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Übung im Umgang mit der Pistole P 8 am Schießplatz im bayerischen Landstetten (Archiv-Foto von 2015). Foto: picture alliance / dpa | Hildenbrand
Seit mehr als 2000 Jahren haben Staaten auf der ganzen Welt in Zeiten nach einem Krieg eine schlagkräftige Reserve für den Ernstfall aufgebaut. Natürlich auch die Griechen und Römer. Seit der Zeitenwende wächst die Bedeutung der Reservisten heute wieder.
Das Ende des Kalten Krieges in den Jahren 1989 und 1990 war nicht nur für die Bundeswehr eine Zäsur, sondern auch für die Struktur der Reserve. Schritt für Schritt verlor sie an Bedeutung. Gab es bis dahin die Mobilmachungsreserven 1 und 2, die im Spannungs- und Verteidigungsfall schnell aktiviert werden konnten, war der Wandel von der Landes- und Bündnisverteidigung hin zur Einsatzarmee Bundeswehr auch für die Reserve einschneidend. Die Aussetzung der Wehrpflicht ab 2011 dünnte die Reihen weiter aus.
Spätestens seit 2014, als Russland völkerrechtswidrig die Krim besetzt und dem eigenen Staatsgebiet angegliedert hat, weiß man bei der NATO und der Bundeswehr, dass der Feind immer noch im Osten steht. Zwischendurch glaubte man, Russland sei ein Partner und werde ein Freund. So kann man sich täuschen (lassen).
Die Konsequenzen dieser Tatsache kann man im Weißbuch 2016 nachlesen. Hören wollte das bis zum 24. Februar 2022, als russische Truppen auf Befehl des Autokraten Wladimir Putin in die Ukraine einmarschierten, um das Land niederzuringen, zu besetzen und einem Großrussland anzugliedern, leider niemand.
Generalleutnant Markus Laubenthal muss Reserve wieder aufbauen
Der Stellvertreter des Generalinspekteurs, Generalleutnant Markus Laubenthal, ist verantwortlich für die Reserve. Er muss sie wieder aufbauen. 2020 hat die Bundeswehr den Freiwilligen Wehrdienst Heimatschutz eingeführt, um grundsätzlich gut ausgebildete Soldaten als Reservisten einsetzen zu können, zum Beispiel beim Objektschutz. Die Bilanz sei gut, heißt es. Die Reserve wird das Rückgrat für den Schutz der Heimat werden und auch werden müssen. Die Bundeswehr wird an den östlichen Flanken des westlichen Bündnisses genug Aufgaben lösen müssen.
Es wird noch ein gutes Stück des Weges bis zum Ziel zurückzulegen sein, bis die Reserve die Kraft sein wird, die sie sein soll und auch sein muss. Die Zeitenwende, vom Bundeskanzler im Februar 2022 — wenige Tage nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine — im Bundestag erklärt, ist eine Beschreibung für einen epochalen Umbruch. Die Gewissheit, dass eine Demokratie nicht nur bunt und vielfältig, sondern vor allem auch wehrhaft sein muss, schmerzt sicher viele, die in ihrem Weltbild nur das Ideal sehen wollten.
Unser Land, unsere Demokratie brauchen zuverlässigen Schutz
Vom Mindset, das sich ändern müsse seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine, ist viel die Rede, man sollte besser Selbstverständnis sagen. „Beachte immer, dass nichts bleibt, wie es ist und denke daran, dass die Natur immer wieder ihre Formen ändert”, hat der römische Kaiser Mark Aurel vor fast 2000 Jahren gesagt. Das Selbstverständnis, von dem hier die Rede ist, meint auch, dass unser Land, unsere Demokratie eines zuverlässigen Schutzes bedarf. Dienst in der Reserve ist deshalb im besten Sinne auch Dienst für den Staat und die Menschen, die in ihm leben.
Mehr zum Thema "Reserve" hören Sie im Interview mit Generalleutnant Markus Laubenthal, Stellvertreter des Generalinspekteurs. Im aktuellen DBwV-Podcast spricht er darüber, wie wichtig das Rückgrat der Truppen gerade in der Zeitenwende ist, ob die neue Grundbeorderung sich bewährt hat und wann die Bundeswehr wieder eine nennenswerte Reserve für den Heimatschutz und Sicherungsaufgaben im Land haben wird.
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"Reserve, das ist doch selbstverständlich"
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