Vorerst doch kein Ende in Fürstenfeldbruck: Anstatt den Standort aufzugeben, soll dort das Luftwaffenausbildungsbataillon 2 stationiert werden. Foto: Picture-Alliance/Andreas Gebert

Vorerst doch kein Ende in Fürstenfeldbruck: Anstatt den Standort aufzugeben, soll dort das Luftwaffenausbildungsbataillon 2 stationiert werden. Foto: Picture-Alliance/Andreas Gebert

24.10.2026
Eva Krämer

Alte Fliegerhorste – neue Aufgaben: Die Infrastruktur der Luftwaffe im Aufwuchs

Verschiedene Fliegerhorste und Flugplätze wurden geschlossen, verkleinert oder anderweitig genutzt. Doch die Infrastruktur der Luftwaffe rückt immer mehr in den Mittelpunkt – und verändert den Blick auf die Standorte.

Für eine sicherheitspolitische Zeitenwende braucht es neben Personal und Material auch eine starke Infrastruktur. Um ihren Auftrag zu erfüllen, benötigt die Bundeswehr bedarfsgerechte und funktionelle Gebäude. Dadurch rücken viele Fliegerhorste und Flugplätze, die einst von der Luftwaffe genutzt wurden und im Laufe der Jahrzehnte verkleinert oder aufgegeben wurden, wieder in den Fokus. Denn im Spannungs- und Verteidigungsfall sind sie weit mehr als nur Start- und Landebahnen: Sie dienen als logistische Drehkreuze, ermöglichen die schnelle Verlegung von Kräften und erhöhen die Einsatz- und Durchhaltefähigkeit der Luftwaffe.

Der Fliegerhorst Fürstenfeldbruck, der Flughafen Tegel in Berlin sowie die Fliegerhorste in Büchel und Upjever sind Beispiele für den wachsenden Stellenwert einer leistungsfähigen Luftwaffen-Infrastruktur. Ursprünglich hatte die Bundeswehr die Entscheidung getroffen, den Fliegerhorst im bayerischen Fürstenfeldbruck bis zum 31. Dezember 2030 aufzugeben. Doch nun soll dort das neue Ausbildungsbataillon der Luftwaffe stationiert werden. „Mit dieser Entscheidung gehen wir einen weiteren Schritt für den kontinuierlichen Aufwuchs der Streitkräfte“, sagte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) im Juli dieses Jahres.

LwAusBtl 2 in Fürstenfeldbruck

„Mit der Stationierung des Luftwaffenausbildungsbataillons 2 (LwAusBtl 2) in Fürstenfeldbruck stärken wir die Ausbildungsorganisation“, heißt es weiter. Damit könnten kurzfristig zusätzliche Ausbildungsmöglichkeiten im Umfeld von Ballungsräumen bereitgestellt und vielen potenziellen Wehrdienstleistenden ein möglichst heimatnaher Einstellungsort ermöglicht werden. Fürstenfeldbruck liegt rund 30 Kilometer westlich von München.

Der Fliegerhorst Fürstenfeldbruck kann auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurückblicken: 1934 begannen die Arbeiten, 1937 wurde er in Dienst gestellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg war dort das US-Militär stationiert. 1956 begann dort die Ausbildung der ersten deutschen Jet-Piloten der Luftwaffe. 50 Jahre später – 2006 – folgte die Einstellung des militärischen Flugbetriebes. Nach dem Beschluss zur Aufgabe des Standortes 2011 war der Fliegerhorst zwischenzeitlich eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge. Ähnlich wie der Fliegerhorst Fürstenfeldbruck wurde auch der Fliegerhorst Upjever im Landkreis Friesland nicht mehr militärisch genutzt. 2013 wurde er entwidmet, doch nun starten und landen dort wieder militärische Flugzeuge – zuletzt vor allem Eurofighter.

Nun ist der Fliegerhorst wieder gefragt. Allerdings wird er derzeit als potenzieller Ausweichflugplatz betrachtet, wie eine Sprecherin der Luftwaffe im Februar 2026 mitteilte. Die Nutzung als Ausweichflugplatz bedeutet keine dauerhafte Stationierung von Luftfahrzeugen, sondern eine jeweilige, zeitlich begrenzte Nutzung, beispielsweise im Rahmen von Übungen, Verlegungen oder hoch priorisierten Ausbildungsmaßnahmen. „Die Nutzung erfolgt ausschließlich nach Bedarf“, so die Sprecherin. Aktuell ist dort das Objektschutzregiment der Luftwaffe Friesland stationiert. Im Bedarfsfall könnten auf dem Fliegerhorst Luftfahrzeuge der Bundeswehr sowie der NATO und befreundeter Streitkräfte, darunter auch Kampf- und Transportflugzeuge sowie Hubschrauber, landen. Eine konkrete Festlegung zu Fahrzeugmustern gibt es momentan aber noch nicht, heißt es seitens der Luftwaffe. Grundsätzlich könnten dort auch multinationale oder NATO-geführte Übungen stattfinden.

Geplanter Windpark kann nicht gebaut werden

Die Reaktivierung in Upjever traf jedoch nicht nur auf Zustimmung: Anwohnerinnen und Anwohner eines nahe gelegenen Neubaugebiets beschwerten sich bereits über Fluglärm. Hinzu kommt, dass die Stadt Schortens nahe dem Fliegerhorst eine Fläche für einen Windpark ausgewiesen hat, der jedes Jahr rund 800 ​000 Euro in die Stadtkasse spülen sollte. Dieser Windpark darf nun nicht mehr gebaut werden.

77 Jahre lang war der Fliegerhorst Upjever in Betrieb: 1935 wurde mit dem Bau begonnen und am 1. Mai 1936 wurde die Anlage in Betrieb genommen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Anlage von der Royal Air Force genutzt. Nachdem die Anlage an die Bundeswehr übergeben wurde, wurde 1964 der Flugbetrieb wieder aufgenommen. In den vergangenen 77 Jahren waren verschiedene Verbände auf dem Fliegerhorst stationiert. Darunter beispielsweise das Jagdbombergeschwader 38 „Friesland“, das Besatzungen auf dem Kampfflugzeug „Tornado“ ausbildete. 2013 endete der Flugbetrieb mit dem letzten Start einer „Douglas A-4 Skyhawk.“ Die Entwidmung war Teil der Bundeswehrreform.

Bundeswehr nutzt Flughafen Tegel weiter

Auch auf dem Flughafen Tegel in Berlin wurde ein Bauvorhaben gestoppt. Dort sollte eine Flüchtlingsunterkunft entstehen. Doch die Bundeswehr entschied sich, vorerst den militärischen Teil nicht für eine zivile Nutzung freizugeben. Dies teilte das Verteidigungsministerium im Oktober 2025 mit. Der Schritt wurde damit begründet, dass die Bundeswehr ausgebaut werden soll und dafür braucht es mehr Liegenschaften.

Das Bundeswehrareal auf dem stillgelegten Flughafen Tegel ist nach Angaben der Finanzverwaltung etwa 60 Hektar groß. Doch nach Verhandlungen zwischen dem Berliner Senat und der Bundeswehr wurde entschieden, dass dieser Teil des Tegeler Flughafens noch bis in die 2040er-Jahre militärisch genutzt werden soll. Die Bundeswehr nutzt den Flughafen vor allem für den Flugbetrieb von Hubschraubern. Im September 2025 hatte sich die Lufttransportgruppe der Flugbereitschaft des BMVg nach drei Jahrzehnten offiziell vom Standort am ehemaligen Regierungsflughafen Berlin-Tegel verabschiedet. Die Flugbereitschaft wurde nun an den Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) verlegt.

Der Flughafen Tegel blickt auf eine lange militärische Geschichte zurück: Einst landeten dort die legendären „Rosinenbomber“ der US-Amerikaner. Während der deutschen Teilung war der Flughafen für Westberlin das Tor zur Welt. Später konnten die Passagiere direkt von Tegel nach New York fliegen. Auch das Überschallflugzeug „Concorde“ landete dort. Bereits in der Kaiserzeit wurde das Gelände militärisch genutzt. Im Ersten Weltkrieg war dort das Bataillon zur Luftschiffer-Einsatzabteilung stationiert. In den 1930er-Jahren wurde auf dem Flughafen Tegel der Raketenschießplatz Tegel eröffnet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Areal zum Flughafen umgebaut, da die Kapazitäten der Flughäfen Tempelhof und Gatow (heute: General-Steinhoff-Kaserne) nicht ausreichten. In nur 90 Tagen wurde der Flughafen Tegel unter der Leitung von US-Offizieren erbaut. Mit dem deutschen Wirtschaftswunder und dem wachsenden Wohlstand stieg auch das Passagieraufkommen. Zunächst wurde der Flughafen nur von Air France angeflogen. Im Mai 1964 richtete Pan American World Airways eine Verbindung von Tegel zum John F. Kennedy International Airport in New York ein, welcher dreimal die Woche angeflogen wurde. In den 70er-Jahren wurde ein neuer Terminal gebaut. 2020 wurde der Flugbetrieb eingestellt.

Tornados und F-35A in Büchel

Große Bauvorhaben gibt es auch auf dem Fliegerhorst Büchel im Landkreis Cochem-Zell (Rheinland-Pfalz). Büchel ist die Basis für das Taktische Luftwaffengeschwader 33 (TaktLwG 33). Seit 2004 ist der Fliegerhorst der einzige Standort in Deutschland, auf dem Kernwaffen der Streitkräfte der Vereinigten Staaten gelagert werden, nachdem 2005 die auf der US-Air Base in Ramstein gelagerten US-Kernwaffen abgezogen wurden.

Im August 1955 traten die ersten 250 Soldaten ihren Dienst in Büchel an. Ab Februar 1957 wurde intensiv an der Infrastruktur für eine Verlegung der Waffenschule der Luftwaffe 30 gearbeitet. 1958 wurde das Geschwader in Büchel zum Jagdbombergeschwader 33 umbenannt und noch im gleichen Jahr offiziell der NATO unterstellt. In den folgenden Jahren waren verschiedene Flugzeugtypen in Büchel stationiert. Darunter die ersten Starfighter. 1985 wurde auf den Tornado umgestellt.

Die Luftwaffe plant, alle 35 zu beschaffenden F-35A auf dem Fliegerhorst Büchel zu stationieren. Für eine Grundsanierung der Start- und Landebahn wurden im Juni 2022 vorübergehend 25 Tornados vom Fliegerhorst Büchel zum Fliegerhorst Nörvenich verlegt. Im Juni 2026 wurden die Arbeiten abgeschlossen und die Tornados sind nach Büchel zurückgekehrt.

Die Beispiele aus Fürstenfeldbruck, Upjever, Berlin-Tegel und Büchel zeigen, dass die Luftwaffe nicht nur moderne Luftfahrzeuge und gut ausgebildetes Personal benötigt, sondern auch eine leistungsfähige Infrastruktur. Fliegerhorste und Flugplätze bilden die Grundlage für den Flugbetrieb, Ausbildung, Übungen und schnelle Verlegung von Kräften – im nationalen Rahmen sowie innerhalb der NATO. Mit dem Aufwuchs der Bundeswehr und den gestiegenen Anforderungen gewinnen deshalb auch Standorte wieder an Bedeutung, die schon fast vergessen wurden. Fürstenfeldbruck, Upjever, Berlin-Tegel und Büchel machen deutlich: Eine einsatzbereite Luftwaffe beginnt am Boden. Moderne Infrastruktur ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass die Luftwaffe auch zukünftig ihren Auftrag erfüllen kann.

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