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Knapp vier Wochen vor der US-Wahl kündigt Präsident Trump einen rascheren Truppenabzug aus Afghanistan an. Es dauert nicht lange, bis sich Kabul und die Taliban zu Wort melden.
Washington/Kabul. Die überraschende Ankündigung von US-Präsident Donald Trump über einen vollständigen Abzug der amerikanischen Streitkräfte aus Afghanistan zum Jahresende hat bei den Konfliktparteien für unterschiedliche Reaktionen gesorgt. Die militant-islamistischen Taliban sprachen am Donnerstag (8. Oktober) von einem «positiven Schritt». Der Vorsitzende des afghanischen Hohen Rats für Versöhnung, Abdullah Abdullah, sagte hingegen: «Es wird ein bisschen dauern, bis wir das verdaut haben.»
Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg warb nach der Ankündigung für eine gemeinsame Entscheidung der Allianz. «Wir werden gemeinsam Entscheidungen über zukünftige Anpassungen treffen und wenn die Zeit reif ist, gemeinsam gehen», sagte Stoltenberg in Brüssel. «Wir werden Entscheidungen auf Grundlage der Bedingungen vor Ort treffen, weil wir es für äußerst wichtig halten, uns weiterhin für die Zukunft Afghanistans zu engagieren», sagte Stoltenberg.
Trump hatte am Mittwoch auf Twitter geschrieben: «Die wenigen tapferen Männer und Frauen, die noch in Afghanistan dienen, sollten bis Weihnachten zuhause sein.» Erst Mitte September hatte Trump angekündigt, dass die Truppenstärke rasch auf weniger als 4000 gesenkt werden solle. Die Ankündigung dürfte auch Auswirkungen auf das Engagement der Bundeswehr haben, die derzeit mit rund 1000 Soldatinnen und Soldaten im Norden stationiert sind.
In Afghanistan kämpfen Islamisten seit fast zwei Jahrzehnten für den Abzug internationaler Truppen. Generalstabschef Mohammed Jasin Sia sagte am Donnerstag, die afghanischen Streitkräfte seien in der Lage, Taliban-Angriffe landesweit abzuwehren. Die USA hatten mit den Taliban Ende Februar ein Abkommen unterzeichnet, das den schrittweisen Rückzug aller Nato-Streitkräfte vorsieht. Im Gegenzug verpflichteten sich die Taliban unter anderem zu Friedensgesprächen mit Afghanistans Regierung. Diese laufen seit dem 12. September.
Anfang August informierten die USA ihre Nato-Verbündeten über Pläne zum Abzug weiterer Soldaten aus Afghanistan. Damals hieß es, dass die Vereinigten Staaten ihre Truppen bis Ende November auf knapp unter 5000 reduzieren wollen. Derzeit seien insgesamt noch rund 12 000 Nato-Soldaten in Afghanistan, sagte ein Nato-Sprecher. Seit dem Abkommen haben die Taliban keine internationalen Soldaten mehr getötet, ihren Kampf gegen afghanische Streitkräfte aber verstärkt.
Eine Waffenruhe mit Kabul lehnen die Islamisten trotz der Aufnahme von Friedensgesprächen ab. Experten erwarten lange und zähe Verhandlungen, bevor ein Waffenstillstand vereinbart wird. Der Krieg in Afghanistan ist der längste in der Geschichte der USA. Seit 2001 sind amerikanische Soldaten in dem Land. Nach den Anschlägen vom 11. September jenes Jahres waren von den USA angeführte Truppen dort einmarschiert.
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