Vertreterinnen und Vertreter aus europäischen Institutionen, Gewerkschaften und öffentlichen Verwaltungen trafen sich in Brüssel. Für den DBwV nahm Regierungsoberamtsrat Sebastian Käding (dritter von links) teil. Foto: DBwV

Vertreterinnen und Vertreter aus europäischen Institutionen, Gewerkschaften und öffentlichen Verwaltungen trafen sich in Brüssel. Für den DBwV nahm Regierungsoberamtsrat Sebastian Käding (dritter von links) teil. Foto: DBwV

20.04.2026
Sebastian Käding

Europa im Wandel: Öffentliche Verwaltungen zwischen Fachkräftemangel, sozialer Verantwortung und Krisenvorsorge

Am 14. April 2026 kamen in Brüssel Vertreterinnen und Vertreter aus europäischen Institutionen, Gewerkschaften und öffentlichen Verwaltungen zusammen, um im Rahmen einer parlamentarischen Frühstücksveranstaltung sowie der anschließenden Sitzung der CESI-Expertenkommission „Öffentliche Verwaltungen“ über zentrale Herausforderungen und Zukunftsperspektiven des öffentlichen Dienstes zu beraten. Für den Deutschen BundeswehrVerband nahm an der Veranstaltung Regierungsoberamtsrat Sebastian Käding teil.

Bereits zu Beginn der Veranstaltung wurde deutlich, dass sich der öffentliche Sektor in einem Spannungsfeld aus zunehmendem Personalmangel, demografischem Wandel und veränderten Beschäftigungsstrukturen befindet. Insbesondere die wachsende Verbreitung befristeter Arbeitsverträge und Outsourcing-Modelle wurde kritisch diskutiert. Diese Entwicklungen führen nicht nur zu Unsicherheit bei den Beschäftigten, sondern beeinträchtigen auch die Qualität, Kontinuität und Verlässlichkeit öffentlicher Dienstleistungen. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass prekäre Beschäftigungsformen langfristig die Attraktivität des öffentlichen Dienstes untergraben und damit die Funktionsfähigkeit staatlicher Institutionen gefährden. 

Ein weiterer zentraler Aspekt der Diskussion war der demografische Wandel. Aktuelle Daten zeigen, dass ein erheblicher Teil der Beschäftigten in öffentlichen Verwaltungen in Europa bereits kurz vor dem Ruhestand steht. In einigen Mitgliedstaaten liegt der Anteil der über 55-Jährigen sogar bei über 50 Prozent. Gleichzeitig gelingt es vielerorts nicht ausreichend, junge Fachkräfte für den öffentlichen Dienst zu gewinnen. Diese Entwicklung führt zu einem zunehmenden Verlust von Erfahrungswissen und verschärft bestehende Personalengpässe. 

Die Ergebnisse der Eurofound-Forschung verdeutlichten darüber hinaus, dass nachhaltige Beschäftigung im öffentlichen Dienst stark von Arbeitsbedingungen, Gesundheit und Weiterbildungsmöglichkeiten abhängt. Beschäftigte berichten über physische und psychische Belastungen sowie über eine erhöhte Exposition gegenüber verbalen Übergriffen und Bedrohungen. Gleichzeitig bestehen zwar vergleichsweise gute Zugänge zu Weiterbildungsmaßnahmen, jedoch bleibt insbesondere im Bereich digitaler Kompetenzen weiterer Handlungsbedarf. Auch die Selbsteinschätzung vieler älterer Beschäftigter, ihre Tätigkeit bis zum Rentenalter ausüben zu können, fällt im öffentlichen Sektor etwas verhaltener aus als in der Gesamtwirtschaft. 

Vor diesem Hintergrund wurde deutlich, dass ein umfassendes Personalmanagement erforderlich ist, das sowohl auf die Bedürfnisse älterer Beschäftigter eingeht als auch den Einstieg jüngerer Generationen erleichtert. Dazu zählen Maßnahmen wie ein aktives Altersmanagement, verbesserte Arbeitsbedingungen, flexible Arbeitszeitmodelle, gezielte Gesundheitsförderung sowie kontinuierliche Weiterbildung und Wissenstransfer zwischen den Generationen.

Neben arbeitsmarkt- und sozialpolitischen Fragestellungen spielte auch das Thema Resilienz eine zentrale Rolle. Die vorgestellte „Preparedness Union Strategy“ der Europäischen Kommission verdeutlicht, dass Europa sich in einem zunehmend komplexen und risikobehafteten Umfeld befindet. Die Strategie verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, der neben der Stärkung kritischer Infrastrukturen auch die Vorbereitung der Bevölkerung, die Zusammenarbeit zwischen öffentlichen und privaten Akteuren sowie die zivil-militärische Kooperation umfasst. Ziel ist es, Europa widerstandsfähiger gegenüber Krisen zu machen und die Handlungsfähigkeit staatlicher Strukturen langfristig zu sichern. 

Dabei wurde deutlich, dass resiliente Systeme untrennbar mit leistungsfähigen öffentlichen Verwaltungen verbunden sind. Ohne ausreichend qualifiziertes und motiviertes Personal können selbst die besten strategischen Ansätze nicht umgesetzt werden. Die Sicherung guter Arbeitsbedingungen im öffentlichen Dienst ist daher nicht nur eine sozialpolitische, sondern auch eine sicherheits- und resilienzpolitische Notwendigkeit.

Ein wichtiger Bezugspunkt der Diskussion war zudem die Europäische Säule sozialer Rechte. Im Rahmen des CESI-Projekts „PillACT“ wurde aufgezeigt, wie Gewerkschaften und Sozialpartner stärker in die Umsetzung dieser Prinzipien eingebunden werden können. Ziel ist es, faire Arbeitsbedingungen, soziale Sicherheit und Chancengleichheit in allen Mitgliedstaaten zu fördern und die Rolle der Beschäftigtenvertretungen zu stärken. 

Ergänzend wurden aktuelle politische Initiativen auf europäischer Ebene vorgestellt, darunter das geplante „Quality Jobs Act“, Reformen im Bereich der öffentlichen Auftragsvergabe sowie Maßnahmen zur Fachkräftesicherung und zur Stärkung der öffentlichen Verwaltung. Diese Initiativen bieten die Chance, strukturelle Probleme gezielt anzugehen und den öffentlichen Dienst zukunftsfähig auszurichten. 

Die Veranstaltung machte insgesamt deutlich, dass Europas öffentliche Verwaltungen vor tiefgreifenden Veränderungen stehen. Gleichzeitig eröffnen die aktuellen politischen Entwicklungen die Möglichkeit, den öffentlichen Dienst nachhaltig zu stärken und als attraktiven Arbeitgeber zu positionieren. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, gute Arbeitsbedingungen, eine vorausschauende Personalpolitik und eine umfassende Resilienzstrategie miteinander zu verbinden. Nur so können öffentliche Verwaltungen auch künftig ihre zentrale Rolle für gesellschaftlichen Zusammenhalt, wirtschaftliche Stabilität und die Bewältigung von Krisen erfüllen.

Mit Rat und Hilfe stets an Ihrer Seite!

Nehmen Sie Kontakt zu uns auf.

Alle Ansprechpartner im Überblick