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Der „Biber“ hat den Weg geebnet, der „Leopard 1A5“ nutzt den neuen Übergang für die schnelle Fahrt an die fiktive Front: Training mit ukrainischen Soldaten auf dem Truppenübungsplatz Klietz. Foto: Picture-Alliance Jose Colon/Anadolu
25.000 ukrainische Soldaten sind seit Herbst 2022 bei Kameraden der Bundeswehr an deutschen Waffensystemen ausgebildet worden, die sich an den Fronten des Krieges mit Russland bewähren. Ein Besuch beim Multinational Training Command.
Seit mehr als zwölf Jahren tobt der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukrainer: Nur ein Wunder und der ungebrochene Wille, der ausgeprägte Mut und die tiefe Liebe zur Heimat haben die Niederlage abgewendet. „Ich bin kein Held“, sagt Yuri, „aber wenn ich sterben muss, dann will ich dabei eine Waffe in der Hand haben und mich verteidigen.“ Yuri ist Verbindungsoffizier zwischen ukrainischen Soldaten und den deutschen Kameraden, die sich an diesem Tag auf dem Truppenübungsplatz Klietz an der Landesgrenze zwischen Brandenburg und Sachsen-Anhalt treffen.
Es ist warm an diesem Frühlingstag, die Motoren von zwei „Leopard 1A5“ brummen im Hintergrund. Die Sonne wärmt den Kiefernwald, Staub wirbelt auf, wenn die Ketten der Kampfpanzer durchs Gelände pflügen. Bei der Bundeswehr längst ausgemustert, ist der „Leopard 1A5“ für die ukrainische Armee im Abwehrkampf gegen die russischen Invasoren ein wichtiges Waffensystem. „Damit können wir Räume halten und indirekt feuern. Er ist für uns Rückendeckung, Verteidigung und Artillerie“, beschreibt Oberstleutnant Yuri die Rolle des „Elder Statesmen“ aus Stahl.
Mehr als 1200 der bewährten Raubkatzen hatte die Bundeswehr einst im Bestand, im Jahr 2003 wurde das frühere Rückgrat der Panzerwaffe ausgemustert und demilitarisiert – jetzt hat man 100 „Leopard 1A5“ aus ganz Europa zusammengesucht, instandgesetzt, gefechtstauglich gemacht und an die Fronten des Ukraine-Krieges geliefert. „Er ist genügsam, robust und hat eine solide Feuerkraft“, sagt Yuri.
Oberstleutnant Stephan Wessel (58) ist heute als Sprecher auf dem Gelände. Die ukrainischen Kameraden üben den scharfen Schuss mit dem Bord-MG des „Leopard“ auf Fernziele. Die Feuerstöße brummen über den sandigen Boden, dann gibt der Leiter Sicherheit. Die Ukrainer üben das schnelle Aufmunitionieren, den präzisen Schuss, die Routine. Viel schneller als die deutschen Kameraden seinerzeit müssen sie den „Leopard 1A5“ beherrschen. Die Zeit drängt, die russischen Truppen drücken und auch im Krieg der Drohnen und Schützengräben, der Gleitbomben und der Flugabwehr hat der Kampfpanzer seine Rolle, eine überlebenswichtige.
25.000 Soldaten aus der Ukraine, fast alle mit Fronterfahrung, nicht wenige verwundet und viele, die den Tod und das Sterben gesehen haben, waren in den vergangenen vier Jahren als Kameraden und Freunde bei der Bundeswehr, sind am Flakpanzer „Gepard“, dem erfolgreichsten Drohnenbekämpfer in diesem Krieg, an der Panzerhaubitze 2000, an den Kampfpanzern „Leopard 2A4“ und „1A5“, am Flugabwehrsystem „Patriot“, dem Schützenpanzer „Marder“ und so vielem mehr ausgebildet worden. Waffenbrüderschaft, die Vertrauen schafft, die einem bedrängten Volk und einer bedrohten Nation hilft in diesen schweren Zeiten, die inzwischen mehr als doppelt so lange andauern wie der Zweite Weltkrieg von 1939 bis 1945 – und auch an den erinnern sich viele Alte in der Ukraine noch lebhaft; nur, dass die Deutschen dieses Mal die Freunde, Partner und vor allem Kameraden sind.
Oberstleutnant Stephan Wessel, Sprecher beim Multinational Special Training Command, ist ein erfahrener Offizier. Er ist geschätzter Ansprechpartner für Yuri und seine Kameraden aus dem Kriegsgebiet zwischen Bug und Donbas. „Wir leisten hier einen wichtigen Beitrag, die Zeit der Panzerschlachten ist zwar vorbei, aber der Leopard 1A5 ist für die Ukrainer in diesen Zeiten wertvolles Gerät.“ Entscheidend für den Einsatz am scharfen Ende sei, dass die Soldaten das Gerät beherrschten, weiß Wessel.
Im Wald irgendwo auf dem Truppenübungsplatz lauert im Dickicht einer der Stahlveteranen. Der Brückenlegepanzer „Biber“, auch auf dem Fahrgestell des Veteranen aus der Zeit des Kalten Krieges, brummt in die Mitte des staubigen Feldes, die Hydraulik schiebt die Panzerschnellbrücke auf den Boden, 20 Meter lang und vier Meter breit. Der „Biber“ wiegt 45 Tonnen, seine Brücke kann 50 Tonnen, also mindestens einen Kampfpanzer tragen – das ist kriegswichtig, so bleiben die ukrainischen Streitkräfte kriegstüchtig.
Die Großeltern von Oberstleutnant Yuri haben den Holodomor, das millionenfache Massensterben in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg in der Ukraine, noch erlebt. Sowjet-Diktator Stalin ließ vor allem die Menschen auf dem Land in der bäuerlichen Ukraine gezielt verhungern. Seine Rotarmisten raubten Saatgut und Ernte und töteten so die widerspenstigen „Landsleute“. Überlebende wie Yuris Vorfahren kochten aus Blättern, die im Herbst an den Bäumen verwelkt waren, eine dünne Suppe gegen den Hunger.
Yuri stammt aus der Region Sumy im Nordosten der Ukraine. Hier fließt der Psel, ein Nebenfluss des Dnjepr. Hier haben die Russen 1709 im Großen Nordischen Krieg die Schweden unter Karl XII vernichtend geschlagen, von 1941 bis 1943 herrschte hier die Wehrmacht. Nach der Großinvasion vom Februar 2022 hatten russische Truppen die Stadt eingekesselt, 40.000 Menschen flüchteten in Panik aus der Stadt und dem Umland. Zivilisten hielten Sumy bis Anfang April, dann kam Ersatz und die Ukrainer kämpften die Stadt wieder frei. Die Lage ist jeden Tag lebensgefährlich nur 40 Kilometer von der russischen Grenze entfernt. Jeden Tag schlagen Raketen irgendwo ein. „Ich bin den Deutschen und der Bundeswehr dankbar für jede Hilfe, für jede Waffe“, sagt der 48-jährige Oberstleutnant.
Stefan, ein Stabsgefreiter der Bundeswehr, dolmetscht nach dem Schießen für die Gespräche mit den ukrainischen Soldaten und ihren deutschen Ausbildern. Er ist Nachkomme von Karpatendeutschen, die vor dem Zweiten Weltkrieg eine Minderheit von 30.000 Menschen im Land zwischen der Slowakei, der Ukraine und Ungarn waren. Heute sind es noch 2500. Seine Familie kam nach dem Jahr 2000 in die Bundesrepublik, da sprach er noch kein Deutsch. Der 30-Jährige erzählt, dass er von Schulfreunden aus der Ukraine weiß, dass sie gefallen sind. Alles hängt in dieser unsicheren Welt irgendwie zusammen, Nationen und Heimat, Völker und Zeitläufte.
Unteroffizier Petro, für den er übersetzt, sagt, dass die Ausbildung in Deutschland eine Bereicherung ist, werde man in der Heimat ausgebildet, wird man immer wieder von Gefechtsalarm und Drohnenangriffen unterbrochen. „Man muss einfach tapfer sein und lernt an der Front sehr schnell Verantwortung zu übernehmen. Ich wünsche den Deutschen, dass sie lange in Frieden leben“, sagt der 24-Jährige.
Oberstleutnant Yuri hat den Weg genommen, den viele gegangen sind in der ukrainischen Armee. Kadettenakademie mit knapp 17 Jahren, dann Zeitsoldat für Jahrzehnte. Er war Fallschirmjäger und seine Dienstzeit endete am 22. Februar 2022. Am 25. Februar, einen Tag nach der russischen Großinvasion, der die Ukrainer nur mit unbändigem Kampfgeist und dank des Unvermögens der Russen, den Flugplatz Hostomel, nordwestlich von Kiew, zu halten, widerstehen konnten, kehrte er in die Armee zurück. Drei Tage nach dem Besuch bei der EUMAM-Ausbildung, die von der Bundeswehr vom Kommando Heer in Straußberg aus organisiert wird, ist Yuri wieder in die Heimat gereist. Der Kampf um die Freiheit geht weiter. „Der Gegner ist stark, die Russen lernen auch schnell und stellen sich auf die Veränderungen auf dem Gefechtsfeld genauso gut ein, wie wir das können“, zeichnet er das Lagebild.
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