Kompakte Informationen, offener Austausch und aktuelle Antworten auf Fragen der Personalarbeit: Rund 30 Personalbearbeiter und Referenten trafen sich zur S1-Tagung in Giengen. Foto: Ingo Kaminsky

Kompakte Informationen, offener Austausch und aktuelle Antworten auf Fragen der Personalarbeit: Rund 30 Personalbearbeiter und Referenten trafen sich zur S1-Tagung in Giengen. Foto: Ingo Kaminsky

09.10.2026
Von Ingo Kaminsky

S1-Tagung des Landesverbandes Süddeutschland: Zwischen Aufwuchs, Beförderungen und Besoldung

Die Gelegenheit, sich teilstreitkraftübergreifend auszutauschen und aktuelle Informationen aus erster Hand zu erhalten, nutzten rund 30 Personalbearbeiter der Bundeswehr bei der zweitägigen S1-Tagung des Landesverbands Süddeutschland in Giengen. Unter der Leitung von Oberstleutnant Daniel Brunner, Vorsitzender des Bezirks Oberbayern, diskutierten Personalbearbeiter von S1-Feldwebeln bis zu Personalstabsoffizieren mit Experten des Deutschen BundeswehrVerbandes, des Bundesamtes für das Personalmanagement der Bundeswehr und der Nachwuchsgewinnung über aktuelle Herausforderungen der Personalarbeit. Im Mittelpunkt standen die verfassungsgemäße Alimentation, die Mindestbeförderungszeiten sowie die personellen Anforderungen durch den Aufwuchs der Bundeswehr.

Personalpolitik unter Druck

Einen Überblick über aktuelle Gesetzgebungsvorhaben mit unmittelbaren Auswirkungen auf Soldatinnen und Soldaten gab Oberstleutnant i.G. Dr. Detlef Brandenstein vom DBwV. Neben Verbesserungen für Familien erläuterte er steuerliche Änderungen, die für Soldaten erhebliche Nachteile mit sich bringen könnten. Breiten Raum nahm zudem das Verfahren zur verfassungsgemäßen Alimentation ein. Brandenstein stellte den aktuellen Sachstand vor, erläuterte die Positionen des DBwV in den laufenden Gesetzgebungsverfahren und skizzierte Überlegungen zu einer Spezialistenbesoldung, um besonders gefragte Qualifikationen attraktiver zu vergüten und Fachpersonal langfristig zu binden.

Anstelle eines Vortrags stellte sich Landesvorsitzender Oberstleutnant a.D. Josef Rauch den Fragen der Teilnehmer. Diskutiert wurden insbesondere die weiterhin ungeklärten Mindestdienst- und Beförderungszeiten, die Personalgestellung für die Litauen-Brigade sowie die Schwierigkeiten, dringend benötigtes Personal unter hohem Zeitdruck zu gewinnen. Deutlich wurde dabei der hohe Informationsbedarf der Truppe und der Wunsch nach verlässlichen Perspektiven.

Aus Sicht des BAPersBw erläuterte Major Ivo Brandt die Herausforderungen der Personalführung im Spannungsfeld zwischen Aufwuchs, Heimatschutz und Landes- und Bündnisverteidigung. Dabei standen Verwendungsplanung, Beförderungskriterien und die künftige Ausgestaltung der Laufbahnen im Mittelpunkt. Besonders die Regelungen für Hauptfeldwebel und deren Weg zum Stabsfeldwebel stießen auf großes Interesse. Brandt machte zugleich deutlich, dass Mobilität und Flexibilität künftig noch stärker gefordert sein werden.

Vertieft wurde das Thema durch DBwV-Justitiar Christian Sieh, der die rechtlichen Hintergründe der Mindestbeförderungszeiten erläuterte. Aus Sicht des Verbandes komme es nun darauf an, eine Lösung zu finden, die sowohl dem Leistungsprinzip gerecht wird als auch Laufbahnziele und die Interessen der betroffenen Soldaten wahrt. Der DBwV sieht in den laufenden Arbeiten des Verteidigungsministeriums ernsthafte Bemühungen, tragfähige Lösungen zu entwickeln.

Aufwuchs braucht Personal

Wie die personellen Voraussetzungen für den Aufwuchs der Streitkräfte, die Litauen-Brigade und den Heimatschutz geschaffen werden sollen, erläuterten Oberstleutnant Andreas Haberkern vom Karrierecenter der Bundeswehr München und Stabsfeldwebel Matthias Jäger von der Karriereberatung Bad Reichenhall. Während Haberkern die Herausforderungen der überregionalen Personalgewinnung und des neuen Wehrdienstes aufzeigte, schilderte Jäger die tägliche Arbeit der Karriereberatung vor Ort. Beide betonten, dass erfolgreiche Nachwuchsgewinnung nur im engen Schulterschluss mit der Truppe gelingen kann. Persönliche Kontakte, Praktika und authentische Einblicke in den Dienstalltag seien häufig entscheidend für eine Bewerbung.

Zeitenwende braucht klare Entscheidungen

Den sicherheitspolitischen Rahmen der Diskussion zeichnete Oliver Krause, Leiter der Abteilung Politik im DBwV. Er zeigte auf, wie die veränderte Weltlage und die zunehmenden Spannungen zwischen den Großmächten die Fokussierung auf Landes- und Bündnisverteidigung erforderlich machen. Trotz weiterhin ungelöster Fragen bei Alimentation, Mindestbeförderungszeiten und Steuerrecht verwies er auf wichtige Fortschritte wie neue Bundeswehrgesetze, verbesserte Verteidigungshaushalte sowie Maßnahmen zur Infrastruktur- und Reservestärkung. Zugleich machte er deutlich, dass der DBwV weiterhin eine stärkere Berücksichtigung personalpolitischer Belange einfordert.

Das Fazit der Teilnehmer fiel trotz weiterhin offener Fragen positiv aus. Die S1-Tagung lieferte den Personalbearbeitern aktuelle Informationen, belastbare Argumente und wichtige Hintergrundinformationen für ihre tägliche Arbeit. Damit stärkte sie ihre Fähigkeit, Soldatinnen und Soldaten fundiert zu beraten, offene Fragen einzuordnen und Entscheidungen gegenüber der Truppe nachvollziehbar zu vermitteln. Der teilstreitkraftübergreifende Austausch erwies sich dabei erneut als wichtiger Beitrag zur Unterstützung der Personalarbeit in den Verbänden und Dienststellen.

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