Der Aufstellungsstab der Brigade Litauen wurde 2024 in einem Gebäude im Zentrum von Litauen gebildet. Formal in Dienst gestellt wurde die Brigade am 1. April 2025. Foto: DBwV/von Steuben

Der Aufstellungsstab der Brigade Litauen wurde 2024 in einem Gebäude im Zentrum von Litauen gebildet. Formal in Dienst gestellt wurde die Brigade am 1. April 2025. Foto: DBwV/von Steuben

01.03.2026
Gunnar Kruse

Litauen: Ein ambitioniertes Vorhaben nimmt Gestalt an

Nicht nur in Deutschland wird derzeit mit Hochdruck an der für die Bundeswehr nötigen Infrastruktur gearbeitet. Auch in Litauen: Dort soll 2027, nur vier Jahre nach der Stationierungsentscheidung, die Panzerbrigade 45 zum Schutz der NATO-Ostflanke voll einsatzbereit sein. Es geht voran.

Angefangen hatte alles mit wenigen Dutzend Soldaten und zivilen Mitarbeitern. In Büros im Zentrum von Vilnius leisteten sie ab April 2024 die Basisarbeit für die Litauen-Brigade der Bundeswehr, bereits Ende 2024 wuchs das Vorkommando zum Aufstellungsstab auf. Mittlerweile ist die Panzerbrigade 45 des Heeres offiziell in Dienst gestellt – und auch in Sachen Infrastruktur geht es voran. Hauptschwerpunkte sind Rukla und Rūdninkai.

Beispielsweise eröffneten Verteidigungsminister Boris Pistorius und seine litauische Amtskollegin Dovilė Šakalienė Ende September 2025 in Rukla die neue Permanent Logistics and Support Area. Die Logistik-Bauten sind laut BMVg ein weiterer Meilenstein zur Einsatzbereitschaft der Brigade Litauen. Sie wurden den Angaben zufolge durch Deutschland finanziert und von der NATO Support and Procurement Agency geplant und umgesetzt.

Europäischer Schulterschluss

Weitere Infrastrukturmaßnahmen für die Stationierung der Panzerbrigade 45 wurden und werden durch Litauen erbracht. Die Europäische Investitionsbank (EIB) unterstützt das Land mit einem Kredit in Höhe von 540 Millionen Euro beim Bau der Militärbasis Rūdninkai, bei geschätzten Gesamtkosten von gut 1,2 Milliarden Euro. Damit werde ein deutliches Zeichen für den europäischen Schulterschluss im Bereich Verteidigung und Abschreckung gesetzt, wie die EIB mitteilte. Die geplante Militärbasis, rund 35 Kilometer von der Grenze zu Belarus entfernt, umfasse eine Fläche von 170 Hektar, 11 Kilometer Straßen sowie rund 150 Gebäude, darunter Sanitätszentren, Truppenübungsanlagen, Lager, Hangars und Hubschrauberlandeplätze.

In Rūdninkai sind die Maßnahmen in zwei Bau-phasen unterteilt. Von den in der Phase I umzusetzenden Baumaßnahmen befinden sich bereits einige Unterkunfts-, Büro- und Lagergebäude sowie das Wachgebäude an der zentralen Einfahrt in einem weit fortgeschrittenen Bauzustand, wie ein Sprecher des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr auf Nachfrage mitteilte. Darüber hinaus werden Straßenanbindungen, Parkplätze sowie überdachte und nicht überdachte Abstellflächen für Fahrzeuge und Munition errichtet. Das Vergabeverfahren für die Phase II sollte im Laufe des Januar 2026 durch die litauische Seite abgeschlossen werden.

Weitere Planungen laufen

Am Standort Rukla sind die deutschen Kräfte den Angaben zufolge in der litauischen Kaserne „Training Regiment Barracks“ untergebracht. Zukünftig sollen die deutschen Angehörigen der Brigade Litauen aber in der gemeinsamen litauisch-deutschen Kaserne „Neris Terrace“ untergebracht werden. Die Bauplanungen hierzu liefen bereits. Zusätzlich stelle Litauen noch weitere benötigte Infrastruktur am Standort Rukla bereit, zum Beispiel überdachte Abstellflächen und Instandsetzungsbereiche.  Diese Maßnahmen befänden sich aktuell im Vergabeverfahren, eine Beauftragung solle hier ebenfalls zeitnah erfolgen.

Die infrastrukturellen Maßnahmen zur Errichtung des Übungsgeländes auf dem zukünftigen Truppenübungsplatz Rūdninkai, inklusive der geforderten Schießbahnen, seien ebenfalls angelaufen, wie der Sprecher weiter mitteilte. Einige Schießbahnen befänden sich demnach bereits in der Finalisierung und sollen nach der Zertifizierung und Fertigstellung der Energieversorgung spätestens ab Sommer dieses Jahres für entsprechende Übungen nutzbar sein. Der Übungsplatz Gaižiūnai in Rukla werde bereits durch die Bundeswehr genutzt. Um bessere Übungsmöglichkeiten zu schaffen, vergrößere Litauen die Fläche des Übungsplatzes und baue ihn nach deutschen Vorgaben aus. Diese Maßnahmen sollen Ende 2027 abgeschlossen werden.

Der Kindergarten für deutsche Kinder und die deutsche Grundschule für Schulkinder der Klassen 1 bis 4 haben ihre Arbeit am 1. September 2025 aufgenommen. Im Auftrag des zuständigen litauischen Bildungsministeriums seien hierfür in kürzester Zeit auf einem bestehenden litauischen Schulgelände neue, modern ausgestattete Modulbauten als Interim errichtet worden. Im Zusammenhang mit der Gestaltung der Außenanlagen entstünden ergänzend noch ein moderner Spielplatz und eine Sportanlage.  Ab dem nächsten Schuljahr sollen auch Kinder der 1. und 2. Sekundarstufe unterrichtet werden. Hierfür werde noch ein vorhandener Schultrakt komplett saniert und neu ausgestattet, so der Sprecher. Für die Errichtung der Infrastruktur für die Auslandsschulen der Bundeswehr sowie Kita und Nachmittagsbetreuung auf einem großen Campus seien die Standorte in Vilnius und Kaunas festgelegt und die Planungen zur Umsetzung durch Litauen aufgenommen worden.

Oberstleutnant Robert Thiele, Vorsitzender Heer im DBwV-Bundesvorstand, sagte zum aktuellen Stand der Infrastruktur: „Es ist sehr beeindruckend, wenn man in Litauen mit eigenen Augen sehen kann, in welcher kurzen Zeit man von der Planung bis zur Fertigstellung Infrastruktur aus dem Nichts fertig stellen kann. Dieses Tempo brauchen wir auch in Deutschland.“

Der Deutsche BundeswehrVerband ist bereits vor Ort aktiv

Parallel zum Aufbau der Panzerbrigade 45 und der dafür nötigen Infrastruktur hat der Deutsche BundeswehrVerband ebenfalls mit dem Aufbau von Strukturen begonnen. Bereits mit der Verlegung des Vorkommandos verlegte auch der DBwV mit in die litauische Hauptstadt, Mitglieder gründeten dort eine Truppenkameradschaft. Mitte August 2025 wurde eine zweite Truppenkameradschaft in Litauen gegründet, um die Mitglieder am Standort Nemencine betreuen zu können.

Stabsfeldwebel a.D. Günther von Steuben ist seit Anfang des Jahres in Litauen Mitarbeiter im Außendienst des DBwV. Er sagt: „Die beschriebenen Infrastrukturmaßnahmen machen nach in Augenscheinnahme wirklich große Fortschritte. Die litauischen Firmen arbeiten mit Hochdruck an allen geplanten Vorhaben.“ Die Wohnsituation vor Ort sei nicht einfach zu beschreiben, der Immobilienmarkt sehr schnelllebig. Eine Wohnung oder ein Haus drei oder zwei Monate im Voraus zu mieten sei schwierig. Viele Soldaten würden erst in die Gemeinschaftsunterkunft „Life In“, ein Apartmenthaus mit Einzimmerwohnungen, einziehen und sich dann umschauen. „Es wird immer etwas Adäquates gefunden, nur muss man schnell sein. Mit dem Umzug nach Rūdninkai wird sich das deutsche Leben in und um Vilnius, für die Familien in Rukla in und um Kaunas weiter etablieren. Wohnraum ist jedenfalls vorhanden und kommt täglich dazu“, ist sich von Steuben sicher.

Aus seiner Sicht gestalte sich das Leben in und um Vilnius bereits jetzt als sehr erfrischend. Einkaufsmöglichkeiten gebe es reichlich, Veranstaltungen in der Stadt finden fast jedes Wochenende statt. Das Nachtleben für die jungen Kameraden sei abwechslungsreich. Das Informationsbüro Vilnius biete alle drei Monate Informationsveranstaltungen an, „die wirklich sehr aufwendig vorbereitet und durchgeführt werden“ und beleuchte ständig neue Aspekte des Lebens in Litauen. Das Büro unterstütze auch Angehörige, eine Anstellung zu finden, wenn Bedarf besteht.

Das Goethe-Institut sei auch immer sehr hilfreich und eine zuverlässige Anlaufstelle. „Trotz der angespannten politischen Lage fühlt man sich sicher in Litauen. Die Litauer sind sehr freundlich, hilfsbereit und sehr dankbar dafür, dass die Bundeswehr ihre Soldaten hier im Land stationiert“, sagt von Steuben.

Die Verbandsarbeit werde sich ausweiten. Mit der Versetzung von Stammpersonal nach Rukla sei auch dort eine TruKa geplant. Das treffe auch auf den Standort Rokantiškės zu, der aufwachsen wird. Ziel solle es sein, später in Rūdninkai für jedes Bataillon eine TruKa am Start zu haben.

Fazit: „Die Mühe, die sich hier alle Beteiligten geben, wird dieses Großvorhaben der Bundeswehr zu einer Erfolgsgeschichte machen“, so Günther von Steuben.

Der Weg zur Panzerbrigade 45

Die Aufstellung der Brigade in Litauen gehört zu den ambitioniertesten Vorhaben der Bundeswehr. Ende Dezember 2023 war in der litauischen Hauptstadt Vilnius die Roadmap für die Stationierung von rund 4800 Soldaten sowie 200 zivilen Beschäftigten der Bundeswehr in Litauen entwickelt worden. Wenig später wurde aus einem Vorkommando der Aufstellungsstab, als Kern der Brigade wurde am 1. April 2025 die Panzerbrigade 45 des Heeres offiziell in Dienst gestellt. Der nächste Schritt stand in diesen Tagen an: Ende Januar wurden der Brigade zwei Kampftruppenbataillone unterstellt. Die Brigade wird nach Bundeswehrangaben aus drei Kampfverbänden bestehen: dem Panzergrenadierbataillon 122 aus Oberviechtach in Bayern, dem Panzerbataillon 203 aus Augustdorf in Nordrhein-Westfalen und der Multinational Battlegroup Lithuania, deren deutsche Anteile der multinationalen Truppe bereits am 1. April 2025 der Panzerbrigade 45 unterstellt worden waren. Im kommenden Jahr soll die Brigade ihre volle Einsatzbereitschaft zur Verteidigung der NATO-Ostflanke im Baltikum erreichen.

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