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Forderung nach familiengerechtere Verwendungsplanung. Foto: Bundeswehr/Herholt
Die vielzitierte Vereinbarkeit von Dienst und Familie ist noch immer nicht vollzogen. Eine „Work-Life-Balance“ bleibt damit ein Ziel in weiter Ferne. Denn Angebote der Bundeswehr, die die Lebenssituation verbessern, gibt es zu wenig – so das Stimmungsbild in der Truppe. Am Mittwoch (4. November 2015) lud Hans-Peter Bartels, Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestages, deshalb zur Veranstaltung „Vereinbarkeit des Dienstes in der Bundeswehr mit dem Familien- und Privatleben“. In den einzelnen Workshops wurde über flexiblere und familiengerechtere Verwendungsplanungen referiert, die beispielsweise durch längerfristige Stehzeiten auf den Dienstposten geschaffen werden könnten. In dem Workshop „ Pendeln – unverzichtbarer Teil des Soldatenberufs?“ ging es um die Frage, wie soziale und zeitliche Belastungen verringert werden können. Dem Arbeitgeber sei bewusst, dass 92 Prozent der Soldaten mit beruflicher Mobilität zu tun hätten, 60-70 Prozent wiesen sogar eine sehr hohe berufliche Mobilität auf. Darunter versteht der Arbeitgeber vor allem häufige Standortwechsel und das damit verbundene Pendeln. Diese berufliche Mobilität sei in der zivilen Bevölkerung deutlich geringer.
Sigurd Rink, evangelischer Militärbischof, stellte die Frage, warum überhaupt so häufige Versetzungen gemacht werden müssten? Darauf entbrannte eine lebhafte Diskussion: Der Arbeitgeber sei sich bewusst, dass das Pendeln eine starke physische Belastung in der Familie ausmache, bei laufenden Umstrukturierungen könne es jedoch nicht ausgeschlossen werden.
Der Deutsche BundeswehrVerband brachte sich mit vielen Verbesserungsvorschlägen zur Steigerung der Attraktivität und der Familienfreundlichkeit des Arbeitgebers Bundeswehr ein. In diesem Zusammenhang referierte Hartmut Schönmeyer, Vorsitzender Fachbereich Besoldung, Haushalt, Laufbahnrecht im Deutschen BundeswehrVerband, über die Arbeitszeitregelung für Soldatinnen und Soldaten, die zum 01. Januar 2016 in Kraft tritt.
An der Veranstaltung nahmen unter anderen DBwV-Chef Oberstleutnant André Wüstner sowie sein Stellvertreter Andreas Steinmetz, Hauptmann Petra Böhm, stellvertretende Vorsitzende Sanitätsdienst im Bundesvorstand des Deutschen Bundeswehrverbands und Sabine Bastek, Beauftragte für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf/Dienst in der Bundeswehr, teil.
Hintergrund„Nicht einmal ein Drittel der Berufs- und Zeitsoldaten (30 Prozent) ist der Meinung, dass sie ihren Dienst gut mit ihrem Privat- und Familienleben vereinbaren können,35 Prozent sind der Auffassung, dass ihnen das zumindest teilweise gut gelingt und jeder Dritte (33 Prozent) meint, beide Lebensbereiche lassen sich nur schlecht in Einklang bringen“, so die Ergebnisse einer repräsentativen Bundeswehrumfrage zur Vereinbarkeit von Dienst und Privat- bzw. Familienleben, die 2014 veröffentlicht wurde.Berufs- und Zeitsoldaten bemängelten, „dass sie ihre Arbeitszeit nicht flexibel gestalten können (61 Prozent), dass sie oft Überstunden machen (49 Prozent), dass sie häufig unter großem Zeit- und Leistungsdruck arbeiten (49 Prozent) und dass sie oft für längere Zeit berufsbedingt in Deutschland unterwegs sind (49 Prozent). (...) Als besonders belastend werde „das Wochenendpendeln (76 Prozent), Versetzungen an andere Standorte (69 Prozent) und häufige berufsbedingte Umzüge (69 Prozent) wahrgenommen. Das Gefühl, von Vorgesetzten oder Kameraden gemobbt zu werden, bzw. das Empfinden, dass das soziale Klima schlecht ist, hat nach Aussage der Betroffenen ebenfalls ausgesprochen negative Folgen für ihr Privat- und Familienleben (78 bzw. 65 Prozent). (...) Viele Berufs- und Zeitsoldaten haben ganz konkrete Vorstellungen, wie es gelingen könnte, den Dienst besser mit ihrem Privat- und Familienleben zu vereinbaren. Am häufigsten genannt werden eine möglichst heimatnahe Verwendung, ein flächendeckendes, flexibles und kostengünstiges Kinderbetreuungsangebot, mehr Flexibilität bei der Gestaltung der Dienstzeit, eine bessere Informationspolitik, um die Planbarkeit zu erhöhen, Hilfen zur Integration der Familien an den Standorten, längere Stehzeiten und seltenere Versetzungen und geregelte Dienstzeiten.“ (Auszüge aus dem Forschungsbericht zur Vereinbarkeit von Dienst und Privat- bzw. Familienleben, März 2014)
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