Ein Zeugnis dessen, was passiert, wenn Politik an ihre Grenzen stößt
300 Seminare für einen geordneten Übergang in den Ruhestand
DBwV für neues Artikelgesetz Militärische Sicherheit, fordert aber Nachbesserungen
Mannschaften, eine Dienstgradgruppe vor großen Aufgaben
Trumps strategischer Fehlschluss trifft auch Europa
Die alte Raubkatze und der Mut der Ukrainer
Der Landesverband Ost feiert Geburtstag – Die „Armee der Einheit“ wurde im DBwV verwirklicht
Der Aufwuchs der Reserve als sicherheitspolitische Aufgabe
EuGH: Fahrten von einem zentralen Stützpunkt zu wechselnden Einsatzorten können Arbeitszeit sein
Kabinett beschließt Novellierung der Bundeslaufbahnverordnung – wichtige Forderungen umgesetzt
Panzerbrigade 45: Einsatzversorgung in Litauen gesichert
Verbandserfolg: Ehepartnerzuschlag für ins Ausland mitreisende Ehegatten durchgesetzt
Anpassung des Auslandsverwendungszuschlags in Jordanien und Erbil
Bundeswehr bleibt im Einsatz gegen IS
Weihnachtszeit im Libanon und in Litauen
Bundestag verlängert EU- und Nato-Mission im Mittelmeer
Ein Ausweis, der mehr als Anerkennung sein kann
16 Jahre nach dem Karfreitagsgefecht: Mehr als 26.000 machen beim 16K3-Gedenkmarsch mit
Gedenken: Vor 16 Jahren fielen drei Soldaten beim Karfreitagsgefecht
„Lassen Sie uns gemeinsam den Tag deutschlandweit zu etwas Besonderem machen“
Resolution der 22. Hauptversammlung: DBwV fordert ein Artikelgesetz Aufwuchs und die Einführung einer Wehrpflicht
Europa und Ehrungen stehen im Mittelpunkt
Die 22. Hauptversammlung: Das sagen die Delegierten
Überwältigende Mehrheit für Oberst André Wüstner
Anfang März wurde Bundeskanzler Friedrich Merz von Donald Trump im Weißen Haus empfangen. Die aktuelle Politik des US-Präsidenten hat auch auf Europa und Deutschland einen großen Effekt. Trumps strategischer Fehlschluss trifft auch Europa. Foto: Picture-Alliance/ZUMAPRESS.com/Daniel Torok/White House
Trumps zum Teil auch innenpolitisch motivierter Eskalationskurs im Iran-Konflikt könnte die geopolitischen Machtverhältnisse unwiderruflich verschieben – und trifft Europa mitten ins Herz. Warum dieser strategische Fehlschluss nicht nur China stärkt, sondern auch für Deutschland und die NATO zur Gefahr wird, erläutert der USA- und Geoökonomieexperte Josef Braml.
Donald Trumps jüngste außenpolitische Entscheidungen lassen sich nur vor dem Hintergrund erheblicher innenpolitischer Schwierigkeiten verstehen. Die Haushaltsdefizite und die Staatsverschuldung erreichen historische Dimensionen. Die politische Polarisierung blockiert Reformen. Selbst im republikanischen Lager wächst der Widerstand gegen Trumps erratische Wirtschafts- und Handelspolitik. Diese Politik soll nach Trumps Dafürhalten eigentlich Amerikas wirtschaftliche „Rivalen“ wie China und die Europäische Union treffen. Sie schadet jedoch vor allem auch den USA selbst.
In dieser Lage dient außenpolitische Eskalation zunehmend als Ersatz für innenpolitische Handlungsfähigkeit. Der Rückgriff auf militärische Macht widerspricht dabei der ursprünglichen MAGA-Devise, die strategische Zurückhaltung versprach. Stattdessen folgt Trump einem bekannten Muster: Innenpolitische Schwäche wird durch außenpolitische Härte kompensiert.
Teil von Energie- und Machtkonflikt
Der Krieg gegen den Iran ist deshalb nicht isoliert, sondern Teil eines größeren geoökonomischen Machtkampfes, der sich vor allem gegen China richtet. Nach Venezuela stellt der Iran eine weitere Front in einem faktischen Energiekrieg gegen Peking dar. Ziel ist es, China an seiner empfindlichsten Stelle zu treffen: der Energieimportabhängigkeit.
China ist der weltweit größte Ölimporteur und deckt rund 70 Prozent seines Ölbedarfs durch Importe. 2025 importierte China im Schnitt 11,6 Millionen Barrel Rohöl pro Tag – ein Rekordwert. Besonders relevant: Sanktionierte Lieferanten spielen eine zentrale Rolle. Nach Daten von Kpler entfielen 2025 über 80 Prozent der iranischen Ölexporte auf China, was rund 1,4 Millionen Barrel pro Tag entsprach – etwa 13 Prozent der chinesischen Seerohölimporte. Ähnlich verhält es sich mit Venezuela: Auch dort ging der Großteil der verbliebenen Exporte nach China, bis US-Interventionen und Sanktionen diese Lieferungen massiv einschränkten. Zusammengenommen machten iranisches und venezolanisches Öl zeitweise rund 15 bis 17 Prozent der chinesischen Ölimporte aus. Aus Washingtoner Sicht liegt die Logik auf der Hand: Wer Chinas wirtschaftliches Wachstum und militärischen Aufstieg bremsen will, setzt bei Energiepreisen, Transportwegen und geopolitischen Risiken an.
China rückt näher an Russland
Diese Strategie übersieht jedoch eine zentrale Dynamik: China passt sich an – und zwar durch eine stärkere strategische Bindung an Russland. Bereits vor dem Irankrieg war Russland zu einem der wichtigsten Energielieferanten Chinas aufgestiegen. In den ersten beiden Monaten des Jahres 2026 stiegen Russlands Rohöllieferungen nach China um über 40 Prozent im Jahresvergleich.Parallel dazu gewinnt die energiepolitische Verflechtung an Tiefe. Die bestehende „Power of Siberia 1“-Pipeline liefert bis zu 38 Milliarden Kubikmeter Gas jährlich, weitere Kapazitätserhöhungen sind vereinbart. Zugleich wird das lange umstrittene Projekt „Power of Siberia 2“ mit einem geplanten Volumen von bis zu 50 Milliarden Kubikmetern pro Jahr wieder politisch attraktiv – gerade als Reaktion auf die Verwundbarkeit maritimer Lieferwege infolge des IranKriegs.
Während der Wegfall iranischer Lieferungen China kurzfristig nicht existenziell trifft, erhöht er aber die relative Attraktivität russischer Energie. Genau hier liegt der strategische Fehlschluss Washingtons: Je stärker Energie politisiert und militarisiert wird, desto stärker verfestigt sich die sino-russische Achse.
Diese Entwicklung widerspricht den langfristigen Interessen der USA. Seit Nixon galt es als strategisches Ziel, eine zu enge Bindung zwischen Moskau und Peking zu verhindern. Trumps Politik erreicht nun das Gegenteil: Sie liefert den geopolitischen Kitt für eine Partnerschaft, die Energie, Sicherheit und Finanzarchitekturen zunehmend jenseits westlicher Kontrolle organisiert – inklusive Abrechnung in nationalen Währungen und alternativer Zahlungssysteme.
Für Europa sind die Konsequenzen erheblich. Der Irankrieg destabilisiert den Nahen Osten und gefährdet zentrale Energie- und Handelsrouten – insbesondere die Straße von Hormus, über die rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels läuft. Steigende Energiepreise, neue sicherheitspolitische Risiken und indirekte wirtschaftliche Effekte treffen Europa in einer Phase eigener struktureller Schwäche.
Deutschland ist dabei doppelt betroffen: als exportorientierte Volkswirtschaft und als sicherheitspolitischer Trittbrettfahrer in einer Eskalationsstrategie, deren strategischer Nutzen für Europa begrenzt ist.
Die NATO zwischen Abschreckung und Überdehnung
Auch für die NATO verschärft Trumps Kurs die inneren Widersprüche der Allianz erheblich. Einerseits drängt Washington die europäischen Partner mit Nachdruck zu höheren Verteidigungsausgaben und zu einer stärkeren Übernahme sicherheitspolitischer Verantwortung. Dieses Anliegen ist aus amerikanischer Perspektive nicht neu und im Grundsatz nachvollziehbar: Europa soll militärisch handlungsfähiger werden und die USA entlasten.
Andererseits bindet Trumps Außenpolitik die Allianz zunehmend in Konflikte ein, die nicht primär europäische Sicherheitsinteressen, sondern vor allem die systemische Rivalität zwischen den USA und China widerspiegeln.
Der Irankrieg, als Teil eines energie- und machtpolitischen Ringens um Chinas Verwundbarkeiten, ist hierfür exemplarisch. Für viele europäische NATO-Staaten steht dabei weniger die eigene territoriale Sicherheit auf dem Spiel als vielmehr die Stabilität globaler Lieferketten und Energiepreise – Risiken, die sie kaum steuern können, deren Folgen sie aber tragen müssen.Damit entsteht ein strukturelles Dilemma: Europa soll mehr investieren, mehr Verantwortung übernehmen und militärisch präsenter sein, erhält jedoch immer weniger Einfluss auf die strategische Zieldefinition. Die NATO droht sich von einem Verteidigungsbündnis mit klar umrissener Bedrohungswahrnehmung zu einem Instrument globaler Machtprojektion zu entwickeln, ohne dass darüber innerhalb der Allianz ein belastbarer politischer Konsens besteht.
Die Gefahr einer strategischen Überdehnung wächst damit auf mehreren Ebenen. Militärisch, weil Ressourcen auf immer mehr Schauplätze verteilt werden, ohne klare Prioritätensetzung. Politisch, weil die Zustimmung der europäischen Gesellschaften zu Einsätzen schwindet, deren Nutzen für die eigene Sicherheit nur schwer vermittelbar ist. Und strategisch, weil die Allianz Gefahr läuft, sich in Nebenkriegsschauplätzen zu binden, während ihre eigentliche Daseinsberechtigung – die kollektive Verteidigung Europas – an Klarheit verliert.
Langfristig unterminiert diese Entwicklung die Glaubwürdigkeit der NATO selbst. Ein Bündnis, das von seinen Mitgliedern immer größere Beiträge verlangt, zugleich aber immer weniger gemeinsame strategische Orientierung bietet, riskiert innere Erosion. Trumps Kurs verschärft somit nicht nur externe Konflikte, sondern stellt auch den inneren Zusammenhalt des westlichen Sicherheitsbündnisses auf eine harte Probe.
Fazit: Europa muss strategisch eigenständiger werden
Trumps Iranpolitik ist weniger Ausdruck strategischer Stärke als Symptom innenpolitischer Schwäche. Der Versuch, China über Energiekriege unter Druck zu setzen, beschleunigt eine geopolitische Neuordnung, in der sich Machtzentren gegen westliche Interessen verfestigen. Für Europa und die NATO bedeutet dies: mehr Risiken, weniger Gestaltungsspielraum – und die dringende Notwendigkeit, strategische Eigenständigkeit endlich ernst zu nehmen.
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