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Kabul. Erstmals seit der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan vor drei Monaten hat die Bundesregierung hochrangige Diplomaten nach Kabul geschickt. Das Auswärtige Amt teilte mit, der Afghanistan-Sonderbeauftragte Jasper Wieck und der designierte deutsche Botschafter Markus Potzel seien am Donnerstag zu Gesprächen mit der Taliban-Regierung in der afghanischen Hauptstadt gewesen. Dabei sei es um Fragen gegangen, «in denen eine praktische Zusammenarbeit sowohl erforderlich als auch möglich ist». Das gelte besonders bei der Bewältigung der humanitären Notlage der afghanischen Bevölkerung. Die deutsche Botschaft in Kabul war wegen des rasanten Vormarschs der Taliban Mitte August evakuiert worden.
Die westlichen Regierungen sind seit der Machtübernahme der militanten Islamisten in einer Zwickmühle. Sie wollen der notleidenden Bevölkerung helfen, zugleich aber jede Unterstützung der international nicht anerkannten Taliban-Regierung vermeiden. Das gilt besonders, weil die Taliban Mädchen und Frauen entgegen ihrer Zusagen ausgrenzen. So ist den meisten Schulmädchen der Klassen sieben bis zwölf die Teilnahme am Unterricht untersagt. Die meisten Frauen im öffentlichen Dienst dürfen nun nicht mehr arbeiten. Die Taliban haben von vorübergehenden Maßnahmen gesprochen, sie dauern bislang aber an.
Das Auswärtige Amt teilte am Donnerstag mit, die Taliban-Regierung habe sich bei den Gesprächen dazu bekannt, «humanitären Helfern - einschließlich Helferinnen - einen sicheren und ungehinderten Zugang zu hilfsbedürftigen Gemeinschaften und Menschen zu gewährleisten». Die Islamisten hätten auch Verständnis dafür gezeigt, «dass der gleichberechtigte Zugang von Mädchen und Jungen zu Bildung eine nationale Notwendigkeit für Afghanistan darstellt». Sie hätten sich außerdem zu der von ihnen verkündeten Generalamnestie für ihre Gegner bekannt. Die Taliban hätten erneut all jenen Afghanen freie Ausreise zugesichert, die das Land verlassen wollten.
«Wir haben die Zusagen zur Kenntnis genommen. Ein weiteres Engagement hängt von deren Umsetzung ab», teilte das Auswärtige Amt mit. Wieck und Potzel wurden bei der Reise vom niederländischen Sonderbeauftragten für Afghanistan, Emiel de Bont, begleitet. Die Delegation dankte der Mitteilung zufolge dem Golf-Emirat Katar für die Unterstützung bei dem Besuch. In Katars Hauptstadt Doha sitzt Potzel, der bereits von 2014 bis 2016 Botschafter in Kabul war. Eine Wiederöffnung der deutschen Botschaft in Kabul ist nicht in Sicht.
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