Das BAAINBw in Koblenz

Das BAAINBw in Koblenz soll nach dem Willen von Verteidigungsminister Boris Pistorius neu strukturiert werden. Foto: Picture Alliance/dpa/Thomas Frey

27.05.2026
Von Lukas Jochum

Ein ambitionierter Auftrag des Verteidigungsministers: Die Reorganisation des Bereichs Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung

Bei der Bundeswehrtagung im Herbst hat Verteidigungsminister Boris Pistorius eine Reorganisation des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) angekündigt und damit große Erwartungen geweckt. Tatsächlich sind die materielle Ausstattung unserer Soldatinnen und Soldaten sowie die Sicherstellung der Nutzung wesentliche Erfolgsfaktoren für die Einsatzbereitschaft und Kriegstüchtigkeit. Wer also in der Bundeswehr wollte nicht weniger Bürokratie, schnellere Prozesse und innovative materielle Ausstattung?

Im Frühjahr hat Bundesminister Pistorius die Gelegenheit genutzt, den in der Rhein-Mosel-Halle in Koblenz versammelten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern persönlich zu danken und über seine weiteren Absichten zu informieren. Lob und Anerkennung gab es für die engagierte Umsetzung der Zeitenwende, mit besonderem Blick auf die vertragliche Bindung des Sondervermögens.

Mehr als hundert Milliarden Euro wurden unter Vertrag genommen und das in Strukturen, die dafür nicht angelegt waren, wie der Verteidigungsminister hervorhob. Mit der von ihm beauftragten Reorganisation soll, als Teil einer übergreifenden Neugestaltung des gesamten Prozessablaufs der Beschaffung, das BAAINBw für die Herausforderungen der Zukunft gut aufgestellt werden.

Das wurde sehr wohlwollend zur Kenntnis genommen, mehr noch: Wenn nun die vorliegenden Erfahrungen und Erkenntnisse genutzt werden, um das BAAINBw für zukünftige Aufgaben und Herausforderungen zu wappnen, wird die Reorganisation seitens der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gerne tatkräftig und loyal unterstützt, das steht außer Frage.

Neue Standorte für mehr Expertise

Am 20. Mai hat der Minister den Verteidigungsausschuss über den aktuellen Stand seiner Reform der Beschaffung berichtet und anschließend auch die Presse informiert. Demnach wird im BAAINBw eine dimensionsbezogene Matrixorganisation eingeführt, neue Standorte für mehr Expertise aufgebaut, die Zusammenarbeit mit Forschung und Industrie vertieft sowie der Bereich Wirtschaft und Recht deutlich gestärkt, um hier nur die wesentlichen Punkte zu nennen. So sollen Geschwindigkeit und Effizienz in der Beschaffung verbessert werden, um die Verteidigungsfähigkeit Deutschland zu gewährleisten. Zweifellos ist das BAAINBw wesentlicher Prozesspartner bei Beschaffung und Nutzung, aber eben nicht alleiniger Entscheider in der Beschaffungsorganisation. Viele Handlungsstränge laufen im BAAINBw zusammen und sind unter gegebenen Rahmenbedingungen zielführend zu verknüpfen.

Hierzu bilanziert Hauptmann Lukas Jochum, Vorsitzender Zentraler Bereich, zu dem das BAAINBw gehört: „Die Informationen zur Umstrukturierung verdeutlichen die Komplexität der Aufgabenstellungen und zeigen darüber hinaus, dass eine erfolgreiche Reorganisation des BAAINBw einen entscheidenden Beitrag zur materiellen Einsatzfähigkeit unserer Streitkräfte bilden wird."

Was sagen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dazu?

Die Interessenvertretungen wurden zwar vorab informiert, aber zum Schweigen verpflichtet. Das gab zu denken. Als dann die Informationen auf Managementebene für alle verfügbar waren, waren nicht wenige erstaunt. So viel Geheimniskrämerei vorab für diese hochaggregierten Zielsetzungen und strategischen Absichten, die viel Interpretationsspielraum zulassen? Das kann man zukünftig auch geschmeidiger gestalten, um von vorneherein Gerüchten keinen Raum zu geben und Verunsicherungen zu vermeiden. Mit den Zielen der Reorganisation können die meisten jedenfalls sehr gut leben, so ist im Haus zu vernehmen.

Machen ist krasser als wollen – es kommt auf die Umsetzung an

Die entscheidenden Transformationsschritte stehen jetzt an. Nun müssen die identifizierten Optimierungspotenziale gehoben werden, die Ablauforganisation (Arbeitsprozesse einschließlich IT) muss effizienter gestaltet und schließlich die Aufbauorganisation (Kästchen) angepasst werden. Selbstverständlich soll das den laufenden Betrieb möglichst wenig beeinträchtigen. Es bleibt aktuell spannend, vor allem bleibt zu hoffen, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ihre zivile wie militärische Expertise praxisgerecht einbringen können. In der Fachliteratur zu Reorganisationen wird die Einbindung der Betroffenen als wesentlicher Erfolgsfaktor beschrieben. Transparenz definiert sich demnach nicht als Managementvokabular, vertrauensbildende Transparenz ist eine herausragende Führungsaufgabe. Letztendlich basiert Erfolg auf angemessener Information der Beteiligten.

Setzen wir also die gute Absicht der übergeordneten Führung bestmöglich und engagiert um, lassen wir uns von Dritten die Reorganisation nicht schlecht reden bzw. schreiben. Es geht schließlich um unsere Bundeswehr und last but not least um uns als Angehörige der Bundeswehr. Mehr Motivation geht kaum. Der Deutsche BundeswehrVerband und der Zentrale Bereich bleiben an dem Thema dran und werben für eine stärkere Einbindung der umsetzenden Arbeitsebene.

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