Bestandsaufnahme nach der Flut: General Carsten Breuer (li.), Bürgermeister Ingo Pfennings, General Martin Schelleis (2.v.re.). Foto: Privat

Bestandsaufnahme nach der Flut: General Carsten Breuer (li.), Bürgermeister Ingo Pfennings, General Martin Schelleis (2.v.re.). Foto: Privat

18.02.2023
Von Frank Jungbluth

"Reserve, das ist doch selbstverständlich"

Ingo Pfennings ist seit 2018 Bürgermeister im Eifelstädtchen Schleiden. Seinen Wehrdienst hat er als Feldjäger geleistet. Jetzt will er sich wieder mehr in der Reserve engagieren.

Schleiden. Die Termine überschlagen sich, das ist der Alltag von Ingo Pfennings, Bürgermeister der Stadt Schleiden in der Eifel. Hauptstadt des Nationalparks Eifel nennt sich das Städtchen mit seinen 13.200 Einwohnern. Alles ist beschaulich hier, wie so vieles im Kreis Euskirchen, in dem der Obergefreite der Reserve sich auf den Weg gemacht hat, um auch CDU-Kreisvorsitzender zu werden. „Ich habe schon immer gesagt, was ich denke und was mir wichtig ist“, sagt der CDU-Politiker und Chef im Rathaus der Stadt Schleiden.

Das wäre, mutmaßt Pfennings, vielleicht ein Problem geworden, wenn er seinen innigsten (Jugend-)Berufswunsch vor knapp 20 Jahren umgesetzt hätte. Ingo Pfennings wollte damals eigentlich Zeit- oder Berufssoldat werden. „Meine Sorge war dann aber“, sagt er, „dass ich auf einen Vorgesetzten treffe, bei dem ich mit meiner Offenheit anecke.“ Besser wäre, dachte er sich damals, wenn er einen Chef hätte, der genau das zu schätzen weiß.

„Ein Teil von mir bedauert, nicht bei der Bundeswehr geblieben zu sein“

Der Obergefreite Ingo Pfennings wird das nie erfahren, Zeit- oder Berufssoldat wird er wohl nicht mehr werden. „Ein Teil von mir hat immer bedauert, nicht bei der Bundeswehr geblieben zu sein, denn der Dienst hat mir vom ersten Tag an gefallen. Es war für mich nie eine Frage, ob ich dienen soll oder nicht. Das gehörte für mich wie für viele andere meines Jahrgangs noch dazu.“

Pfennings ist Jahrgang 1984, andere fangen da erst an, Karrierepläne zu entwickeln, irgendeinen Aufstieg zu schaffen, er ist seit 2018 Bürgermeister in Schleiden. Ein Amt, das er sich so zuvor niemals hat vorstellen können. Bis eines Tages der CDU-Fraktionschef von Schleiden ihn bei einem gemeinsamen Geschäftstermin überraschend fragte, ob er nicht als Bürgermeisterkandidat im nahen Schleiden antreten wolle.

Pfennings, der die zupackende Art sicher auch bei den Feldjägern verinnerlicht hat, trat an und gewann die Wahl deutlich gegen seine beiden Herausforderer. Nicht nur die CDU nominierte den damals noch jüngeren Veranstaltungsfachwirt, auch andere Parteien, die Grünen und unabhängige Wähler nominierten und unterstützten ihn, und so erreichte der ehemalige Feldjäger souverän die Stichwahl – im ersten Wahlgang fehlten ihm nur 16 Stimmen zur absoluten Mehrheit, die er mit mehr als 60 Prozent Stimmenanteil für sich entscheiden konnte.

Das war vor gut vier Jahren. Das Amt fordert den Bürgermeister: Nach einer Brandserie von einem halben Jahr Dauer zu Beginn seiner Amtszeit traf natürlich auch die Stadt Schleiden das Coronavirus mit allen Begleiterscheinungen und im Sommer 2021 rückte seine kleine Stadt in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit, wenn man so will. Urft und Olef, zwei beschauliche Flüsschen, die sich in der Schleidener Ortslage Gemünd treffen, und die vielen kleinen Bachläufe wurden alle nach mehrtägigem Starkregen biblischen Ausmaßes im Hochsommer 2021 zu reißenden Strömen, die eine Spur der Verwüstung hinter sich herzogen.

Pfennings wusste, wie die Bundeswehr funktioniert - das half

„Ich war Leiter des Krisenstabes“, erinnert er sich und schnell war ihm klar, als er die zerstörten Häuser, demolierten Autos und zertrümmerten Brücken in seiner Stadt sah, als er sicher wusste, dass das Wasser neun Menschen getötet hatte, dass die Bundeswehr hierher musste in die Eifel, um noch Schlimmeres zu verhindern. Die Bundeswehr hat geholfen, schnell und effektiv, aber der Weg dahin war bürokratisch. „Hier sah es aus wie im Krieg“, sagte Ingo Pfennings nach dem 14. Juli 2021 beim Anblick der Schäden, die von der Flutwelle angerichtet worden waren.

Es half, dass Pfennings wusste, wie die Bundeswehr funktioniert. Er wusste, dass die Truppe genau das schwere Gerät und Personal hat, was sie in Schleiden brauchten. Kameraden aus dem nahe gelegenen Standort Nörvenich waren spontan losgefahren, um zu helfen. Pfennings musste aber zuerst ein Amtshilfeersuchen stellen, um die Truppe in großer Zahl nach Schleiden zu lotsen. Knapp 100 Soldatinnen und Soldaten waren aus Nörvenich im Einsatz, hinzu kamen Einsatzkräfte aus Bruchsaal, die die Trinkwasserversorgung in Teilen vom Gemünd sichergestellt und ein Duschzelt betrieben haben - sie alle haben viel geleistet. General Karsten Breuer, heute Befehlshaber des Territorialen Führungskommandos, war vor Ort wie auch Generalleutnant Martin Schelleis, der damals den Hochwassereinsatz koordinierte. Am ersten Augustwochenende 2023 wollen die Schleidener die Helfer von damals zu einem Fest einladen. „Die Menschen sind bis heute dankbar und die Soldatinnen und Soldaten haben einen sehr positiven Eindruck bei den Bürgerinnen und Bürgern hinterlassen“, weiß Bürgermeister Info Pfennings.

Auch das ist vielleicht ein Grund, warum Ingo Pfennings, der als auch Kreisvorsitzender der Jungen Union in Euskirchen war, seinen Reservestatus wieder leben will. Reserveoffizier wäre seine Wunschoption, wenn da nicht die vielen Lehrgänge wären. „Das ist für einen Bürgermeister kaum zu schaffen, dafür sind die Termine zu dicht getaktet und mir ist es auch wichtig, neben allem Engagement regelmäßig Zeit mit meinem Sohn verbringen zu können.“ Bleibt also die Aufgabe, die verschiedenen Möglichkeiten zu sondieren. „Reservedienst, ist wichtig und sollte selbstverständlich sein, wenn man das mit Arbeit und Familie unter einen Hut bekommen kann. Die Truppe hat eine bessere Verankerung in der Bevölkerung mehr als verdient und deswegen ist wichtig, dass möglichst viele Menschen ein Zeichen der Unterstützung geben oder sogar aktiv mitmachen – beispielsweise in der Reserve“, resümiert Ingo Pfennings.


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