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Maas will Soldaten weiter im Afghanistan-Krieg, aber bitte ohne Schutz: Masala warnt vor Sicherheitsrisiko für Bundeswehrsoldaten

Seit vielen Jahren gemeinsam in Afghanistan im Einsatz: Deutsche und US-amerikanische Soldaten. Die Kehrtwende der neuen Administration in Washington bringt die Bundeswehr allerdings in Gefahr. Foto: Bundeswehr/Andrea Bienert

Seit vielen Jahren gemeinsam in Afghanistan im Einsatz: Deutsche und US-amerikanische Soldaten. Die Kehrtwende der neuen Administration in Washington bringt die Bundeswehr allerdings in Gefahr. Foto: Bundeswehr/Andrea Bienert

14.02.2021
Von Frank Jungbluth

Maas will Soldaten weiter im Afghanistan-Krieg, aber bitte ohne Schutz: Masala warnt vor Sicherheitsrisiko für Bundeswehrsoldaten

Nach dem Kurswechsel in der US-Politik wird in Deutschland diskutiert, ob der geplante Abzug der Truppe im Frühjahr 2021 nicht doch noch verschoben werden soll.

Im Gleichschritt – Marsch! Rechts – um! Abteilung – halt! Die Afghanistan-Politik der US-Regierung hat sich – wie zu erwarten war – wieder gedreht. Das allerdings bringt die 1.000 Soldaten der Bundeswehr in große Gefahr. Der Kurswechsel von US-Präsident Joe Biden und die Ankündigung, die US-Truppen doch länger im Bürgerkriegsland zu lassen, gefährde die Sicherheit und das Leben der Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr am Hindukusch, warnt Carlo Masala, Professor für internationale Studien an der Universität der Bundeswehr in München in einem Beitrag für die Tageszeitung „Die WELT“. Denn die Taliban haben angekündigt, dass das Abkommen, das sie vor genau einem Jahr mit den Vereinigten Staaten geschlossen haben, nach wie vor bindend sei. Auch, wenn Trump in den USA nicht mehr das Sagen hat.

Halte sich Biden nicht an Trumps Zusage, Army und Air Force bis zum 30. April 2021 abzuziehen, drohen die Terroristen der Gotteskrieger einen „großen Krieg“ an. Mindestens „schwere Konsequenzen“, sagt Taliban-Sprecher Suhail Shaheen. Die Terror-Bruderschaft der Taliban verhandelt derzeit in Doha einen Frieden zwischen der Afghanischen Regierung und den eigenen Mörderbanden. Die Verhandlungen stocken. Das Töten und Sterben in Afghanistan ist wieder Alltag.

Währenddessen hat Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) am Wochenende in einem Interview mit den Zeitungen der Funke-Mediengruppe vorgeschlagen, das Ende März 2021 auslaufende vom Bundestag erteilte Mandat für den Bundeswehreinsatz in Afghanistan zu verlängern. Da die Friedensverhandlungen zwischen den Konfliktparteien in Afghanistan noch nicht abgeschlossen seien, sagt Maas: „Deshalb müssen wir auch mit einem neuen Bundestagsmandat auf unterschiedliche Szenarien vorbereitet sein.“

Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr sind inzwischen im 20. Jahr im Afghanistan-Einsatz. 158.000 Soldaten der Bundeswehr waren am Hindukusch im Einsatz, 1.000 sind noch im Feldlager in Masar-i-Scharif, 35 Soldaten sind in diesem längsten Einsatz der deutschen Militärgeschichte gefallen. Der Einsatz hat bis heute gut 13 Milliarden Euro gekostet.

Das größte Problem: Die verbliebenen Deutschen, deren Abzug im April 2021 sicher schien, haben nicht die Ausrüstung, um ihr Feldlager wirkungsvoll zu verteidigen. Panzer zum Schutz hat man vor Jahren abgelehnt, jetzt kommen Soldaten der niederländischen Verbündeten ins Spiel. Sie sollen mit einem Mörserzug mögliche Angriffe abwehren, denn die Taliban rücken näher ans Lager ins Masar-i-Scharif. Eine auch peinliche Situation, befindet Professor Masala, schließlich sei hier nicht Liechtenstein im Einsatz. „Für einen großen Staat in der Mitte Europas, der den Anspruch erhebt, Anlehnungsmacht für militärisch kleinere Partner zu sein, ist dies kein Ruhmesblatt.“ Und die Gefahr für die Truppe wird jeden Tag größer.


Über bewaffnete Schutzdrohnen für die Sicherheit der deutschen Soldaten am Hindukusch wird derweil in der Heimat munter debattiert, als gäbe es das tägliche Sterben von Polizisten und Sicherheitskräften in Afghanistan nicht. Der SPD-Friedenspolitiker Rolf Mützenich will die Bewaffnung der Heron-TP-Drohnen verhindern, Heiko Maas sagt, er sei für die Bewaffnung, um sich dann aber bei seinem Parteivorsitzenden Norbert Walter-Borjans einzureihen und die Verzögerungstaktik zu unterstützen, die man bei der SPD mit dem angeblichen Bedarf an einer weiteren Debatte über bewaffnete Drohnen verschleiert.

Professor Carlo Masala empfiehlt angesichts der konkreten Bedrohung der deutschen Truppen am Hindukusch, die deutsche Politik möge auch ihre (hoffentlich noch vorhandenen) Gesprächskanäle zu den Taliban nutzen, „um ein separates deutsches Stillhalteabkommen mit den Gotteskriegern zu schließen, in welchem diese zusagen, keine Angriffe auf Deutsche in Afghanistan durchzuführen.“

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