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Anfang Juli statt Mitte August: Der Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan könnte jetzt schnell zu Ende gehen. Foto: Bundeswehr/André Klimke
Der Abzug aus Afghanistan könnte deutlich an Tempo zulegen: Nun wird Anfang Juli als Termin gehandelt. Für die Bundeswehr eine Herausforderung, bei der Material zurückgelassen werden könnte.
Berlin. Die Bundeswehr stellt sich in Absprache mit Nato-Verbündeten auf einen deutlich schnelleren Abzug aus Afghanistan ein. Das Verteidigungsministerium informierte am Mittwoch Bundestagsabgeordnete über Beratungen, wonach der Termin auf den 4. Juli vorgezogen werden könnte. Die USA als größter Truppensteller hatten sich bisher auf einen Abzug bis zum 11. September festgelegt, dem 20. Jahrestag der Terroranschläge des islamistischen Netzwerks Al-Kaida in den USA.
„Zurzeit gehen die Überlegungen im Hauptquartier Resolute Support in Kabul in die Richtung, den Abzugszeitraum zu verkürzen. Es wird der 4. Juli als Abzugsdatum erwogen“, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums der Deutschen Presse-Agentur dazu. „Die beteiligten Nationen prüfen zurzeit die daraus resultierenden Herausforderungen und Folgen. Die finale Entscheidung über das reale Enddatum liegt unverändert beim Nato-Rat.“
Die Bundeswehr sollte nach früheren Angaben von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, die nun überholt sein könnten, schon bis Mitte August Afghanistan verlassen haben. Deutschland stellt mit 1100 Soldaten nach den USA das zweitgrößte Kontingent in der etwa 10.000 Soldaten starken Nato-Truppe.
„Vor uns steht nun eine fordernde logistische Aufgabe“, sagte der Sprecher. Die Bundeswehr sei darauf aber vorbereitet. „Das auch zukünftig noch benötigte Material wird nach Entbehrlichkeit auf der Zeitachse auf dem Luftweg verflogen. Der zur Verfügung stehende Lufttransportraum ist die entscheidende Stellgröße“, sagte er.
Frühere, bekannte Planungen sehen vor, bei einem beschleunigten Abzug zusätzliches Material in Afghanistan zurückzulassen. Sicherheitsrelevante Ausrüstung wird notfalls zerstört.
Aus Nato-Kreisen in Brüssel hieß es, der Fahrplan für den Abzug werde derzeit von den Militärplanern ausgearbeitet. Er solle so schnell wie möglich, aber auch so geordnet wie möglich erfolgen, um unnötige Risiken für die Soldaten auszuschließen. Leitlinie für die Planungen sei weiterhin die Ansage von US-Präsident Joe Biden, dass der Abzug bis zum 11. September abgeschlossen werden sollte.
Es sei „einfach nur unwürdig“, sich nach 20 Jahren bei der Frage des Abzugs an den symbolischen Feiertagen der USA ausrichten zu müssen, sagte die FDP-Verteidigungspolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann mit Blick auf den US-Nationalfeiertag am 4. Juli. „Wir sind nicht die Zierpüppchen der USA, auch wenn diese den Hut aufhaben“, sagte sie. „Die Truppe muss jetzt schnell und sicher zurück.“
Zuvor hatte bereits der CDU-Verteidigungspolitiker Henning Otte auf Gefahren hingewiesen. „Militärisch gefährlich ist der Moment des Abzugs: Das Verteidigungsministerium muss mit Kampfkraft und einsatzbereiten Kräften die Rückverlegung sichern. Dafür müssen wir Spezialkräfte vorhalten“, sagte Otte, verteidigungspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, der Deutschen Presse-Agentur. „Wenn wir jetzt bereits bewaffnete Drohnen hätten, könnten wir die Sicherheit unserer Truppe besser gewährleisten.“
Noch am Vortag hatte sich Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer zu Gesprächen mit ihren belgischen und französischen Amtskolleginnen getroffen. Kramp-Karrenbauer traf in Brüssel auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Bei den Gesprächen ging es im Schwerpunkt auch um den Abzug aus Afghanistan, hieß es aus dem Verteidigungsministerium. Die Ministerin betonte die Notwendigkeit eines synchronisierten und geordneten Abzugs. „Unsere Soldatinnen und Soldaten haben ihren Auftrag erfüllt und einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen den internationalen Terrorismus geleistet“, sagte Kramp-Karrenbauer, „jetzt gilt es, geordnet abzuziehen.“ Man sei gemeinsam reingegangen und jetzt gehe man gemeinsam raus.
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