Ein Zeugnis dessen, was passiert, wenn Politik an ihre Grenzen stößt
300 Seminare für einen geordneten Übergang in den Ruhestand
DBwV für neues Artikelgesetz Militärische Sicherheit, fordert aber Nachbesserungen
Mannschaften, eine Dienstgradgruppe vor großen Aufgaben
„Frauen sind bei identischen Anforderungen und gleicher Ausbildung ebenso leistungsfähig wie Männer“
Mama, warum hast du eine Uniform?
Eine Frau, die mutig für ein anderes Leben kämpfte
Kameradschaft und Selbstverständnis
EuGH: Fahrten von einem zentralen Stützpunkt zu wechselnden Einsatzorten können Arbeitszeit sein
Kabinett beschließt Novellierung der Bundeslaufbahnverordnung – wichtige Forderungen umgesetzt
Panzerbrigade 45: Einsatzversorgung in Litauen gesichert
Verbandserfolg: Ehepartnerzuschlag für ins Ausland mitreisende Ehegatten durchgesetzt
Anpassung des Auslandsverwendungszuschlags in Jordanien und Erbil
Bundeswehr bleibt im Einsatz gegen IS
Weihnachtszeit im Libanon und in Litauen
Bundestag verlängert EU- und Nato-Mission im Mittelmeer
16K3-Gedenkmarsch: Erinnerung an das Karfreitagsgefecht
Erinnerung an die Gefallenen vom OP North
Erzählen Sie Ihre Veteranengeschichte!
Resolution der 22. Hauptversammlung: DBwV fordert ein Artikelgesetz Aufwuchs und die Einführung einer Wehrpflicht
Europa und Ehrungen stehen im Mittelpunkt
Die 22. Hauptversammlung: Das sagen die Delegierten
Überwältigende Mehrheit für Oberst André Wüstner
Jana Bartole im Gespräch mit dem dänischen Militärattaché in Berlin, Brigadegeneral Ulrich Essemann-Beck. Foto: DBwV
Im Interview spricht der dänische Militärattaché in Berlin, Brigadegeneral Ulrich Essemann-Beck, über die Wehrpflicht für Frauen in seinem Heimatland.
Seit dem 24. Februar 2022 diskutiert Deutschland verstärkt über die Wiedereinführung einer Wehrpflicht. Dänemark hat sie hingegen nie ausgesetzt.
Brigadegeneral Ulrich Essemann-Beck: Die dänischen Streitkräfte waren bis in die frühen 2000er-Jahre Streitkräfte zur Verteidigung mit der Wehrpflicht als tragende Säule. 2004 wurde die dänische Armee dann für das internationale Krisenmanagement umstrukturiert. Im Zuge dieser Umstellung wurden beispielsweise Fähigkeiten wie U-Boote und bodengestützte Luftabwehr abgebaut. Die Wehrdienstdauer wurde auf vier Monate reduziert. Die Ausbildung der Wehrdienstleistenden befähigte sie für Aufgaben des Heimatschutzes, wie zum Beispiel den Schutz kritischer Infrastruktur im Rahmen der Gesamtverteidigung. Die Streitkräfte mit ihren Wehrpflichtigen waren außerdem eine personelle Reserve bei Katastrophen, wie zum Beispiel Überschwemmungen.
Wie war die gesellschaftliche Wahrnehmung dieses Systems?
Essemann-Beck: In der Praxis gab es immer genügend Freiwillige, die ihren Wehrdienst leisten wollten. Dänemark musste daher nie junge Menschen verpflichtend heranziehen. Die Auswahl dazu wäre über ein Losverfahren erfolgt.
2025 wurde die Wehrpflicht auf Frauen ausgeweitet und die Dienstzeit von vier auf elf Monate erhöht. Warum?
Essemann-Beck: Die Dienstzeit wurde wie gesagt verlängert. Außerdem wollen wir pro Jahr 7500 statt 4000 Wehrpflichtige gewinnen beziehungsweise heranziehen. Wenn wir diese Zahlen auf freiwilliger Basis nicht erreichen, erfolgt die Heranziehung verpflichtend über ein Losverfahren, das nun auch Frauen einschließt. Die Reform erfolgte einerseits aus verteidigungspolitischen Gründen infolge des groß angelegten Angriffs Russlands auf die Ukraine 2022. Auch Dänemark will seine Verteidigungsfähigkeit stärken. Andererseits sind wir seit Jahren der Ansicht, dass Frauen bei identischen Anforderungen und gleicher Ausbildung ebenso leistungsfähig sind wie Männer.
Wie hat die Gesellschaft auf die Entscheidung reagiert, dass auch Frauen zum Dienst an der Waffe gezwungen werden können? Gab es kontroverse Debatten?
Essemann-Beck: Nein, es gab einen breiten Konsens in der politischen Mitte. Kritik kam nur vom linken und rechten Rand. Da Dänemark ein kleines Land ist, sind sich die Menschen bewusst, dass wir unsere Kräfte bündeln und Schulter an Schulter stehen müssen. Es gab ein breites Verständnis, dass alle jungen Menschen ihrem Land im Bedarfsfall dienen können.Gibt es bereits Zahlen, wie sich die Zusammensetzung der Streitkräfte verändert hat? Ist der Frauenanteil gesunken?
Essemann-Beck: Dafür ist es noch zu früh. Ich gehe aber davon aus, dass die Zahl der Freiwilligen mit der Zeit zurückgehen wird, da der Wehrdienst länger dauert. Sollte es dazu kommen, entscheidet das Los – und da hat jeder die gleichen Chancen.
Was tun Sie, um speziell junge Frauen anzusprechen und zu unterstützen?
Essemann-Beck: Wir stellen sicher, dass die Ausbildung als sinnvoll empfunden wird. Das betrifft auch Männer, ist aber für die Motivation unerlässlich. Um speziell Frauen zu fördern, legen wir großen Wert auf die richtige Ausrüstung, gute Unterkünfte, aber eben auch Vorbilder auf allen Ebenen. Was die persönliche Ausrüstung der Soldaten angeht, führen wir zusammen mit anderen nordischen Ländern eine neue Uniform ein, die „Nordic Combat Uniform“. Es handelt sich um ein sehr modulares System, das adaptiver ist als der Vorgänger.
War es eine Herausforderung, die Zahl der Rekruten zu erhöhen? In Deutschland ist fehlende Infrastruktur ein Hauptgegenargument gegen eine Wiedereinführung einer Wehrpflicht.Essemann-Beck: Vor 20 Jahren hat auch Dänemark im Zuge der Umstrukturierung viele Garnisonen und Teile der Ausbildungseinrichtungen geschlossen. Nach der Entscheidung von 2025 wird die Zahl der Wehrpflichtigen daher schrittweise erhöht – ähnlich wie in Deutschland. Eine angemessene Infrastruktur ist wichtig für die Motivation, aber wir müssen auch unsere Aufnahmekapazitäten für Wehrdienstleistende schnell steigern. Bei der Infrastruktur sind wir daher pragmatisch vorgegangen. Die dänischen Streitkräfte arbeiten mit funktionalen Schnellbauverfahren und Fertig-Lösungen, ähnlich, wie wir sie aus den Auslandseinsätzen kennen. Langfristig werden wahrscheinlich dauerhaftere und verbesserte Einrichtungen folgen, aber vorerst wurde einem praktischen und beschleunigten Ansatz Vorrang eingeräumt.
Haben Sie etwas an der Ausbildung der Wehrpflichtigen geändert?
Essemann-Beck: Seitdem der Wehrdienst elf Monate dauert, erhalten die Rekruten eine allgemeine Grundausbildung, die drei Monate dauert und werden dann in verschiedene Bereiche versetzt, wo sie eine zweimonatige Spezialausbildung erhalten. In den letzten sechs Monaten ihres Dienstes dienen sie regulär gemeinsam mit den Berufssoldaten. Wir arbeiten noch an den Details, aber das ist die Grundidee.
Welche Lehren haben Sie aus diesem Prozess gezogen und was würden Sie Ihren deutschen Kameraden empfehlen?
Essemann-Beck: Meine ganz persönliche Meinung ist, darüber nachzudenken, auch in Deutschland ein Pflichtsystem für Frauen und Männer einzuführen. Auch Deutschland kann es sich nicht leisten, 50 Prozent eines Jahrgangs und seiner Talente ungenutzt zu lassen.
Zurück zur Liste der Beiträge
DIESE SEITE:
TEILEN:
FOLGEN SIE UNS: