Hauptmann d.R. Marc Hinzmann (rechts) stellte sein Buch „Leben und sterben lassen – Die letzten Tage der Bundeswehr in Afghanistan" in der Bundesgeschäftsstelle des DBwV vor. Der stellvertretende Bundesvorsitzende Oberstabsgefreiter Marcus Meissner führte durch den Abend. Foto: DBwV/Eva Krämer

26.02.2026
Von Frank Jungbluth

Ein Zeugnis dessen, was passiert, wenn Politik an ihre Grenzen stößt

Leben oder sterben lassen? Eine Frage, die sich der junge Feldjägeroffizier Marc Hinzmann nie gestellt hatte, die sich ihm aber vom 16. August 2021 an für einige Tage stellen sollte. „Leben und sterben lassen“, hat der Hauptmann d.R. sein Buch über die letzten Tage der Bundeswehr nach 20 Jahren Einsatz in Afghanistan überschrieben. Fast fünf Jahre später hat Marc Hinzmann (34), der im Ruhrgebiet unter handfesten und geradlinigen Menschen groß geworden ist, seine Erlebnisse, die er im Buch bewegend und mitreißend aufgeschrieben hat, am Donnerstag vor einem großen Publikum in der Bundesgeschäftsstelle des DBwV vorgetragen. Erlebnisse am North Gate des Flughafens in Kabul, die unter die Haut gehen.

„Die Evakuierungsmission in Kabul war geprägt von einer Dynamik, wie wir sie so bislang kaum erlebt haben“, hat der stellv. Bundesvorsitzende, Oberstabsgefreiter Marcus Meissner in seiner Begrüßung treffend gesagt. „Innerhalb weniger Tage veränderte sich die Lage dramatisch. Entscheidungen mussten getroffen und Verantwortung übernommen werden. Marc, Du warst einer der Entscheider. Ein Soldat, der über das Schicksal von Menschen, im Zweifel über Leben und Sterben, entscheiden musste.“

"Hinter jedem Namen steht eine Geschichte"

Marc Hinzmanns Buch sei mehr als ein Erfahrungsbericht. „Es ist ein Zeugnis dessen, was passiert, wenn Diplomatie und Politik an ihre Grenzen stoßen. Dessen, was es bedeutet, Soldat zu sein“, wie Marcus Meissner deutlich sagt. Diese Erfahrung teilt er mit dem Autoren Marc Hinzmann, auch der Stellv. Bundesvorsitzende war im Afghanistan-Einsatz.

5.400 Menschen sind von der Bundeswehr während des dramatischen Evakuierungseinsatz in den heißen Tagen des August 2021 evakuiert worden. Viel mehr wollten mit, nicht alle konnten durch, jeder Einsatz hat seine Grenzen. Eben jene, die über Leben und Sterben entscheiden können.

Mit zahlreichen Gästen, Kameraden, Weggefährten, Mandatsträgen des BundeswehrVerbandes und auch Gästen aus der Politik, hat die Buchvorstellung eines wohl einmaligen Erfahrungsberichtes aus Afghanistan ein großes Publikum erlebt. „Es ging bei dieser letzten großen Evakuierungsmission der Bundeswehr in Afghanistan um Menschen, die mehr sind als Namen auf einer Liste“, sagt der stellv. Bundesvorsitzende Marcus Meissner. „Denn hinter jedem dieser Namen steht ein Gesicht. Eine Familie. Eine Geschichte.“

“Gezeigt, wozu ein junger Offizier in der Lage ist”

Marc Hinzmanns Buch mache deutlich, wie schmal der Grad sein kann zwischen Auftrag und Gewissen. „Wie viel Verantwortung in wenigen Minuten liegen kann. Und wie sehr solche Tage nachwirken, auch dann, wenn die letzte Maschine sicher gelandet ist. Es ist kein lauter, kein anklagender Bericht. Es ist ein ehrlicher. Und genau das macht das Buch so wichtig“, wie Meissner betont.

Die beeindruckende Laudatio zur Buchvorstellung hat Brigadegeneral Sandro Wiesner, Kommandeur und Feldjägerführer der Bundeswehr, seit 40 Jahren Mitglied im DBwV, gesprochen. “Hauptmann Hinzmann macht mit seinem Buch sichtbar und erlebbar, wozu ein junger Offizier in der Lage ist bzw. sein muss. Was das Besondere am Soldatenberuf ist”, wie Wagner sagt.

Die CDU-Bundestagsabgeordnete Vivian Tauschwitz, Hauptmann, hat an die Verantwortung von Soldaten in Einsätzen in ihrem Impuls erinnert. Auch Robin Wagener, Verteidigungspolitiker von Bündis90/Die Grünen, und Sara Nanni, Sicherheitspolitische Sprecherin der Grünen, bereicherten die Buchpräsentationen mit ihren Impulsen.

(Bericht wird fortgesetzt)

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