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"Terror" in aller Munde. Foto: Bremer Kriminaltheater
Berlin, Hamburg, Frankfurt, München - viele Bühnen zeigen gerade das Theaterstück «Terror». In Bremen hat man sich etwas Besonderes ausgedacht: Ex-Bürgermeister Scherf übernimmt die Rolle des Richters.
Bremen (dpa) - Ronald Reagan und Arnold Schwarzenegger haben es vorgemacht: Schauspieler können durchaus auch Erfolg als Politiker haben. Doch funktioniert das anders herum genauso? Mit 77 Jahren versucht sich jetzt Bremens Ex-Bürgermeister Henning Scherf erstmals auf einer Theaterbühne. Er spielt die Rolle des Richters in Ferdinand von Schirachs Erfolgsstück «Terror». Die Zuschauer finden: Das passt zu ihm.
Zehn Jahre lang regierte der SPD-Politiker im Bremer Rathaus - und eben dort ist am Donnerstag die Premiere von «Terror». Einen ersten Eindruck konnten Neugierige schon am Dienstagabend bei einer Vor-Aufführung im Bremer Kriminal Theater bekommen. Scherf begrüßte jeden persönlich am Eingang, schüttelte Hände im Foyer und drückte so manchen Zuschauer an seine Brust.
Wenn der Zwei-Meter-Mann unter Menschen ist, ist er in seinem Element. Das war auch schon in seiner Zeit als Politiker so. Trotzdem wirkte er vor dem Auftritt etwas angespannt. «Ich hoffe mal, dass alles gut geht.» Er ist der einzige Laie unter den sieben Darstellern - und spielt gleich eine der Hauptrollen. Zu Anfang steht Scherf ganz allein auf der Bühne. Mit tiefer, raumgreifender Stimme führt er die Zuschauer in das Gerichtsdrama ein, in dem diese am Ende entscheiden müssen: Soll der Angeklagte verurteilt oder freigesprochen werden?
«Terror» ist das erste Theaterstück von Ferdinand von Schirach, der mit Kurzgeschichten über seine Arbeit als Strafverteidiger berühmt wurde. In dem Stück steht ein Kampfpilot der Bundeswehr vor Gericht. Er hat eigenmächtig ein Passagierflugzeug abgeschossen, das ein Terrorist entführt hat, der es in ein voll besetztes Fußballstadion stürzen lassen wollte. 164 Passagiere sterben, dafür sind die 70 000 Besucher im Stadion gerettet.
Das Stück ist zurzeit in Berlin, Hamburg, München, Frankfurt, Oldenburg und vielen anderen Bühnen zu sehen. Immer geht es um ein moralisches Dilemma, über das das Publikum zu urteilen hat. Scherf dafür als Richter auf die Bühne zu holen, das fand Regisseur Christian Kaiser nur konsequent. «Er ist der, der durch den Theaterabend führt. Dafür braucht er Autorität.»
In dem mehr als zwei Stunden langen Drama kommen sich die Zuschauer wie in einer echten Gerichtsverhandlung vor. Die Anklage wird verlesen, Zeugen vernommen und Plädoyers gehalten. Paragrafen werden zitiert, militärisches Fachvokabular und moralische Fragen erörtert. Als promovierter Jurist bringt Scherf dafür gute Voraussetzungen mit. In seiner Rolle agiert er manchmal jedoch etwas hölzern, der Text klingt zum Teil abgelesen. Doch das stört nicht weiter. Denn in dem Stück steht der Inhalt im Vordergrund und nicht großes Theater, in dem die Schauspieler in ihren Rollen glänzen müssen.
Und der Angeklagte? Am Ende der Vorstellung stimmt die Mehrheit der Zuschauer für Freispruch - und ist damit auf einer Linie mit den anderen Inszenierungen. Auch diese endeten bisher meistens mit einem Freispruch.
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