Am 28. und 29. Oktober 2026 traf sich ein kleiner, engagierter Kreis von Soldaten auf Zeit aus Süddeutschland zur SaZ-Tagung des Landesverbandes in Langenau. Foto: Ingo Kaminsky

Am 28. und 29. Oktober 2026 traf sich ein kleiner, engagierter Kreis von Soldaten auf Zeit aus Süddeutschland zur SaZ-Tagung des Landesverbandes in Langenau. Foto: Ingo Kaminsky

02.11.2026
Ingo Kaminsky

Frische Ideen statt großer Kulisse: Junge Soldaten formulieren klare Erwartungen an Politik, Bundeswehr und Verband

Auch kleinere Veranstaltungen können große Impulse setzen: Am 28. und 29. Oktober 2026 traf sich ein kleiner Kreis von Soldaten auf Zeit aus Süddeutschland zur SaZ-Tagung des Landesverbandes Süddeutschland in Langenau. Die Teilnehmer brachten sich mit großem Engagement, lebhaften Diskussionen und vielen innovativen Ideen ein. Über Alters- und Dienstgradgrenzen hinweg nutzten die Soldaten auf Zeit die zwei Tage, um offen über ihre Sorgen, Erwartungen und Zukunft ihrer Statusgruppe zu sprechen. Die Tagungsleitung übernahm kurzfristig Oberstabsfeldwebel a.D. Martin Funk, Sonderbeauftragter SaZ des Landesverbandes.

Verbandspolitik im Spannungsfeld von Aufwuchs und Sparzwang

Zum Auftakt skizzierte Landesvorsitzender Oberstleutnant a.D. Josef Rauch die derzeitigen verbandspolitischen Baustellen. Besonders deutlich wurde dabei ein Widerspruch, der viele Teilnehmer beschäftigte: Während die Politik den personellen Aufwuchs der Bundeswehr fordert, sorgen gleichzeitig Beförderungsstopps und unklare Karriereperspektiven für Verunsicherung in der Truppe. Kritik übte Rauch unter anderem am neuen Bundesalimentationsgesetz. Aus Sicht des Verbandes enthalten einzelne Regelungen erhebliche Schwächen, etwa die Berücksichtigung fiktiver Partnereinkommen oder die ausbleibende vollständige Übernahme tariflicher Ergebnisse. Auch die geplante Kürzung des Wohngeldes in der anhaltenden Debatte um die verfassungsgemäße Alimentation bleibt Thema, das die Soldaten direkt betrifft. Intensiv diskutiert wurden die Folgen des Beförderungsstopps seit Juli 2026. Der DBwV fordert den Erhalt attraktiver Laufbahnperspektiven für Portepeeunteroffiziere. Die SaZ fragen sich, wie motivierte Soldaten für den weiteren Aufwuchs gewonnen werden sollen, wenn Karrierewege zunehmend unsicher erscheinen.

Rechtliche Fallstricke im Blick behalten

Mit viel Fachwissen und einer lebendigen Vortragsweise nahm Mimi Menzel von der Rechtsabteilung des DBwV typische Beratungsfälle unter die Lupe. Interesse fanden die Ausführungen zum vorzeitigen Ausscheiden aus dem Dienstverhältnis. Für den Dienstherrn stehe dabei das dienstliche Interesse im Vordergrund, persönliche Beweggründe spielen häufig nur eine nachgeordnete Rolle. Ebenso praxisnah erläuterte Menzel die Regelungen zur Berufsförderung und Versorgung von Soldaten auf Zeit. Neben den Anspruchsvoraussetzungen ging es um Förderzeiträume, mögliche Kürzungen durch bereits erworbene Qualifikationen sowie Risiken von Rückforderungen. Beim Thema Verpflichtungsprämien sensibilisierte sie die Teilnehmer dafür, Zusagen stets schriftlich abzusichern und Fristen für Beschwerden oder Rechtsmittel im Blick zu behalten. Menzel informierte zum Abschluss über aktuelle Entwicklungen im Reservistenrecht und den geplanten Ausbau der Reserve.

Unterstützung für alle Phasen der Dienstzeit

Einen breiten Raum nahmen die Angebote des DBwV speziell für Soldaten auf Zeit ein. Der bundesweite SaZ-Koordinator, Oberstabsfeldwebel a.D. Jürgen Schreier, stellte laufende Projekte vor. Dazu gehören digitale Informationsveranstaltungen, die Unterstützung der Initiative „Junger DBwV“ sowie die Vernetzung der SaZ-Ansprechpartner in den Landesverbänden. Ziel ist es, Informationen schneller zu verbreiten und den Austausch unter den Betroffenen zu stärken.

Martin Funk als Sonderbeauftragter SaZ ergänzte mit seinem Angebot, SaZ während aller Phasen ihrer Karriere zu begleiten – vom Einstieg in die Bundeswehr bis hin zum Übergang ins zivile Berufsleben. Dazu bringt er Experten des Berufsförderungsdienstes, Berater des DBwV, Arbeitgeber und weitere Ansprechpartner mit den SaZ bei vielfältigen Veranstaltungsformaten zusammen. Seine Informationen sind ebenso auf digitalen Plattformen des Verbandes verfügbar. Zudem bestärkt Funk die SaZ, nach Dienstzeitende gerade als beorderte Reservisten, Mitglied im DBwV zu bleiben.

Junge Ideen für die Zukunft des Verbandes

Wie junge Mitglieder die Verbandsarbeit aktiv mitgestalten können, stellte Jana Bartole aus der Abteilung Politik des DBwV vor. Das Projekt „Junger DBwV“ soll mehr junge Menschen für die Verbandsarbeit gewinnen und ihren Themen innerhalb des Verbandes mehr Gewicht verleihen. Im Mittelpunkt standen moderne Kommunikationswege, eine stärkere Präsenz in sozialen Medien und neue Beteiligungsformate.

Oberstleutnant Daniel Brunner zeigte anhand seines eigenen Werdegangs, welche Möglichkeiten der Verband für ehrenamtliches Engagement und persönliche Entwicklung bietet. Vom ersten Ehrenamt bis zum Bezirksvorsitzenden Oberbayern habe ihm der DBwV vielfältige Chancen eröffnet, Verantwortung zu übernehmen, Netzwerke aufzubauen und die Verbandsarbeit mitzugestalten. Dabei machte er deutlich, dass SaZ und „Junger DBwV“ keine Parallelstrukturen sind, sondern gemeinsam dazu beitragen, den Anliegen junger Soldaten mehr Gehör zu verschaffen.

Den Blick auf die Bundesebene richtete Hauptmann Lukas Jochum. Der Vorsitzende Zentraler Bereich berichtete über den Stand zu aktuellen Beschlüssen der 22. Hauptversammlung und verdeutlichte die gemeinsamen Aufgaben der Projektgruppen SaZ und „Jungen DBwV“ innerhalb der Solidargemeinschaft DBwV. Mit einer Zahl brachte er seinen Appell auf den Punkt: Rund 41 Prozent der Bundeswehrangehörigen sind Soldaten auf Zeit. Wer eine so starke Gruppe wirksam vertreten will, darf Interessenvertretung nicht anderen überlassen, sondern muss sie selbst aktiv mitgestalten.

Ideenwerkstatt für die Interessenvertretung

In Arbeitsgruppen entwickelten die Teilnehmer zahlreiche Vorschläge für eine noch attraktivere Verbandsarbeit. Im Mittelpunkt standen konkrete Erwartungen an die Interessenvertretung für Soldaten auf Zeit und junge Mitglieder. Besonders inspirierend wirkte dabei ein Web-Talk mit Dienstzeitende.de-Gründer Felix Klein sowie den beiden Vertretern des Projekts „Junger DBwV“, den die Teilnehmer Live aus dem Tagungsraum heraus mitverfolgten. Das Format beflügelte zu zahlreichen Anregungen für eine zukünftige Weiterentwicklung und breitere Nutzung.

Die Tagung rundete die Informationen von FöG-Koordinator Oberstabsfeldwebel a.D. Axel Thies und von Landesvorsitzender Rauch zur Stationierung der Brigade Litauen mit damit verbundenen Herausforderungen für Soldaten auf Zeit ab.

Mehrwert, der überzeugt

Das Fazit der Teilnehmer fiel positiv aus. Besonders geschätzt wurden der direkte Austausch mit Entscheidungsträgern, die praxisnahen Informationen und die Möglichkeit, eigene Ideen einzubringen.  Die Tagung zeigte: Junge Soldaten wollen ihre Zukunft aktiv mitgestalten. Sie erwarten Karriereperspektiven, verlässliche soziale Absicherung und eine starke Interessenvertretung, die ihre Anliegen offensiv in Politik und Bundeswehr einbringt. Erwartet werden schnellere Lösungen für ihre konkreten Probleme.

Wie wichtig Soldaten auf Zeit soziales Engagement ist, zeigte der Vorsitzende vom Bundeswehrbetreuungsverein Strasbourg e.V., Hauptfeldwebel Jürgen Uthmann. Gemeinsam mit dem TruKa-Vorsitzenden, Hauptfeldwebel Marvin Schäfer, übergab er dem Landesvorsitzenden Josef Rauch eine Spende von 1.000 Euro für das Veteranenprojekt „Battlefield Cyclist“. Das Geld stammt von seinem Verein und der TruKa JgBtl 291 Illkirch.

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