Ehrung durch den Bundespräsidenten: Frank-Walter Steinmeier zeichnete Kapitänleutnant Nariman Hammouti mit dem Bundesverdienstkreuz aus. Foto: picture alliance/dpa/Bernd von Jutrczenka

Ehrung durch den Bundespräsidenten: Frank-Walter Steinmeier zeichnete Kapitänleutnant Nariman Hammouti mit dem Bundesverdienstkreuz aus. Foto: picture alliance/dpa/Bernd von Jutrczenka

06.10.2026
Von Antonia Wolf

Starke Stimme für Vielfalt: Nariman Hammouti erhält den Verdienstorden

„Deutschland ist nicht nur ein Ort, von dem man kommt. Deutschland ist auch ein Land, für das man Verantwortung übernimmt, sagt die Marineoffizierin Nariman Hammouti über ihre Heimat. Verantwortung für ihr Land hat sie allemal übernommen – und bekommt dafür am 5. Oktober 2026 den Verdienstorden der Deutschen Bundesrepublik verliehen. Zum Tag der Deutschen Einheit zeichnet der Bundespräsident im Amtssitz insgesamt 21 Bürgerinnen und Bürger mit dem Verdienstorden aus.

Hammouti ist 2005 in die Bundeswehr eingetreten. Sie gehört zu einem der ersten Jahrgänge, nachdem alle Laufbahnen für Frauen geöffnet wurden. Ihr ist wichtig, dem Land zu dienen, in dem sie geboren und aufgewachsen ist. Die Bundeswehr sei damals noch an vielen Stellen eine andere gewesen als heute, sagt sie rückblickend. Als Tochter marokkanischer Eltern und muslimische Soldatin nimmt sie sich dennoch ihren Platz. Sie wartet nicht darauf, dass andere ihr die Türen öffnen. „Ich wollte selbst hindurchgehen – und dafür sorgen, dass sie für diejenigen, die nach mir kommen, vielleicht ein Stück weiter offenstehen.“ Hammouti weiter: „Ich glaube, Veränderung beginnt auch damit, dass Menschen Verantwortung übernehmen und selbst Teil dieser Veränderung werden.“

So setzt sich die Marineoffizierin nun seit Jahren für Fortschritt bei Integration, Teilhabe und dem Ablegen von Klischeebildern über Soldaten der Bundeswehr ein. Unter anderem auch gemeinsam mit dem DBwV. „Für mich ist besonders wertvoll, dass man dort mit Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen der Bundeswehr und den Fachreferaten des BMVg ins Gespräch kommt“, berichtet die Soldatin. Insbesondere liegt ihr die muslimische Militärseelsorge am Herzen – ein wichtiger Schritt für mehr Gleichbehandlung in der Truppe.

Nariman Hammouti sah sich während ihrer Auslandeinsätze gezwungen, eine „Art Bedienungsanleitung für meinen eigenen Tod“ zu verfassen. Ein Leitfaden für ihre Vorgesetzten, damit sie wissen, was im schlimmsten Fall zu tun ist und welche religiösen Vorgaben zu beachten sind. Diese Erfahrung würde sie anderen jungen muslimischen Soldatinnen gerne ersparen. In ihrem 2019 veröffentlichten Buch „Ich Diene Deutschland“ formuliert Hammouti offen weitere Verbesserungen in der Bundeswehr. „Man kann für die Bundeswehr sein und trotzdem benennen, wo sie sich verändern muss“, betont sie. Und tatsächlich habe sich seither vieles verändert: „Wir sehen mehr Frauen in Führungsverantwortung, eine größere Sensibilität für unterschiedliche kulturelle und religiöse Hintergründe und insgesamt eine offenere Diskussion über Vielfalt und Chancengerechtigkeit.“ 

Gleichzeitig bedarf es in ihren Augen noch immer einer gesamtgesellschaftlichen Debatte darüber, was die deutsche Identität ausmacht. Für sie gehe es dabei nicht darum, wo die Eltern geboren sind und welchen Nachnamen man trägt. Vielmehr sei es das Mitgestalten der Gesellschaft und das Achten der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. „Deutschland sieht eben auch aus wie ich.“

Hauptmann a.D. Jörg Greiffendorf, Schatzmeister des DBwV und für Militärseelsorge zuständiges Bundesvorstandsmitglied, gratulierte Kapitänleutnant Hammouti zur Ehrung. „Nariman Hammouti hat sich über viele Jahre beharrlich für ihre Ziele eingesetzt – sie ist eine Brückenbauerin in Uniform. Mit ihrem Engagement für Vielfalt, für Frauen in der Bundeswehr oder ihren Einsatz für eine muslimische Militärseelsorge hat sie immer wieder gezeigt, wie wichtig es ist, den Finger auch mal in die Wunde zu legen, wenn sich Dinge zum Positiven hin entwickeln sollen.“

Der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ist die höchste staatliche Auszeichnung für Verdienste um das Gemeinwohl. Er wird unter anderem für politisches, wirtschaftlich-soziales und kulturelles Engagement verliehen.  

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