Im Mai 2025 wurde die Panzerbrigade 45 im litauischen Vilnius aufgestellt. Foto: Bundeswehr/Mario Bähr

Im Mai 2025 wurde die Panzerbrigade 45 im litauischen Vilnius aufgestellt. Foto: Bundeswehr/Mario Bähr

15.09.2026
DBwV

Personal-Lücken in der Litauen-Brigade

Versetzungen nach Litauen – Meissner: Rahmenbedingungen nicht attraktiv genug

Weil es nicht gelingt, in allen Bereichen genügend Freiwillige für die Panzerbrigade 45 „Litauen“ zu werben, werden jetzt auch Soldaten ins Baltikum befohlen: Verteidigungsminister Boris Pistorus gab am Montag bekannt, künftig auch verpflichtende Versetzungen anzuordnen. Damit die Truppe Ende 2027 vollständig steht, müssen Frauen und Männer aus „Mangelbereichen“ wie Logistik und Informationstechnik identifiziert und nach Litauen geschickt werden. Derzeit geht das Ministerium von einem Bedarf im mittleren dreistelligen Bereich aus. Angedacht werden dabei auch Kurzzeitkommandierungen, Rotationsmodelle und dienstliche Kurzzeitaufenthalte. Wie diese aussehen sollen, bleibt offen.

Der stellvertretende Bundesvorsitzende Oberstabsgefreiter Marcus Meissner sieht diese Entscheidung kritisch: „Der Umstand, dass Boris Pistorius jetzt Verpflichtungen anordnen muss, zeigt eindeutig: Es ist nicht gelungen, die Rahmenbedingungen für den Dienst in Litauen für unsere Soldatinnen und Soldaten attraktiv genug zu gestalten.“ Ganz offenbar habe das BMVg an der Lebenswirklichkeit der Menschen von heute vorbeigeplant. So sei es beispielsweise gerade für ältere Soldaten mit Familie kompliziert, ganz besonders, wenn diese mitgehe und das Einkommen des Partners wegfalle.

Meissner weiter: „Jetzt Verpflichtungen anzuordnen, folgt militärischer Logik und löst vielleicht kurzfristig ein Problem in Litauen. Auf der anderen Seite hat die Kommandierung nach Litauen Folgen für die Einsatzbereitschaft der in Deutschland stationierten Einheiten und Verbände.“ Weitere unerfreuliche Konsequenzen drohten, wenn beispielsweise Soldaten auf Zeit, die gegen ihren Willen nach Litauen befohlen werden, sich anschließend nicht mehr weiterverpflichten. „Das wäre sehr ungünstig, denn diese Menschen brauchen wir dringend für den Aufwuchs unserer Bundeswehr!“

Der DBwV appelliert daher an Pistorius, bei jeder Verpflichtung ist ein Höchstmaß an Fingerspitzengefühl walten zu lassen. Grundsätzlich sollte die Maßgabe sein: So viel Freiwilligkeit wie möglich, so viel Verpflichtung wie nötig.

Der stellvertretende Bundesvorsitzende abschließend: „Auf jeden Fall muss jetzt nachgesteuert werden: Die Auswirkungen des Artikelgesetzes Zeitenwende müssen umgehend evaluiert werden, die Erkenntnisse müssen in ein neues Artikelgesetz einfließen.“

Klar ist jedenfalls: Der DBwV steht seinen Mitgliedern bei Fragen zum Thema zur Verfügung. 
 

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