Rückblick auf den Kalten Krieg: Bei der Informationsveranstaltung der Kameradschaft ERH Hammelburg erläuterte Stabsfeldwebel a.D. Thomas Balling die Bedeutung von Point Alpha und des Fulda Gap. Collage: Ingo Kaminsky

Rückblick auf den Kalten Krieg: Bei der Informationsveranstaltung der Kameradschaft ERH Hammelburg erläuterte Stabsfeldwebel a.D. Thomas Balling die Bedeutung von Point Alpha und des Fulda Gap. Collage: Ingo Kaminsky

05.10.2026
Von Franz Herrler

Zwischen Fulda Gap und Point Alpha: Rückblick auf die Zeit des Kalten Krieges

Im Rahmen einer Informationsveranstaltung der Kameradschaft ERH Hammelburg sprach Stabsfeldwebel a.D. Thomas Balling über die Verteidigungsplanungen der NATO während des Kalten Krieges. Sein Vortrag führte viele der anwesenden ehemaligen Soldaten zurück in ihre aktive Dienstzeit, als sie selbst in die Planungen und Vorbereitungen der Bündnis- und Landesverteidigung eingebunden waren.

Grundlage dieser Planungen war der „General Defense Plan“ (GDP) der NATO. Er regelte die Verteidigung Westeuropas gegen einen möglichen Angriff des Warschauer Paktes und wurde fortlaufend an die sicherheitspolitische Lage angepasst. Aufgrund ihrer geografischen Lage galt die Region zwischen Rhön und Vogelsberg als einer der wahrscheinlichsten Angriffsräume. Dieser als „Fulda Gap“ bekannte Korridor spielte daher eine zentrale Rolle in den Verteidigungskonzepten von NATO und Bundeswehr.

Anhand von Karten und Übersichten erläuterte Balling die damals für diesen Raum vorgesehenen Kräfte, darunter die 12. Panzerdivision der Bundeswehr sowie US-amerikanische Verbände. Eine besondere Bedeutung kam dabei den Beobachtungsstützpunkten der US-Streitkräfte entlang der innerdeutschen Grenze zu. Der bekannteste dieser Observation Posts war „Point Alpha“ bei Rasdorf. Der heute als Gedenk- und Mahnstätte bekannte Standort galt im Kalten Krieg als einer der wichtigsten Vorposten der NATO. Hier überwachten amerikanische Soldaten rund um die Uhr die Grenze und sollten frühzeitig Hinweise auf militärische Bewegungen des Warschauer Paktes erkennen. Zur Vorbereitung auf einen möglichen Ernstfall dienten unter anderem die multinationalen REFORGER-Übungen („Return of Forces to Germany“), bei denen die schnelle Verlegung amerikanischer Verstärkungskräfte nach Deutschland geprobt wurde. Dass diese Planungen niemals tatsächlich umgesetzt werden mussten, ist letztlich dem friedlichen Ende des Kalten Krieges zu verdanken.

Im Rahmen der Veranstaltung wurden zudem zwei langjährige Mitglieder des Deutschen BundeswehrVerbandes geehrt. Für 40 Jahre Mitgliedschaft erhielt Stabshauptmann a.D. Peter Wegner eine Auszeichnung. Für seine 50-jährige Zugehörigkeit zum Verband wurde Oberstleutnant a.D. Klaus Voshage geehrt. Voshage führte die Kameradschaft vierzehn Jahre lang als Vorsitzender und ist heute ihr Ehrenvorsitzender.

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