frist bis zum 1. Mai nicht eingehalten werden. Der US-Regierungsvertreter warnte die Taliban vor Angriffen auf ausländische Truppen während des Abzugs. In einem solchen Fall würden die USA hart zurückschlagen, drohte er. Mit Blick auf die Frauenrechte in Afghanistan fügte er hinzu, die USA würden sich mit allen diplomatischen, humanitären und wirtschaftlichen Mitteln für deren Schutz einsetzen.

Nach offiziellen Angaben befinden sich derzeit noch rund 2500 US-Soldaten in Afghanistan. Zum Höhepunkt vor zehn Jahren waren es rund 100.000 amerikanische Soldaten. Zuletzt waren inklusive der US-Truppen insgesamt noch etwa 10.000 Soldaten aus Nato-Ländern und Partnernationen in Afghanistan, um die demokratisch gewählte Regierung durch die Ausbildung und Beratung von Sicherheitskräften zu unterstützen. Unter ihnen sind aktuell 1035 deutsche Soldaten (Stand 6. April). Die Bundeswehr ist bereits seit rund 19 Jahren in Afghanistan.

Die Anschläge vom 11. September 2001, für die das Terrornetz Al-Kaida verantwortlich gemacht wurde, hatten den Einmarsch der US-geführten Truppen in Afghanistan im Monat darauf ausgelöst. Der internationale Militäreinsatz führte zum Sturz des Taliban-Regimes, das sich geweigert hatte, Al-Kaida-Chef Osama bin Laden auszuliefern.

Die Afghanistan-Entscheidung gehört zu den heikelsten, die Biden in seiner jungen Amtszeit treffen musste. Beide Optionen – Rückzug oder Verbleib – gelten als riskant. Eine vom US-Kongress eingesetzte Expertengruppe empfahl in einem Bericht im Februar, dass die US-Regierung im Doha-Abkommen verbleibt, die Truppen aber nicht zum 1. Mai abzieht, sondern erst dann, wenn die Taliban ihre Verpflichtungen erfüllt haben.

Ein Verbleib in Afghanistan über den 1. Mai hinaus birgt die Gefahr, dass westliche Truppen wieder Ziel von Gewalttaten der Taliban werden. Wegen dieses Szenarios hat Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer bereits in Absprache mit den militärischen Spitzen angeordnet, die Schutzmaßnahmen für die Bundeswehrsoldaten zu verstärken. So soll die dafür vorgesehene Infanteriekompanie um einen Mörserzug sowie um weitere Anteile aus den Niederlanden verstärkt werden.

Im Fall eines Rückzugs zum 1. Mai sahen die Experten unter anderem die Gefahr einer Machtübernahme der Taliban, eines erneuten Bürgerkrieges, einer terroristischen Bedrohung für die USA und einer weiteren Flüchtlingskrise mit Auswirkungen auch auf die EU.

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