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Sönke Neitzel im Interview: „Die Bundeswehr wird nicht als Kampftruppe anerkannt“

Die politische und militärische Führung müsste die vertikale Kohäsion stärken, fordert Militärhistoriker Sönke Neitzel im Interview mit „Die Bundeswehr“. Foto: DBwV/Scheurer

Die politische und militärische Führung müsste die vertikale Kohäsion stärken, fordert Militärhistoriker Sönke Neitzel im Interview mit „Die Bundeswehr“. Foto: DBwV/Scheurer

01.08.2020
Oliver Krause

Sönke Neitzel im Interview: „Die Bundeswehr wird nicht als Kampftruppe anerkannt“

Die politische und militärische Führung müsste die vertikale Kohäsion stärken, fordert Militärhistoriker Sönke Neitzel im Interview mit „Die Bundeswehr“.

Die Bundeswehr:Herr Neitzel, welche Rolle spielen NS-Deutschland und vor allem die Wehrmacht in der Geschichte der Bundeswehr?
Sönke Neitzel: Die Wehrmacht gehört zur DNS der Bundeswehr, obwohl die Bundeswehr eine ganz andere Armee als die Wehrmacht ist. Sie hat eine eigene Kultur, einen eigenen Referenzrahmen. Aber natürlich gab es Kontinuitäten: Fünf Prozent des Offizierskorps der Wehrmacht sind in die Bundeswehr eingetreten und haben eine zentrale Rolle beim Aufbau gespielt. Denken wir an Offiziere wie Ferdinand von Senger und Etterlin, der als junger Leutnant mit der 24. Panzer-Division in der Sowjetunion kämpfte, was zweifellos stark prägte. Die Bundesrepublik Deutschland kannte in keinem Bereich der Gesellschaft eine „Stunde Null“.

Mit den Jahren sind zwar die Kriegsgedienten aus der Bundeswehr hinausgewachsen, aber die nachfolgenden Jahrgänge sind von ihnen geprägt worden. Denken Sie an Männer wie Henning von Ondarza: 1956 ist er in die Bundeswehr eingetreten und war in den ersten beiden Jahrzehnten umgeben von kriegsgedienten Soldaten. Er war unter anderem Adjutant von Albert Schnez, was ihn und sein Bild von der Wehrmacht selbstverständlich beeinflusst haben dürfte.

Der Bruch trat schließlich in den 1990er Jahren ein: Persönlichkeiten, die in der Wehrmacht gekämpft haben, wie der Bundestagsabgeordnete Alfred Dregger, gehen in den Ruhestand oder solche, die die Anknüpfung an Vorbilder aus der Wehrmacht stets verteidigten, wie etwa Manfred Wörner treten ab. Wörner starb 1994. Die Wehrmachtausstellung löst eine breite gesellschaftliche Debatte über die Verbrechen deutscher Soldaten aus und der Auftrag der Bundeswehr ändert sich. Mit bewaffnetem Kampf hatte der UN-Einsatz in Somalia nichts mehr zu tun.

Die Wehrmacht hat in den Köpfen mancher auch deswegen so lange überdauert, weil sie im Ost-West-Konflikt auf der Ebene des militärischen Handwerks, also des Panzerbataillons oder der Infanteriekompanie als Bezugspunkt diente. Die konventionelle Vorneverteidigung im NATO-Bündnis gegen angreifende sowjetische Panzerverbände unterschied sich militärisch nicht so sehr von den Rückzugsgefechten der Wehrmacht nach 1943/44.

Die Bundeswehr tut sich mit der Entwicklung einer eigenen Tradition schwer. Welche historischen Vorbilder gibt es für die Angehörigen der Bundeswehr?
Offiziell müssen das Persönlichkeiten sein, die in den Werten und Normen des Grundgesetzes verhaftet sind. Mitglieder des Widerstands gegen Hitler oder Revolutionäre von 1848/49 sind ebenfalls noch möglich. Zur Wahrheit gehört jedoch, dass Wehrmachtangehörige noch immer eine Rolle spielen, wenn auch eine untergeordnete. Das betrifft vornehmlich die Kampftruppe des Heeres. Es ist der Bundeswehr nicht durchgängig gelungen, den Unterschied zwischen Tradition und Geschichte zu vermitteln, so dass Geschichte mitunter für Tradition gehalten wird. Gerade in der Kampftruppe wird, was der Traditionserlass gerade nicht zulässt, zwischen soldatischem Handwerk und politisch-historischem Kontext differenziert. Natürlich nicht offiziell, aber hinter vorgehaltener Hand eben schon. Es gibt gewiss Panzersoldaten, die die Leistungen von Tiger-Kommandanten des Zweiten Weltkrieges nicht nur für Geschichte, sondern als Teil ihrer soldatischen Tradition auffassen – auch wenn sie wissen, sie um die Verbrechen der Wehrmacht wissen. Während eine solche Unterscheidung zwischen Handwerk und Kontext in anderen gesellschaftlichen Bereich noch toleriert wird, denken Sie nur an die Berliner Philharmoniker und Herbert von Karajan, liegt der Fall bei der Bundeswehr angesichts der Millionen Opfer des Vernichtungskriegs gewiss anders. Gleichwohl bin ich überzeugt, dass die Wehrmacht im 21. Jahrhundert aus der Bundeswehr endgültig herauswachsen wird. Die Männer und Frauen, die heute in die Bundeswehr eintreten, haben kaum noch Bezug mehr zu ihr.

Eine eigene Tradition soll vor falschen Vorbildern und rechtsextremer Vereinnahmung schützen. Kann das gelingen?
Wir müssen von dem Befund ausgehen, dass nicht wenige Soldaten der Kampftruppen bei ihrer Suche nach Orientierung derzeit auch noch auf die Wehrmacht zurückgreifen. Dagegen hilft ein Erlass nicht. Ich muss diesen Soldaten gewissermaßen ein „artgerechtes“ Angebot machen. Man sollte nicht versuchen, einem Panzergrenadier mit dem Hilfseinsatz während des Oder-Hochwassers kommen, weil Sandsäcke schleppen nicht das ist, was Panzergreandiere üblicherweise tun.

Wie könnte ein solches Angebot aussehen?
Das BMVg hat mit dem Traditionserlaß vielerlei Möglichkeiten aufgezeigt, etwa durch das das Herausstreichen des Willens zum Kampf und das Zugeständnis, dass historische Beispiele für zeitlos gültige Tugenden in der Bundeswehr Anerkennung finden können. Bei der konkreten Ausgestaltung hat man allerdings den Ball an die Truppe zurückgespielt. Dort herrscht große Unsicherheit, wie der Erlass richtig auszulegen ist. Ich könnte mir Angehörige der Gründergeneration der Bundeswehr vorstellen oder des militärischen Widerstands, die im Zweiten und teilweise sogar im Ersten Weltkrieg gekämpft haben: Axel von dem Bussche, der mit 25 Jahren bereits Bataillonskommandeur war, kann ich als militärisches Vorbild mit Blick auf Führungsverständnis und soldatische Tapferkeit verwenden, weil er nicht zuletzt moralisch auf der richtigen Seite stand. Theodor Groppe ist als überzeugter Katholik Heinrich Himmler entgegengetreten und kam in Gestapo-Haft. Er war im Ersten Weltkrieg ein tapferer Offizier. Beide schlummern meines Wissens in einer Datenbank des Zentrums Innere Führung, werden der Kampftruppe des Heeres als Identifikationsfiguren jedoch nicht angeboten, obwohl sie sich ideal eignen. Auch ein Ferdinand von Senger und Etterlin, der spätere Oberbefehlshaber der NATO-Streitkräfte Mitteleuropa, war – wie im übrigen Helmut Schmidt – ein intrinsisch motivierter Soldat, geradezu ein Krieger, der sich dann voll in den neuen Staat mit seinem neuen Wertesystem einbrachte. Gewiss war der junge Senger des Jahres 1942 ein anderer als jener des Jahres 1982.  Obwohl es also Vorbilder gibt, passiert in der Praxis – wenn ich das richtig überblicke – nur wenig, weil die Sorge zu groß ist, etwas falsch zu machen. Folglich wird das Bedürfnis nach Vorbildern, die gekämpft haben, kaum erfüllt. Daran hat sich mit dem neuen Traditionserlass nichts grundlegend geändert.

Erfreulich ist aber, dass dieser Tage die Kampferfahrung in Afghanistan etwa auf der Website der Bundeswehr, prominenter vertreten ist. Insgesamt ist man dabei aus meiner Sicht aber noch zu zaghaft.

Von der Verteidigungsministerin bis zur Wehrbeauftragten: alle verwahren sich gegen einen Generalverdacht. Trotzdem haben wir einen handfesten Bundeswehrskandal. Das passt doch nicht zusammen.
Der Fund von Waffen, Munition und Sprengstoff auf dem Privatgrundstück eines mutmaßlich rechtsextremen KSK-Soldaten ist eine völlig neue Qualität. Aus meiner Sicht haben Verteidigungsministerin, Generalinspekteur und der Kommandeur richtig reagiert, was auch im Kommando so gesehen wird. Die 60 Maßnahmen sind angemessen.

Die rund 15 Problemfälle, die es im KSK und speziell in der zweiten Kompanie gab, sind wohl bereits mit einem problematischen Weltbild in die Bundeswehr gekommen. Ich frage mich, wie Patrick D. – wenn stimmt, was über ihn gesagt wird – eine Ü3-Sicherheitsüberprüfung durch den MAD bekommen konnte. Diese Männer zu entfernen, ist das dringende Problem. Die weitergehende Frage muss sein, wie wir mit denjenigen im KSK im Speziellen und in der Bundeswehr im Allgemeinen umgehen, die zwar nicht rechtsextrem oder -radikal sind, sich aber von der politischen und militärischen Führung ein Stück weit abgewandt haben. Die politische und militärische Führung muss die „vertikale Kohäsion“ stärken, damit sich die Soldaten nicht in ihre „tribal culture“ zurückziehen, in welcher der Bezug zum Parlament wohl nicht im Vordergrund steht.

Kann das gelingen? Viele Politiker fremdeln mit allem Militärischen. Ursula von der Leyen wollte sich bei einem Afghanistan-Besuch nicht vor einer Aufklärungsdrohne ablichten lassen.
Die Skepsis gegenüber der Armee ist keine bundesdeutsche Erfindung, sondern reicht zurück in das Jahr 1919, in dem der Begriff vom „Staat im Staate“ erstmals politische Bedeutung erlangte. Die Vorkommnisse im KSK sind Wasser auf die Mühlen derjenigen, die der Bundeswehr grundsätzlich misstrauisch gegenüberstehen und von bewaffneten, rechten Netzwerken überzeugt sind, weil es in das eigene Weltbild passt. Aus meiner Sicht ist die Vorstellung, die Bundeswehr sei eine Gefahr für unsere Demokratie, abwegig.

Der Auftrag des KSK wurde in der aktuellen Krise auf die Befreiung von Geiseln und das Festnehmen von Kriegsverbrechern reduziert. Das Jagen von Taliban wurde hingegen kaum thematisiert. Warum tut sich die Politik so schwer, den Auftrag der Parlamentsarmee Bundeswehr zu erklären?

Einerseits wirkt der Kulturbruch des Zweiten Weltkriegs noch immer nach. Die Skepsis, die grundsätzlich nicht unbegründet ist, ob militärische Gewalt überhaupt ein Lösungsansatz für politische Probleme sein kann, ist in Deutschland weit verbreitet. Das Bild des Kriegers, des militärischen Spezialisten ist darum negativ besetzt. Andererseits ist die Wahrnehmung des KSK ähnlich wie im Falle von bewaffneten Drohnen in der deutschen Öffentlichkeit stark von amerikanischen Filmen geprägt. Das KSK ist aber nicht die Delta Force.

Hinzu kommt, dass dem Kommando während seines Einsatzes im Rahmen von OEF und ISAF keine eigenen Hubschrauber zur Verfügung standen und es darum stark eingeschränkt war. Dass die Bundeswehr der Speerspitze des Heeres im Einsatz 14 Jahre lang keine marktverfügbaren Hubschrauber bereitstellte, kann nur politisch gewollt gewesen sein und ist ein weiteres Beispiel für die Dissonanz des deutschen Afghanistanengagements. Kampfeinsätze, wie sie etliche Soldaten berufsbedingt bejahten passten nicht zur „Zivilmacht“ Deutschland, weder zur Kanzlerin, zu den Verteidigungsministern, noch zum damaligen Generalinspekteur.

Offen ist, wer falsch lag. Ist es die Truppe, die auf die sich verschlechternde Sicherheitslage mit mehr kinetischen Einsätzen reagieren, den Feind bekämpfen wollte? Oder war es die politische und militärische Führung, die nicht in einen Krieg hineingezogen werden wollte, weil sie erkannt hatte, dass dieser militärisch nicht zu gewinnen war? Die Dissonanz entstand aus einer sich widersprechenden Kommunikation bzw. Auftragslage. Leidtragende waren die Soldaten im Einsatz. Während das ISAF-Kommando und die Verbündeten die Bundeswehr für ihre Zurückhaltung kritisierten, hielten Bundesregierung, Parlament und der Generalinspekteur am Narrativ des Stabilisierungseinsatzes fest und vermieden das Wort „Krieg“.

Die Frage muss erlaubt sein: Warum bilden wir Kommandosoldaten über Jahre und mit großem Aufwand aus, wenn wir nicht bereit sind, sie ihren Fähigkeiten entsprechend einzusetzen? Ein Szenario, in dem ein deutscher Politiker das KSK zur gewaltsamen Befreiung einer Geisel in ein Krisengebiet entsendet, kann ich mir nicht vorstellen. In einer Lage, die für die GSG 9 nicht mehr beherrschbar wäre und in der nur noch das KSK zum Einsatz kommen könnte, zahlt Deutschland Lösegeld. Warum unterhalten wir dann aber einen Verband wie das Kommando Spezialkräfte? Die Antwort darauf muss die Politik geben und nicht nur beteuern, dass die Fähigkeit gebraucht wird.

Die Innere Führung schreibt vor, dass die Bundeswehrsoldatinnen und -soldaten den Werten und Normen des Grundgesetzes in besonderer Weise verpflichtet sind. Überfordert dieser Anspruch?
Die Bundeswehr erwartet richtigerweise, dass sich ihre Angehörigen zum demokratischen Verfassungsstaat bekennen, den sie geschworen haben zu verteidigen. Ich rate trotzdem zu Realismus. Alle deutschen Staaten der letzten 150 Jahre haben versucht, ihr Wertesystem auf ihre Streitkräfte zu übertragen: das Kaiserreich, die Reichswehr, die Wehrmacht, die NVA und die Bundeswehr. Alle sind mit ihren zu hohen Ansprüchen gescheitert.

Wir wissen aus Umfragen, dass das Konzept der Inneren Führung, was ich für gut halte und das einer robusten Armee überhaupt nicht im Weg steht, vor allem erfahrenere Soldaten und Stabsoffiziere anspricht. Das heißt nicht, dass der junge Feldwebel oder Stabsgefreite Verfassungsfeind ist. Seine primäre Motivation, Soldat zu werden, ist nur eine andere. Über Bord werfen sollten wir die Innere Führung nicht, aber eben auch nicht als eine Art „Theologie“ vor uns hertragen. Ich werbe für einen pragmatischen Ansatz, um keine Abwehrreaktion zu provozieren.

Das ist eine Herausforderung, denn während Kritik an schlechter Ausrüstung längst akzeptiert ist, reagiert die Bundeswehr bei der Inneren Führung sehr sensibel. Das hängt mit bundeswehreigenen Mythen zusammen. Da wird einerseits ein historisch so sicher nicht zutreffendes Bild von der Reichswehr als Staat im Staate gezeichnet oder von der Wehrmacht, in der vermeintlich nur Drill und Schikane herrschten. Man braucht diese negativen Bilder, um selber angesichts von Inneren Führung mit dem Staatsbürger in Uniform um so positiver dazustehen. Dabei war es weniger die Prosa über die Innere Führung, die zur Verankerung der Bundeswehr in der Mitte der Gesellschaft beigetragen hat, als vielmehr die soziale Realität von Rechtsstaatlichkeit, Presse- und Meinungsfreiheit und Pluralismus in der Bundesrepublik. Der Wehrpflichtige von 1982 war anders sozialisiert als der von 1935. Auch der heutige Berufssoldat in Calw lebt in diesem Staat. Wir haben in der Tat das beste Deutschland, das wir je hatten. Wir brauchen die Attraktivität der liberalen Demokratie nicht zu unterschätzen.

Während die Innere Führung mit Blick auf Menschenführung funktioniert, sehe ich an anderer Stelle Schwierigkeiten: Die Innere Führung verlangt, dass Vorgesetzte und Soldaten den Sinn des Auftrags und der gestellten Aufgabe vermitteln. Gehorsam durch Einsicht. Was ist aber, wenn ich das als militärischer Experte nicht kann, weil ich die Sinnhaftigkeit des Auftrags, den mir das Parlament ausgestellt hat, vor Ort nicht erkenne. Darüber wird nicht diskutiert. Dabei kann die Rolle des Bundestages und des Verteidigungsausschusses im Afghanistaneinsatz durchaus kritisch gesehen werden. Die Soldaten haben eine Bringschuld, aber die politische und militärische Führung muss ihrerseits einen sinnvollen Auftrag erteilen und diesen zielgruppengerecht erklären. Das wurde über Jahrzehnte vernachlässigt. Wenn das nicht gelingt, wenn die Soldaten nicht wissen, wofür sie in den Einsatz gehen, ziehen sie sich in ihre „tribal culture“ zurück. Dann besteht die Gefahr, dass Einzelne in Extremismus abdriften. Das dürfen wir nicht zulassen.

Das Ansehen der Bundeswehr ist Umfragen zufolge sehr hoch. Trotzdem wünschen sich Soldaten mehr Anerkennung und Wertschätzung. Ist die Bundeswehr zu empfindlich?
Die Bundeswehr ist als Institution gesellschaftlich hoch angesehen. Das Problem ist, dass wir eine Bundeswehr haben, die im Kern für das hochintensive Gefecht ausgebildet und ausgerüstet wird. Mit dieser Seite des Militärs hadern Politik und Gesellschaft. Die Bundeswehr wird nicht als Kampftruppe anerkannt. Dabei sind Streitkräfte dazu da, militärische Gewalt anzudrohen oder anzuwenden. Weil dieses „scharfe Ende des Berufs“ im öffentlichen Diskurs nicht abgebildet wird, fühlen sich viele Soldaten der Kampftruppen missverstanden und sind unzufrieden.

Wir haben es wieder mit der bereits skizzierten Dissonanz zu tun: Deutschland unterhält mit vielen Milliarden Euro eine Armee, hat aber unausgesprochen beschlossen, sie nicht einzusetzen. Dann aber brauche ich kein Gefechtsübungszentrum oder neue Eurofighter. In der Praxis ist dieser Widerspruch noch krasser: Deutschland unterstützt den Kampf gegen den Islamischen Staat politisch, militärisch beteiligt es sich jedoch allenfalls symbolisch. Wenn ich zu dem Schluss komme, dass der Einsatz militärischer Gewalt sinnvoll ist, muss ich mich beteiligen. Wenn ich finde, dass der Einsatz keinen Sinn hat, brauche ich umgekehrt auch keine Aufklärungsflugzeuge zu entsenden.

Auch die mangelnde materielle Einsatzbereitschaft ist in diesem Zusammenhang zu sehen. Die Landes- und Bündnisverteidigung ist seit dem Weißbuch 2016 die strukturbestimmende Aufgabe der Bundeswehr. Trotzdem würden die Brigaden des Heeres gegen eine russische motorisierte Schützendivision auf dem Schlachtfeld derzeit wohl nicht bestehen, weil sie von einer Vollausstattung weit entfernt sind. Diese Differenz zwischen politischem Auftrag und Einsatzbereitschaft führt dazu, dass sich die Truppe von der politischen und militärischen Führung abwendet und in die „tribal culture“ zurückzieht.

Union und SPD waren stets die Parteien der Bundeswehr. Dieser Status ist derzeit gefährdet. Dass die FDP im KSK immer noch hoch angesehen ist, liegt an Elke Hoff, die für den H145M gerungen hat. Ich rate gerade den Volksparteien daher, auf die Bundeswehr zuzugehen, so dass die Angehörigen der Streitkräfte sagen: für die bin ich Soldat.

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