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Nach den von Donald Trump verkündeten Abzugsplänen aus Afghanistan muss die Bundeswehr mit verschiedenen Szenarien planen. Ein Planspiel sieht den kompletten Abzug innerhalb von vier Monaten vor. Foto: Bundeswehr/André Klimke
Kundus ist ein symbolträchtiger Ort für die Bundeswehr – in der Umgebung der nordafghanischen Stadt waren die deutschen Soldaten in der Vergangenheit in schwerste Gefechte verwickelt, viele Gefallene und Verwundete waren in dieser Provinz zu beklagen. Nun zieht sich die Bundeswehr aus Kundus zurück.
Medienberichten zufolge – zuerst hatte „Bild“ berichtet – sollen in den kommenden Wochen die letzten rund 100 deutschen Soldatinnen und Soldaten aus Kundus abziehen. Das Lager „Camp Pamir“ wird geräumt, die Bundeswehr verlegt die verbliebenen Kräfte nach Masar-e-Sharif. Die Entscheidung sei bereits im Spätsommer von der militärischen Führung des Nato-Einsatzes in Kabul getroffen worden, heißt es in einer Meldung der „dpa“. Falls erforderlich, sollen die deutschen Berater in Zukunft mit dem Hubschrauber nach Kundus fliegen und nach durchgeführtem Auftrag das Camp wieder in Richtung Masar verlassen.
Die Meldung kommt zu einem Zeitpunkt, zu dem ohnehin Unsicherheit in Bezug auf das weitere deutsche Engagement in Afghanistan herrscht. Erst kürzlich hatte der noch amtierende US-Präsident Donald Trump angekündigt, einen großen Teil der am Hindukusch stationierten US-Soldaten zu Beginn des kommenden Jahres abziehen zu wollen. Bis zum 15. Januar soll die US-Truppenstärke von etwa 4500 auf 2500 Soldaten reduziert werden. Mit dieser Entscheidung brüskierte er nicht nur seinen designierten Nachfolger Joe Biden, sondern auch sämtliche Nato-Staaten und andere Partner-Nationen, die in Afghanistan aktiv sind.
Nach Angaben der „Bild“ versucht das Verteidigungsministerium nun schnell Klarheit über die US-Abzugspläne zu bekommen. Die Alliierten – und damit auch die Deutschen – sind auf bestimmte militärische Fähigkeiten der Vereinigten Staaten im Einsatz angewiesen, als Beispiele seien hier die Luftnahunterstützung und die Hubschrauber-Komponente genannt. Fallen diese Fähigkeiten weg, bliebe der Bundeswehr nichts anderes übrig, als sich komplett aus Afghanistan zurückzuziehen.
So muss die Bundeswehr mit verschiedenen möglichen Szenarien arbeiten. Nach Angaben der „Bild“ sieht das erste Szenario vor, dass die Bundeswehr noch länger mit den Verbündeten in Afghanistan bleibt. In diesem Fall würde sich vorerst kaum etwas ändern. Das zweite Szenario sieht demnach einen geordneten Abzug binnen sechs Monaten vor, je nach Verlauf der Friedensverhandlungen zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban. Das dritte Planspiel sieht einen Abzug innerhalb von vier Monaten vor. Der Generalinspekteur Eberhard Zorn habe laut „Bild“ klargemacht, dass man zur Not die deutschen Soldaten ausfliegen und gegebenenfalls Material zurücklassen würde, das eigentlich zur Rückführung nach Deutschland gedacht war.
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