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Kraft, Koordination, Ausdauer und Technik: Sportkletterin Afra Hönig ist begeistert, dass ihre Sportart endlich olympisch ist. Foto: Foto: DAV/Marco Kost
Alle vier Jahre gibt es neue Sportarten, die den Schritt ins olympische Rampenlicht wagen. Hier gibt es einen Schnupperkurs im Sportklettern, welches in Tokio Premiere feiert.
Im Jahr 1904 traten Athleten in 102 olympischen Disziplinen gegeneinander an, darunter Sackhüpfen, Tabak-Weitspucken und Spazierstockfechten. Ganz so kurios ist es inzwischen nicht mehr, doch auch mehr als hundert Jahre später erobern neue Randsportarten die Herzen der Zuschauer, sei es Beachvolleyball (im Jahr 1996) oder BMX-Fahren (im Jahr 2008).
„Wir wollen den Sport zur Jugend bringen“, sagte IOC-Präsident Thomas Bach im Jahr 2016, als er die Olympia-Premiere von fünf neuen Sportarten für Tokio verkündete. Neben Karate und Baseball bzw. dem Frauenpendant Softball – die aufgrund ihrer großen Popularität in Japan ein olympisches Gastspiel feiern – werden Skateboard, Surfen und Sportklettern ihren Anspruch auf eine dauerhafte olympische Präsenz erheben. Die neuen Sportarten sind frisch, bildstark, action-lastig, Aushängeschilder für die Jugend. Die Spitzensportförderung der Bundeswehr hat diesen Trend erkannt. Die derzeit geförderten Karatesportler sind teilweise seit 2009 in der Förderung, die Sportkletterer seit 2015 und es gibt derzeit sogar einen Sportsoldaten im Baseball.
Zwei der Sportkletterer sind die 25-jährige Afra Hönig und der 22-jährige Yannick Flohé, der 2019 WM-Bronze im Bouldern holte. Sie sind begeistert, dass Klettern nun endlich olympisch ist. „Also ich fand das super, eine große Chance für unseren Sport. Dadurch entstehen halt wieder mehr Möglichkeiten. Es gibt mehr Gelder, mehr Hallen, mehr Trainerstellen“, erklärt Unteroffizier Flohé. Beide trainieren fünfmal die Woche drei bis vier Stunden, es geht um Kraft, Koordination, Ausdauer- und Technikübungen an der Wand.
Der Wettkampfmodus für Tokio ist eine neu geschaffene Kombination, das Olympic Combined, das sich aus den drei Disziplinen Lead, Bouldern und Speed zusammensetzt. „Lead ist das was die Leute als klassisches Klettern verstehen. Es geht darum, wer kommt bei einer 15-18 Meter hohen Wand in sechs Minuten am höchsten“, erläutert der Essener. Beim Bouldern müssen dagegen vier „Felsblöcke“ mit kniffligen Passagen und Überhängen möglichst spektakulär „getoppt“ werden. „Und beim Speedklettern geht es darum, wer als erstes oben ankommt. Das ist immer dieselbe Route, die ist 15 Meter hoch“, fasst Hauptgefreiter Hönig zusammen. Letzteres sei vergleichsweise einfach, da käme auch jeder Laie irgendwie hoch, verraten die jungen Sportsoldaten. Allerdings schafft ein Laie das mit Sicherheit nicht in 5,48 Sekunden, dem aktuellen Weltrekord – das sind fünf Meter senkrecht in unter zwei Sekunden, Faszination pur.
Neue Schauwerte bei den olympischen Spielen sind also garantiert, auch wenn es für Hönig und Flohé in Tokio wohl nicht klappt. Die beiden stehen auf der Nachrückerliste. Das ist der Nachteil, wenn sich zwar weltweit die besten 40 Kletterer qualifizieren können, pro Nation aber nur maximal zwei Athleten zugelassen werden. Im Falle von Flohé bedeutet das, dass der elftbeste Kletterer der Welt zu Hause bleiben muss. Doch bis zu den nächsten Spielen in Paris sind es ja nur noch drei Jahre.
2024 geht es dann übrigens auch um flotte Sohlen, denn Breakdance feiert seine Olympia-Premiere. „Schneller, höher, weiter“ war gestern. Die Zukunft wird jung und wild.
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