Auf Einladung des DBwV und der „Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft“ der Goethe-Universität trafen sich Experten, Militärseelsorge und Soldatinnen und Soldaten, um sich über die muslimische Militärseelsorge auszutauschen. Foto: DBwV/Eva Krämer

16.09.2026
Katja Gersemann

Muslimische Militärseelsorge im internationalen Austausch

Muslimische Militärseelsorge in Europa: Wie machen es andere Streitkräfte und was lässt sich daraus für die Bundeswehr ableiten? Bei der Tagung trafen sich Experten, Militärseelsorge und Soldatinnen und Soldaten zum Austausch.

Am 11. und 12. September 2026 fand auf Einladung der „Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft“ der Goethe-Universität Frankfurt und des Deutschen BundeswehrVerbands in der Bundesgeschäftsstelle des DBwV eine zweitägige internationale Tagung über die islamische Militärseelsorge in europäischen Armeen statt. Anwesend waren neben Vertretern aus Verteidigungsministerien auch ein muslimischer Militärseelsorger, Forscherinnen und Forscher sowie muslimische Soldatinnen und Soldaten aus dem DBwV. „Ziel war es, sich untereinander über den aktuellen Stand der islamischen Seelsorge im europäischen Kontext auszutauschen und aus den Erfahrungen Schlüsse für den Aufbau einer solchen in der Bundeswehr zu ziehen“, sagte der Themenverantwortliche Militärseelsorge im DBwV, Hauptmann a.D. Jörg Greiffendorf, im Nachgang. „Wir konnten erfolgreich eine Plattform für den Austausch bieten und den Anliegen unserer muslimischen Mitglieder Nachdruck verleihen.“

Deutlich zeigten sich Unterschiede im Entwicklungsfortschritt der Länder. Während Frankreich und Großbritannien schon seit 2005 eine weitgehend verankerte muslimische Militärseelsorge besitzen, ist dies in den Niederlanden seit 2009 der Fall. Deutschland hingegen wird erst im Rahmen eines Pilotprojekts eine islamische Militärseelsorge einführen. Der federführend zuständige Referatsleiter im BMVg, Oberst i.G. Dr Thorsten Weber, und sein Team nutzten den Austausch, um sich mit den internationalen Gästen und den DBwV-Mitgliedern auszutauschen. „Die Tagung war auch für uns sehr wertvoll, wir konnten einige neue Erkenntnisse mitnehmen“, so Weber.

Wie sich in der Diskussion zeigte, lässt sich keines der bestehenden Modelle ein zu eins auf Deutschland übertragen. Zu unterschiedlich sind Traditionen der beteiligten Staaten in der Verknüpfung von Staat und Kirche. So unterscheidet sich das laizistische Prinzip Frankreichs grundlegend von dem deutschen, in dem die Kirchen über einen Staatsvertrag die Militärseelsorge verantworten. Fazit in der Tagung: Man müsse sich an den konkreten Problemen der schätzungsweise 3000 muslimischen Soldatinnen und Soldaten in der deutschen Truppe orientieren.  

Ein Militärimam könnte die verfassungsrechtlich gewährleistete Freiheit zur Religionsausübung für Menschen muslimischen Glaubens stark unterstützen. Gleichzeitig könnte er als Ansprechpartner des Kommandeurs die Sichtbarkeit des muslimischen Anteils der Truppe erhöhen. 

Bei der Frage nach der Ausbildung gab es ein differenziertes Meinungsbild. Einig war man sich darin, dass eine theologische Ausbildung im Islam unerlässlich sei, genauso wie grundlegende militärische Kenntnisse. Während es in Frankreich dafür einer zweijährigen Ausbildung bedarf, wird in Großbritannien der Fokus auch auf die Fähigkeit gelegt, mit der Diversität in den unterschiedlichen Konfessionen des Islam umgehen zu können. In Deutschland sei es notwendig, auf Basis der Inneren Führung zu agieren und diese als wichtigen moralischen Kompass in die seelsorgerische Arbeit miteinzubringen. 

In der Schlussbetrachtung wurde sowohl von den muslimischen Soldaten als auch den anwesenden Experten festgestellt, dass eine eigene seelsorgerische Repräsentanz ein Recht ist – und nicht etwa ein Bonus, den man großzügig gewährt. Die internationalen Erfahrungen hätten gezeigt, dass eine langfristige Institutionalisierung möglich sei. Sie könne die Sichtbarkeit muslimischer Soldatinnen und Soldaten deutlich erhöhen und den Zusammenhalt in der Truppe stärken. Das biete Deutschland eine Orientierung, allerdings müsse es einen an die Anforderungen der Bundeswehr angepassten eigenen Weg geben. Der Austausch soll deshalb fortgesetzt werden. 

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