Fast 40 Kompaniefeldwebel versammelten sich zur 20. Tagung unter Leitung von Stabsfeldwebel a.D. Franz Jung, um über aktuelle Themen zu sprechen, die ihren täglichen Dienst direkt beeinflussen.  Foto: Ingo Kaminsky

Fast 40 Kompaniefeldwebel versammelten sich zur 20. Tagung unter Leitung von Stabsfeldwebel a.D. Franz Jung, um über aktuelle Themen zu sprechen, die ihren täglichen Dienst direkt beeinflussen. Foto: Ingo Kaminsky

07.05.2026
Ingo Kaminsky

Spieße im Dialog: Personalfragen als Schlüssel zur Einsatzbereitschaft

Langenau. Rund 40 Kompaniefeldwebel kamen zur zweitägigen Spießtagung des Landesverbandes Süddeutschland im Lobinger Hotel Weißes Ross in Langenau zusammen, um sich offen, kritisch und praxisnah über die drängenden personalpolitischen Herausforderungen der Bundeswehr auszutauschen. Im Mittelpunkt standen Fragen der Alimentation, strukturelle Veränderungen in den Laufbahnen, die Gewinnung und Bindung von Nachwuchs sowie aktuelle rechtliche Entwicklungen – Themen, die den Alltag der Spieße unmittelbar prägen und maßgeblich für Motivation, Zusammenhalt und Einsatzbereitschaft der Truppe sind.

Zukunftsfaktor Personal: Zwischen Alimentation, Strukturwandel und Nachwuchsgewinnung

Landesvorsitzender Oberstleutnant a.D. Josef Rauch ordnete die aktuelle sicherheitspolitische Lage sowie die Neuausrichtung der Bundeswehr ein und benannte Personal, Infrastruktur und Rüstung als zentrale Herausforderungen. Im Mittelpunkt seines Vortrags stand jedoch der Entwurf zum Bundesalimentationsgesetz, den der DBwV eng begleitet. Rauch erläuterte Hintergründe, Zeitplan und Tragweite des komplexen Vorhabens. Rauch machte die Position des DBwV deutlich, der sich in seiner aktuellen Stellungnahme für transparente, gerechte und praxistaugliche Lösungen im weiteren Gesetzgebungsprozess einsetzt. Insgesamt sei festzustellen, dass mit dem BAlimentG „keiner weniger bekomme als bisher.“ 

In der Diskussion thematisierten die Spieße insbesondere Verunsicherungen über Reformansätze bei Dienstposten der Kompaniefeldwebel sowie fehlende Planungs- und Rechtssicherheit. Die Umwidmung als „Durchlaufdienstposten“ wird von den Spießen als Entwertung des Unteroffizierkorps empfunden und sei aus ihrer Sicht mit den Prinzipien der Inneren Führung nicht vereinbar. Rauch stellte klar, dass hierzu noch keine endgültigen Entscheidungen getroffen wurden und der DBwV diese Entwicklungen aufmerksam begleitet.

Personalgewinnung im Fokus: Zusammenarbeit zwischen Karrierecenter und Truppe

Oberstleutnant Tilo Koch vom Karrierecenter der Bundeswehr Stuttgart präsentierte die aktuellen Strukturen und Verfahren der Personalgewinnung und ordnete diese in die strategischen Herausforderungen des bevorstehenden Aufwuchses ein. Er erläuterte den Aufbau und die Aufgaben des KarrCBw Stuttgart, den Ablauf der Eignungsfeststellung sowie die Zusammenarbeit mit zivilen und militärischen Dienststellen in Baden-Württemberg, etwa bei Truppenbesuchen, Praktika und Karrieretagen. Im offenen und sachlichen Austausch mit den Spießen wurden Praxiserfahrungen aus der Truppe spiegelbildlich eingebracht, etwa zu Motivation, Bedeutung von Kameradschaft und fehlende Sprachkompetenz oder organisatorischen Reibungsverlusten bei Einberufungen und Entlassungen. Dieser Dialog trug wesentlich zum gegenseitigen Verständnis der jeweiligen Zwänge und Möglichkeiten bei. Personalgewinnung und -bindung könne nur durch enge Zusammenarbeit zwischen Karriereorganisation und Truppe erfolgreich sein. Trotz steigender Bewerberzahlen gelte weiterhin: „Wir wachsen, aber wir wachsen noch nicht ausreichend.“

Rechtssicherheit und Laufbahnperspektiven: Zentrale Fragen für die Spieße

Ass. Jur. Mimi Menzel gab einen praxisnahen Einblick in die Arbeit der Rechtsabteilung des DBwV – von individueller Rechtsberatung bis zur rechtlichen Begleitung von Gesetzesvorhaben. Im Fokus standen aktuelle Rechtsentwicklungen, typische Problemfelder von SaZ wie frühzeitiges Ausscheiden, Berufsförderung, Versorgung und Verpflichtungsprämien sowie Risiken bei Verwendungswechseln. Mit klaren Beispielen unterstrich sie den hohen Wert frühzeitiger rechtlicher Beratung und traf damit genau die Anliegen der Spieße. Auch das Thema Reserve und die damit verbundenen Pflichten wurden praxisnah eingeordnet. Ihre lebhafte, verständliche und zugleich pointierte Vortragsweise sorgte für hohe Aufmerksamkeit, viele Aha‑Momente und große Wertschätzung bei den Kompaniefeldwebeln.

In Vortrag „Neues aus Berlin“ stellte Justitiar Major d. R. Christian Sieh die aktuellen verbandspolitischen Entwicklungen vor. Den Schwerpunkt setzte er auf die Mindestdienstzeiten. Sieh zeichnete die langjährige juristische Problematik nach, die nun durch aktuelle Rechtsprechung ihre Brisanz entfalte. Das bisherige Festhalten des BMVg an den Mindestdienstzeiten insbesondere für Unteroffiziere mit Portepee erzeuge massive Laufbahnrisiken und Spannungen im inneren Gefüge des Unteroffizierskorps. Mögliche Lösungsansätze wurden erläutert, zugleich betonte Sieh die klare Position des DBwV. Die lebhafte Diskussion zeigte die hohe Relevanz des Themas für die Arbeit der Kompaniefeldwebel.

Der Landesverband stellte den Spießen weitere Unterstützungsangebot vor: von gezielter Begleitung von Soldaten auf Zeit über die Beratung zur sozialen und finanziellen Absicherung von Soldaten durch FöG-Partner wie DBV/AXA bis hin zu praxisnahen Angeboten zur Stärkung der Beteiligungsrechte. 

Die intensive, praxisnahe Diskussion bestätigte den hohen Wert der Veranstaltung für die Kompaniefeldwebel als unverzichtbares Forum für den Austausch zu aktuellen personal‑ und strukturpolitischen Herausforderungen der Bundeswehr. Die Spieße dankten Stabsfeldwebel a.D. Franz Jung für 20 Jahre engagierte Organisation der Spießtagungen. Mit Blick auf das Ende seines Mandats als Bezirksvorsitzender bei der Landesversammlung 2027 wird er die kommende Tagung letztmalig als Tagungsleiter verantworten.

Von der Tagung geht eine Spende von 200 Euro an die Soldaten‑ und Veteranenstiftung (SVS).

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