Bundeskanzler Friedrich Merz (r.) und Finanzminister Lars Klingbeil vor Beginn der Sitzung des Bundeskabinetts, bei der die Eckwerte für den Bundeshaushalt 2027 sowie die Finanzplanung für die kommenden Jahre beschlossen wurden. Foto: Picture-Alliance/Ipon/Stefan Boness

Bundeskanzler Friedrich Merz (r.) und Finanzminister Lars Klingbeil vor Beginn der Sitzung des Bundeskabinetts, bei der die Eckwerte für den Bundeshaushalt 2027 sowie die Finanzplanung für die kommenden Jahre beschlossen wurden. Foto: Picture-Alliance/Ipon/Stefan Boness

30.04.2026
Von Jana Bartole

Eckwertebeschluss zum Bundeshaushalt 2027 und Finanzplanung bis 2030

Das Kabinett hat am 29. April 2026 die Eckwerte für den Bundeshaushalt 2027 sowie die Finanzplanung bis 2030 beschlossen und damit die finanzpolitische Richtung der kommenden Jahre vorgezeichnet. Deutlich wird dabei: Die wirtschaftliche Dynamik bleibt schwach, die Verschuldung steigt weiter an und der Haushalt steht insgesamt unter erheblichem Druck.
Inhaltlich setzt die Bundesregierung Schwerpunkte bei Investitionen in Wachstum und Modernisierung, der Stärkung der äußeren und inneren Sicherheit sowie bei Strukturreformen zur Verbesserung der Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit. Gleichzeitig bleibt die Haushaltskonsolidierung ein erklärtes Ziel.

Insgesamt plant die Regierung mit über 650 Milliarden Euro im Jahr 2027. Damit steigen die Ausgaben im Etat 2027 deutlich im Vergleich zu diesem Jahr.

Statt 525 Milliarden Euro sollen 543 Milliarden Euro im Kernhaushalt zur Verfügung stehen. Hinzu kommen Ausgaben aus Sondervermögen wie dem Bundeswehr-Sondervermögen, dem Klima- und Transformationsfonds und dem Infrastrukturfonds.

Ein beachtlicher Teil der Ausgaben im kommenden Jahr ist für Verteidigung und Sicherheit vorgesehen. Der Wehretat soll 2027 auf 105,8 Milliarden anwachsen und damit 20 Prozent der gesamten Ausgaben im Kernhaushalt ausmachen. Ein klares Zeichen zur Stärkung der Bundeswehr. Bis 2030 sollen die Militärausgaben dann weiter auf 180 Milliarden Euro jährlich ansteigen. Zum Vergleich, 2026 lag der Wehretat noch bei 82,7 Milliarden Euro.

Dazu kommen weitere 27,5 Milliarden bei den Verteidigungsausgaben aus dem Sondervermögen und weitere 11,6 Milliarden aus der Ertüchtigung, davon geht der überwiegende Anteil an die Ukraine.

Insgesamt ergibt sich anhand der Verteidigungsausgaben des Bundes für das Jahr 2027 eine geplante NATO-Quote von rund 3,1 Prozent. Diese soll bis 2030 3,7 Prozent des BIP erreichen. 

Für den Vorsitzenden des Fachbereichs Besoldung, Haushalt und Laufbahnrecht im DBwV-Bundesvorstand, Oberstleutnant i.G. Dr. Detlef Buch, sind das mit Blick auf die Verteidigungsausgaben grundsätzlich gute Nachrichten: „Ohne Frage hat die Koalition erkannt, dass Sicherheit und Verteidigung Geld kosten. Sie gibt der Bundeswehr, aber auch den Nachrichtendiensten und den Zivilschutzorganisationen die notwendigen Mittel. Die strategische Herausforderung bleibt jedoch, wie unser Staat seine Kernaufgaben finanziert, ohne sich zu überschulden. Deutschland muss auch noch in zehn Jahren handlungsfähig sein und seine Streitkräfte finanzieren können.“

Die Neuverschuldung im Entwurf für 2027 ist hoch, fast 110 Milliarden neue Schulden sind geplant. Nimmt man die Sondertöpfe für Bundeswehr und Infrastruktur noch hinzu, liegt diese bei fast 200 Milliarden Euro.

Bei diesen Beträgen stellt sich selbstverständlich die Frage der Finanzierung. Das Wirtschaftswachstum wird für die kommenden Jahre zurückhaltend prognostiziert. Gerade einmal ein Wachstum zwischen 0,9 Prozent und 1,3 Prozent werden für die Jahre bis 2030 vorausgesagt. Dabei hat die Energiekrise eine zusätzlich konjunkturschwächende Wirkung.

Gesamtwirtschaftliche Unsicherheiten

Des Weiteren bringt die derzeit insgesamt volatile politische Lage erhebliche gesamtwirtschaftliche Unsicherheiten mit sich. Der Nahost-Konflikt sorgt mindestens kurzfristig für höhere Energiepreise. Offen ist, wie sich der Nahost-Konflikt in den kommenden Tagen und Wochen entwickelt. Eine anhaltende Eskalation würde sowohl die Bevölkerung als auch die Wirtschaft weiter belasten, etwa durch steigende Kosten und zunehmende Investitionszurückhaltung. In der Folge könnten auch die staatlichen Steuereinnahmen sinken, was den finanziellen Spielraum zusätzlich einschränken würde. Staatliche Entlastungsmaßnahmen helfen den Bürgern zwar kurzfristig, wirken sich aber langfristig ebenfalls negativ auf den Staatshaushalt aus.

Zur Stabilisierung der öffentlichen Finanzen setzt die Bundesregierung auf Effizienzsteigerungen und zusätzliche Einnahmen. Geplant sind unter anderem Bürokratieabbau, eine effizientere Verwaltung sowie Reformen in den Sozialversicherungssystemen, die perspektivisch zu geringeren Bundeszuschüssen führen sollen. Ergänzend sind neue Abgaben, etwa auf Zucker und Plastik, sowie höhere Steuern auf Tabak und Alkohol vorgesehen. Ob diese Maßnahmen ausreichen, um die steigenden Ausgaben zu kompensieren, bleibt offen.

Die beschlossenen Eckwerte bilden zunächst den Rahmen für den weiteren Haushaltsprozess. Im Zuge der konkreten Haushaltsaufstellung sind noch zahlreiche Detailanpassungen zu erwarten. Der endgültige Kabinettsbeschluss ist für den 6. Juli vorgesehen, die erste Lesung im Bundestag soll im September erfolgen, gefolgt von den weiteren Beratungen bis zur Verabschiedung Ende November.

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