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Zahlreiche Uniformen gehören zu den Exponaten der Sonderausstellung im Oberschlesischen Landesmuseum in Ratingen. Foto: Oberschlesisches Landesmuseum
Ratingen. Das Oberschlesische Landesmuseum in Ratingen lädt zur Eröffnung der Sonderausstellung „Dem Regiment zur Ehr, dem Vaterland zur Wehr. Preußische Regimenter in der Provinz Schlesien 1871–1914: Zwischen Militarismus und Alltagsleben“ ein. Der Eintritt für die Veranstaltung am Sonntag, den 1. Oktober, 15 Uhr, ist frei.
Neben einer einleitenden Podiumsdiskussion wird an diesem Tag die erste von vielen öffentlichen Führungen angeboten. Die Sonderausstellung bündelt einen beeindruckenden Bestand preußischer Militärkultur in Schlesien aus der Zeit zwischen der Reichsgründung und dem Ersten Weltkrieg. Die Schau präsentiert rund 700 Exponate aus der Sammlung von Norbert Koziol aus dem oberschlesischen Peiskretscham (Pyskowice), der in mehr als vier Jahrzehnten Dutzende Originaluniformen und Reservistengegenstände zusammentrug.
Die Einmaligkeit dieser Kollektion besteht darin, dass sich nach 1945 kein Museum im nunmehr polnischen Oberschlesien um die Objekte des „preußischen Militarismus“ kümmerte. Es ist davon auszugehen, dass Tausende von Objekten dieser Art verloren gegangen sind, teilweise sogar gezielt vernichtet wurden. Auch in Deutschland sind Artefakte der preußischen Militärkultur jener Zeit aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten rar. Dabei waren allein in der Provinz Schlesien, die die Regierungsbezirke Liegnitz (Legnica), Breslau (Wroclaw) und Oppeln (Opole) umfasste, zwei Armeekorps und mehr als dreißig verschiedene Regimenter und Bataillone stationiert.
Die Ausstellung ist aber keine reine Sammlungspräsentation. Sie zeigt die Durchdringung des zivilen Alltags durch das Militärische, die Omnipräsenz des Militärs in der Gesellschaft, die autoritären Züge des Militärs, die sich negativ auf die deutsche Gesellschaft auswirkten. Auch die Ambivalenz des Militärs wird thematisiert: einerseits Stütze des Reiches, andererseits Drohformation gegen Andersdenkende. Die Rekonstruktion dieser schlesischen Armeewelt bietet die Möglichkeit einer kritischen Auseinandersetzung mit den Irrwegen der deutschen Geschichte.
„Diese negative Entwicklung des deutschen ‚Sonderweges‘ wird in der Ausstellung besonders deutlich" – so Museumsdirektor Dr. David Skrabania. „Am Anfang der Ausstellung ist die großformatige Aufnahme des Breslauer Rings mit dem Denkmal des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. hoch zu Pferd und in Uniform zu sehen. Am Ende eine rund 40 Jahre jüngere Aufnahme: Das Denkmal des Königs steht noch, nur die Häuserzeile im Hintergrund liegt in Trümmern. Es ist das Jahr 1945, die Festung Breslau ist gefallen, die schlesische Hauptstadt zu 85 Prozent zerstört, und auch die Königsskulptur wird bald verschwinden, wie die meisten deutschen Spuren. Aus dem deutschen Breslau wird das polnische Wroclaw, die einheimische deutsche Bevölkerung muss die Stadt zwangsweise verlassen. Der deutsche/preußische Militarismus endet in einer totalen Katastrophe, die auch den plötzlichen Verlust Schlesiens an Polen mit sich bringt“ – fügt er hinzu.
Die Ausstellung wird von einer Publikation begleitet und entsteht in einem deutsch-polnischen Team unter der kuratorischen Leitung von Zbigniew Golasz, Norbert Koziol und Dr. Sebastian Rosenbaum sowie unter wissenschaftlicher Mitarbeit und gutachterlicher Beratung von Dr. Grzegorz Bebnik, Marius Hirschfeld, Dr. Frank Mäuer und Dr. David Skrabania.
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