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Seit gut einem Jahr gibt es bei der Bundeswehr wieder einen Militärrabbiner. Der Amtsinhaber zieht eine positive Bilanz seiner Arbeit - und hofft darauf, weitere Kollegen gewinnen zu können.
Leipzig. Rund ein Jahr ein Jahr nach der Amtseinführung des ersten Militärbundesrabbiners läuft die Suche nach weiteren Rabbinern für die Bundeswehr. Bis zu zehn sollen es werden, bislang sei ein weiterer Militärrabbiner in Süddeutschland eingestellt worden, sagte Militärbundesrabbiner Zsolt Balla (43). «Wir sind in einem guten Prozess und können hoffentlich bald von den neu eingestellten Militärrabbinern berichten.»
Balla hatte seinen Posten im Juni 2021 angetreten. «Das war ein sehr spannendes Jahr. Ich fühle mich privilegiert, dass ich diese Arbeit machen darf», sagte der 43-Jährige, der auch Landesrabbiner in Sachsen ist. «Ich denke, dass wir viel erreicht haben. Aber wir haben auch noch viel zu erledigen.» Zu den Herausforderungen zählten etwa koschere Verpflegung oder die Frage, wie jüdischen Soldaten religiöse Freizeiten ermöglicht werden können.
Dem Militärrabbinat sei es im ersten Jahr gelungen, viele Kontakte zu knüpfen. «Gegenseitiges Verständnis kann alle Arten von Vorurteilen minimalisieren. In diesem Sinne haben wir viel erreicht. Wir haben viele Gespräche geführt - vom Generalstab bis in die Mannschaften, für die wir bereits Lebenskundlichen Unterricht gestalten konnten. Wir stoßen dabei immer auf großes Interesse», sagte Balla. Dieser Ethikunterricht soll zur Gewissensbildung der Soldaten beitragen.
Für die jüdischen Soldaten solle demnächst ein feldtaugliches Gebetbuch erscheinen, kündigte Balla an. Es solle handlich sein und relevante Texte in kurzer Form enthalten. «Ich denke, ein Gebetbuch spielt im Einsatz eine sehr wichtige Rolle. Ein Gebet ist die Suche nach einem Kontakt mit dem Göttlichen, insbesondere in Situation von Not. Die Soldaten haben unterschiedliche Notsituationen, dafür müssen wir die richtigen Gebete aufnehmen», sagte der Rabbiner.
Die Bundeswehr geht von rund 300 Juden und Jüdinnen unter ihren rund 180.000 Soldaten aus. Die Zahl der Muslime wird auf 3000 geschätzt, die der Christen auf rund 90.000. Nach dem Soldatengesetz hat jeder Soldat und jede Soldatin Anspruch auf Seelsorge und Religionsausübung. Er gilt unabhängig von der zahlenmäßigen Stärke der jeweiligen Religionsgemeinschaft in der Bundeswehr.
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