Symbolbild: Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) wird durch das Erleben von Gewaltverbrechen oder Kriegshandlungen ausgelöst. Foto: Bundeswehr/Jonas Weber

Symbolbild: Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) wird durch das Erleben von Gewaltverbrechen oder Kriegshandlungen ausgelöst. Foto: Bundeswehr/Jonas Weber

01.03.2021
ssc, mit Material der dpa

Zahl traumatisierter Soldaten steigt: Begleithunde können helfen

Die Zahl der im Einsatz traumatisierten Soldatinnen und Soldaten steigt seit Jahren und zwar trotz sinkender Einsatzzahlen im Ausland. 2020 registrierte die Bundeswehr 213 Neuerkrankte mit einer einsatzbedingten posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), 2019 waren es noch 183 Fälle. 

Einen Grund für die zeitliche Verzögerung sieht Matthias Frank vom Sanitätsdienst der Bundeswehr  darin, dass Betroffene sich erst nach Jahren des Leidens Hilfe holten. Die Folgen des Kampfeinsatzes in Afghanistan von 2001 bis 2015 wirken beispielsweise bis heute nach. “Das ist wie eine Bugwelle, die wir vor uns herschieben.“

Hauptfeldwebel Alexander Schmidt ist einer der PTBS-Erkrankten. Lange leidet er unter Ängsten, Alpträumen und Aggressionen. Menschenansammlungen erträgt er nicht, lautstark platzende Luftballons bringen ihn in seelische Nöte, seine Söhne durften, als sie klein waren, in seiner Gegenwart nicht mit Wasserpistolen spielen. Was genau das Trauma im 49-Jährigen auslöste, darüber will er im Interview mit der dpa nicht reden. Nur so viel: Als Sanitätssoldat fuhr er 1996 während des Kosovokriegs im Panzerkonvoi durchs ehemalige Jugoslawien. Die psychischen Folgen des Einsatzes ignorierte er, nahm stattdessen an weiteren Auslandseinsätzen teil, mit dramatischen Folgen. 

Schmidt erlitt immer schlimmere Depressionen und Flashbacks, zweimal versucht der Familienvater, sich das Leben zu nehmen. Erst seine Frau kann ihn endlich dazu bewegen, sich therapeutische Hilfe zu holen. Seit 2013 ist er in Therapie - 17 Jahre nach seinem ersten Bundeswehreinsatz. Inzwischen hat der Garlstedter Hauptfeldwebel einen Begleithund an seiner Seite. Seit drei Jahren achtet der speziell ausgebildete Krümel auf kleinste Anzeichen, ob es seinem Herrchen schlecht geht. „Wenn ich einen Alptraum oder einen Flashback habe, merkt er es, stupst mich an und bringt mich wieder ins Hier und Jetzt“, erklärt Schmidt. Der Labradormischling ist aus dem Alltag des 49-Jährigen nicht mehr wegzudenken. Schmidt erhofft sich, dass auch andere PTBS-erkrankte Kameradinnen und Kameraden von einem Therapiehund profitieren können.

Das Problem: die Ausbildung ist teuer (bis zu 30.000 Euro) und wird bedauerlicherweise weder von der Krankenkasse noch der Bundeswehr übernommen. Daher gründete Schmidt 2019 die „Aktion Pfötchen“. Zusammen mit anderen Ehrenamtlichen bei der Bundeswehr sammelt er in großem Stil Kronkorken ein, um sie beim Metallhändler gegen Bares einzulösen. Eine tolle Initiative, die 2020 bereits rund 14.000 Euro einbrachte.

Aktuell sind rund 3.000 Kräfte im Auslandseinsatz. Die Bundeswehr geht davon aus, dass drei Prozent aller Soldatinnen und Soldaten im Einsatz eine PTBS erleiden. Allerdings bleibe die Hälfte unerkannt. Auch wenn die Bundeswehr in Schmidts Fall die Kosten von Krümels Ausbildung nicht übernahm, bietet die Organisation eine Vielzahl an Hilfsangeboten sowie Aufklärungsarbeit. Zu den Angeboten gehört auch eine Trauma-Hotline unter 0800 588 7957, die 24 Stunden am Tag telefonisch erreichbar ist. Ein PTBS-Online-Test, der auch als App erhältlich ist, soll Betroffenen anonym eine erste Einschätzung über ihre psychische Lage geben. Auf der Internetseite www.ptbs-hilfe.de sind alle Hilfsangebote der Bundeswehr zusammengefasst. 

Erfahren Sie hier alles über die gelungene Aktion Pfötchen "Kronkorken für Therapiehunde"

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