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Außenminister Lawrow hatte zuletzt unterstrichen, wer aus Kreml-Sicht Herr über weite Teile der Region sein sollte. Nun übernimmt sein Land die Führung über das wichtigste Forum zur friedlichen Zusammenarbeit im hohen Norden. Passt das zusammen?
Reykjavik. Mitten im Ringen um mehr Einfluss in der Arktis steht Russland vor der Übernahme des Vorsitzes im Arktischen Rat. Nach zwei Jahren an der Spitze des wichtigen Forums gibt Island den Ratsvorsitz am Donnerstag (20. Mai) bei einem Ministertreffen in Reykjavik an Russland ab - und damit an ein Land, das aus seinen Besitzansprüchen über das Gebiet längst kein Geheimnis mehr macht.
«Es ist schon lange bekannt, dass dies unser Territorium, unser Boden ist», hatte Außenminister Sergej Lawrow Anfang der Woche in Moskau gesagt. Dabei war er auch auf die verstärkte militärische Präsenz seines Landes in der Region eingegangen. «Wir sind dafür verantwortlich, dass unsere arktische Küste sicher ist», sagte er. Alles, was Russland in der Arktis tue, sei legitim.
Andere sehen das nicht so. US-Außenminister Antony Blinken hatte am Dienstag in Reykjavik gesagt, man sei wegen der zunehmenden militärischen Aktivitäten in der Region besorgt. Diese erhöhten das Risiko, dass es zu Unfällen und Missverständnissen kommen könnte. Eine Militarisierung der Arktis müsse verhindert werden.
Die Großmächte USA, Russland und auch China haben seit längerem ein Auge auf die Region im hohen Norden geworfen - das hatte im Sommer 2019 nicht zuletzt das Angebot des damaligen US-Präsidenten Donald Trump untermauert, das zum dänischen Königreich zählende Grönland kaufen zu wollen. Grund für das Interesse sind vor allem kostbare Ressourcen in der Region sowie Schifffahrtsrouten, die im Zuge des Klimawandels längere Zeit eisfrei und somit länger passierbar werden. Russland erhebt Anspruch auf 1,2 Millionen Quadratkilometer - insbesondere auf die dort lagernden Rohstoffe wie Öl und Gas.
Die russische Armee hatte zuletzt den Flugplatz ihrer nördlichsten Militärbasis Nagurskaja so umgebaut, dass dort selbst Langstreckenbomber landen können. Immer wieder berichtet das Verteidigungsministerium in Moskau von Manövern hoch oben im Norden. Kürzlich tauchten drei atomar betriebene U-Boote zeitgleich im meterdickem Eis auf. Der Oberbefehlshaber der Nordflotte, Admiral Alexander Moissejew, warf der Nato zuletzt vor, sie sei in der Arktis so stark präsent wie noch nie.
Die steigenden Temperaturen halten die Arktis immer länger eisfrei. Das bedeutet nicht nur einen leichteren Zugang zu Ressourcen. Moskau hofft auch, dass sich die nördliche Schifffahrtsroute als Alternative zum Suezkanal etablieren könnte, was wiederum mehr Kontrolle bedeuten würde. Bislang müssen noch Eisbrecher entlang der arktischen Küste Russlands eingesetzt werden.
Der Arktische Rat ist das wichtigste Forum zur Zusammenarbeit in der Region rund um den Nordpol. Im Fokus stehen dabei insbesondere der Umweltschutz und eine nachhaltige Entwicklung. Der Rat wurde 1996 gegründet und feiert damit in diesem Jahr sein 25. Jubiläum. Ihm gehören neben Russland und Island noch die USA, Dänemark, Finnland, Kanada, Norwegen und Schweden an.
Bei dem Ministertreffen in Reykjaviks Konzerthaus Harpa wird Island den symbolischen Staffelstab am Vormittag an Russland weiterreichen und zugleich ein Fazit zu den Fortschritten der vergangenen beiden Jahre ziehen. Es soll auch wieder eine gemeinsame Abschlusserklärung geben - die war beim letzten Treffen 2019 im finnischen Rovaniemi wegen einer Verweigerung der Trump-Regierung erstmals nicht zustande gekommen. Grund dafür war, dass in der Erklärung vor den Folgen des Klimawandels auf die Arktis gewarnt werden sollte.
Solche Probleme mit Washington dürfte es diesmal nicht geben: Die neue US-Regierung unter Präsident Joe Biden ist um deutlich mehr internationale Kooperation und auch um einen entschlossenen Kampf gegen die Klimakrise bemüht. Auch Russland will sich während seines zweijährigen Ratsvorsitzes wie schon Vorgänger Island mit den Folgen des Klimawandels auseinandersetzen. Dabei gehe es auch um den Schutz der Bevölkerung, insbesondere der indigenen Völker, heißt es in einem Strategiepapier.
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