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Bundeskanzlerin Angela Merkel besucht das ehemalige deutsche Konzentrationslager Auschwitz und geht zusammen mit dem polnischen Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki (rechts neben Merkel) und dem Direktor der Gedenkstätte und Präsidenten der Stiftung Auschwitz-Birkenau, Piotr Cywinski (links neben Merkel), durch das Eingangstor mit dem Schriftzug "Arbeit macht frei". Ganz rechts geht Andrzej Kacorzyk, Vizedirektor de Museums Auschwitz-Birkenau. Foto: picture alliance/Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa
Ihr erster Besuch im ehemaligen deutschen KZ Auschwitz-Birkenau fiel Kanzlerin Merkel ganz offensichtlich alles andere als leicht. Die Gedenkstätte sei Mahnung gegen Vergessen und Relativieren.
Oswiecim. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich angesichts der von den Nationalsozialisten im deutschen Konzentrationslager Auschwitz begangenen Gräuel tief betroffen geäußert. Sie «empfinde tiefe Scham», sagte Merkel am Freitag (6. Dezember) bei ihrem ersten Besuch im ehemaligen deutschen Konzentrationslager Auschwitz in Anwesenheit des polnischen Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki.
Angesichts der Verbrechen, die die Grenzen alles Fassbaren überschritten, müsse man vor Entsetzen eigentlich verstummen, sagte Merkel. Dennoch dürfe das Schweigen nicht die einzige Antwort sein. Deutschland sei verpflichtet, die Erinnerung an die damaligen Verbrechen wach zu halten.
Zugleich bezeichnete es die Kanzlerin als großes Geschenk, dass es nach den Nazi-Gräueln heute in Deutschland wieder ein blühendes jüdisches Leben gebe. Das gleiche fast einem Wunder. An die Verbrechen Deutscher zu erinnern, die Täter zu benennen und den Opfern ein würdiges Andenken zu erhalten, «ist nicht veräußerbar».
Und dies deutlich zu sagen, sei gerade in diesen Tagen nötig. Denn es gebe wieder mehr Angriffe auf die liberale Demokratie, es gebe zunehmenden Rassismus und Hass sowie Antisemitismus. Merkel betonte: «Wir dulden keinen Antisemitismus.» Auschwitz mahne täglich daran.
Man müsse auch denen widersprechen, die gegen Menschen anderen Glaubens Hass schürten. «Wir dürfen niemals vergessen, einen Schlussstrich kann es nicht geben und auch keine Relativierung», sagte Merkel bei ihrem Besuch.
Die Kanzlerin betonte, es sei wichtig, deutlich zu benennen, dass damals Deutsche die Täter gewesen seien. Dies sei man auch den Opfern schuldig. Die Verantwortung für die damaligen Taten gehörten untrennbar zu Deutschland, sie seien fester Teil der nationalen Identität. Die Taten Deutscher in Auschwitz stehe für das größte Menschheitsverbrechen, für den Holocaust, für die Verfolgung von Sinti und Roma, von Homosexuellen und anderen, für Hunger, Kälte, Seuchen, Zwangsarbeit und medizinische Versuche an Menschen.
Auch Polens Ministerpräsident warnte beim Besuch der Kanzlerin in Auschwitz-Birkenau vor dem Vergessen. Es gebe immer weniger Zeitzeugen. Umso größer sei die Verpflichtung, die Erinnerung zu bewahren und zu pflegen. «Wenn die Erinnerung geht, hätten wir zum zweiten Mal diese Menschen verletzt, die hier so gelitten haben.» Der polnische Staat verpflichte sich, die Erinnerung an die Verbrechen von Nazi-Deutschland aufrechtzuerhalten.
Merkel zeigte sich erfreut, bei ihrem Besuch Zeitzeugen begrüßen zu dürfen. Diese hätten immer wieder aus ihrer Leidenszeit berichtet. Sie teilten ihre Geschichte, damit jüngere Menschen davon lernen könnten. «Sie zeigen wahrhaft menschliche Größe. Ich bin sehr dankbar, dass wir von Ihnen lernen dürfen», sagte die Kanzlerin.
Anlass für Merkels Besuch ist das zehnjährige Bestehen der Stiftung Auschwitz-Birkenau, die sich für den Erhalt der Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen Lagers einsetzt. Angesichts der historischen deutschen Verantwortung stellen Bund und Länder für die Erhaltung der Gedenkstätte zusätzlich insgesamt 60 Millionen Euro zum Kapitalstock der Stiftung zur Verfügung. Merkel wurde unter anderem vom Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, und dem Vorsitzenden des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, begleitet.
Das nationalsozialistische Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau im von Deutschland besetzten Polen gilt weltweit als Symbol für den Holocaust. Nach Schätzungen starben dort mehr als eine Million Menschen, zumeist Juden. Merkel wurde am Freitagvormittag von Morawiecki empfangen, der vom Direktor der Gedenkstätte und Präsidenten der Stiftung Auschwitz-Birkenau, Piotr Cywinski, begleitet wurde.
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