Soldaten vom Kommando Spezialkräfte sitzen mit dem HK 416 A7 (G95) bewaffnet im Hubschrauber H145M LUH SOF. Foto: Bundeswehr/Jana Neumann

Soldaten vom Kommando Spezialkräfte sitzen mit dem HK 416 A7 (G95) bewaffnet im Hubschrauber H145M LUH SOF. Foto: Bundeswehr/Jana Neumann

15.08.2026
DBwV

„Das KSK genießt im internationalen Kreis vergleichbarer Spezialkräfte einen ausgezeichneten Ruf"

Brigadegeneral Andreas Kühne ist Kommandeur des Kommandos Spezialkräfte in Calw. Wir sprachen mit ihm über das Aufgabenspektrum des KSK, Operationen im Geheimen und den Wahlspruch des Kommandos.

Die Bundeswehr: Herzlichen Glückwunsch zum 30. Gründungstag des KSK! Wie kam es seinerzeit zur Gründung des Verbandes?

Brigadegeneral Andreas Kühne: Die Gründung des KSK war eine unmittelbare Konsequenz aus den sicherheitspolitischen Erfahrungen der 1990er-Jahre. Im Nachgang des Bürgerkrieges in Ruanda (Volksgruppe der Hutis vs. Tutsi) und die damit einhergehende Evakuierung deutscher Staatsbürger durch belgische Fallschirmjäger hat Deutschland damals erkannt, dass es für besonders komplexe Krisenlagen – etwa die Rettung deutscher Staatsangehöriger, die Befreiung von Geiseln oder Spezialoperationen – eine eigene militärische Spezialkräftefähigkeit benötigt. Heute zeigt sich, dass diese Entscheidung vorausschauend und richtig war, obgleich sich in den 30 Jahren die sicherheitspolitische Weltlage mehrmals und damit auch die an das KSK gestellten Aufgaben geändert haben. Das KSK ist daher ein Verband, der sich daran angelehnt über jetzt drei Jahrzehnte kontinuierlich weiterentwickelt hat und heute mit zu den leistungsfähigsten Spezialkräften unserer Bündnispartner zählt. Es ist ein lebender, dynamischer und sich ständig anpassender Truppenkörper. Seit seiner Gründung war das KSK nahezu durchgängig in Einsätzen, darunter fast zwei Jahrzehnte in Afghanistan. Diese insgesamt mehr als 60 unterschiedlichen Einsätze mit jeweils einer Vielzahl an Rotationen haben den Verband geprägt, wertvolle Erfahrungen hervorgebracht und die Fähigkeiten kontinuierlich weiterentwickelt. Auf diese Einsatzgeschichte können wir mit berechtigtem Stolz zurückblicken. Gleichzeitig richtet sich unser Blick konsequent nach vorne und das KSK ist bereit, Deutschland und seine Bündnispartner schützen zu können. Dafür sind wir heute voll einsatzbereit!

Wie sieht das Aufgabenspektrum des KSK unter den Vorzeichen von Landes- und Bündnisverteidigung aus?

In einer sicherheitspolitischen Lage, die sich durch Dynamik, Komplexität und zunehmende Unvorhersehbarkeit auszeichnet, gewinnen durchsetzungsfähige und hochmoderne Spezialkräfte weiter an Bedeutung. Sie sind ein unverzichtbares Instrument moderner agiler Streitkräfte, wenn es darum geht, frühzeitig auf Krisen zu reagieren, Risiken zu minimieren und strategische Handlungsfreiheit durch Schaffen von entscheidenden Voraussetzungen zu sichern. Damit wir der Politik Handlungsoptionen zur Durchsetzung nationaler Interessen anbieten können – wenn dies gewollt und mandatiert ist. Der Kernauftrag im Rahmen des nationalen Risiko- und Krisenmanagements zum Schutz deutscher Staatsangehöriger im Ausland bleibt selbstverständlich erhalten. Als Spezialkräfte sind wir im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung oft eher in einer unterstützenden Rolle für die konventionelle Kriegsführung. Unser Beitrag ermöglicht und unterstützt wesentlich den Einsatz konventioneller Kräfte. Wir können mit unseren besonderen Fähigkeiten kritische Infrastruktur und Waffensysteme des Gegners zerstören und damit seine Handlungsfähigkeit maßgeblich einschränken.

Das Kommando operiert im Geheimen. Was bedeutet das? Auf welche Bereiche erstreckt sich die Geheimhaltung?

„Geheim“ impliziert auch immer ein „abgeschottet“ sein. So ist es nicht, vielmehr wäre die eher zutreffende Aussage, dass wir auch im „Verdeckten“ operieren können. Als Kommandeur des KSK habe ich die Verantwortung für die mir anvertrauten Soldatinnen und Soldaten und deren Sicherheit. Alle Angehörigen des KSK unterliegen einem Identitätsschutz, der sich aus den sensiblen Aufträgen des Kommandos ergibt. Aufträge wie Kriegsverbrecher im Ausland zu finden und festzusetzen, terroristische Netzwerke zu bekämpfen oder hybriden Bedrohungen in komplexen Szenarien zu begegnen ziehen die Aufmerksamkeit der Gegner und deren Nachrichtendienste auf uns und daher müssen wir uns und unsere Familien schützen.

Was für Menschen dienen im KSK?

Tolle Menschen, die meinen vollen Respekt und meine volle Anerkennung haben. Im KSK dienen hochprofessionelle, hervorragend ausgebildete und ungewöhnlich motivierte Soldatinnen und Soldaten. Sie verbindet ein gemeinsames Werteverständnis: Sie stellen den Auftrag, das Team und die Verantwortung für ihre Kameradinnen und Kameraden konsequent über persönliche Interessen. Leistungsbereitschaft, Bescheidenheit, Disziplin und absolute Verlässlichkeit prägen ihr tägliches Handeln. Diese Haltung ist die Grundlage dafür, auch unter höchsten physischen und psychischen Belastungen verantwortungsvoll Entscheidungen treffen und Aufträge erfolgreich erfüllen zu können.

Der Wahlspruch des KSK ist „Der Wille entscheidet“. Was bedeutet das konkret?

„Der Wille entscheidet“ entstand ursprünglich als Leitspruch der ersten Kommandokompanie des KSK und wurde aufgrund seiner Aussagekraft schon bald zum Leitmotiv des gesamten Verbandes. Er bringt auf den Punkt, was Spezialkräfte auszeichnet: Körperliche Leistungsfähigkeit und fachliches Können sind unverzichtbar – den entscheidenden Unterschied macht jedoch der Wille, auch unter größter Belastung Verantwortung zu übernehmen, Lösungen zu finden und den Auftrag zu erfüllen. Diese Haltung prägt das KSK bis heute. Sie spiegelt sich bereits im Potenzialfeststellungsverfahren wider, bei dem nicht alleine Kraft und Ausdauer ausschlaggebend sind. Entscheidend ist die mentale Stärke, Rückschläge zu überwinden, durchzuhalten und auch unter extremen Bedingungen die richtigen Entscheidungen zu treffen. Genau diese innere Haltung macht aus guten Soldaten Kommandosoldaten.

Hat das Kommando ausreichend Bewerber? Wie ist die Nachwuchslage?

Das Kommando Spezialkräfte ist einsatzbereit. Die Bewerberzahlen sind tatsächlich gut, allerdings sind auch die Anforderungen hoch, sodass nur ein geringer Teil der Bewerbenden es am Ende schafft. Wie viele spezialisierte Hochleistungsorganisationen steht aber auch das KSK vor der Herausforderung, dauerhaft ausreichend geeignetes Personal zu gewinnen und langfristig zu binden. Unser Ziel bleibt es, Qualität und Einsatzfähigkeit langfristig auf höchstem Niveau zu halten und so dürfen die Standards auf keinen Fall gesenkt werden. Der Anspruch an Personal im KSK ist bewusst außergewöhnlich hoch – fachlich, körperlich und charakterlich, aber es gibt genügend leistungsfähige junge Menschen; wir suchen sie und sprechen sie aktiv an.

Wie steht das KSK im internationalen Vergleich?

Spezialkräfte lassen sich nicht seriös in einer Rangliste vergleichen. Jede Nation hat unterschiedliche Aufträge, Erfahrungen und Rahmenbedingungen. Entscheidend ist, dass das KSK die ihm übertragenen Aufträge zuverlässig erfüllen kann. Das KSK genießt im internationalen Kreis vergleichbarer Spezialkräfte einen ausgezeichneten Ruf. Es ist ein verlässlicher und leistungsfähiger Partner innerhalb der NATO und arbeitet regelmäßig eng mit befreundeten Spezialkräften zusammen. Gemeinsame Übungen, Einsätze und Erfahrungsaustausch tragen dazu bei, Fähigkeiten stetig weiterzuentwickeln und höchste professionelle Standards zu sichern. Unser Anspruch ist dabei nicht der Vergleich, sondern bestmöglich auf die Erfüllung eines Auftrags vorbereitet zu sein. So erhielt im Rahmen der ersten Operation in Bosnien das KSK den Ritterschlag eines amerikanischen Generals: „Welcome to the club“.

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