29.06.2017
dpa

Idealismus und Misstrauen: «Charlie Hebdo» bei der Bundeswehr

Paris - Nach mehreren Skandalen bei der Bundeswehr widmet das französische Satiremagazin «Charlie Hebdo» der deutschen Armee eine mehrseitige Reportage. «Charlie» sei am Bundeswehrstandort Hamburg auf «Idealismus, Misstrauen und posttraumatische Störungen gestoßen», heißt es in dem Bericht der deutschen Ausgabe des Magazins, die an diesem Donnerstag (29. Juni) erscheint.

Bei den Affären machte insbesondere der Fall Franco A. Schlagzeilen. Ein rechtsextremer Oberleutnant gab sich als Flüchtling aus - und plante mit rechten Kameraden wohl einen Terroranschlag. Der nach «Charlie»-Angaben unter posttraumatischen Belastungsstörungen leidende Afghanistan-Veteran Robert Sedlatzek-Müller sagte dazu, es sei für die Soldaten schwierig, dass Vorbilder und Traditionen fehlten. «Sie müssen uns neue Helden und Traditionen geben, die gibt es doch.»

Die Reporter des französischen Wochenblatts resümierten, die Bundeswehr sei nach ihrem Eindruck in der Gesellschaft isoliert, zudem sei eine übergeordnete Strategie kaum erkennbar. «Die Soldaten wissen nicht, warum sie heute in Mali sind, morgen in Afghanistan, übermorgen vielleicht in Jordanien», sagt ein Experte in dem Bericht, der wegen der vielen Zeichnungen an einen Comic-Strip erinnert.

Die Redaktion von «Charlie Hebdo» war vor zweieinhalb Jahren Ziel eines Terroranschlags. Zwei Islamisten ermordeten im Januar 2015 zwölf Menschen, darunter mehrere Karikaturisten des Blattes. In Frankreich patrouillieren im Zuge des terrorbedingten Ausnahmezustandes schwerbewaffnete Soldaten auf den Straßen und vor öffentlichen Gebäuden. Das Magazin zitiert einen Soldat, der an der Bundeswehr-Uni in Hamburg eingeschrieben ist: «Die Attentate haben mich eigentlich darin bestätigt, dass ich den richtigen Beruf gewählt habe und dass wir noch Soldaten brauchen.» 

Mit Rat und Hilfe stets an Ihrer Seite!

Nehmen Sie Kontakt zu uns auf.

Alle Ansprechpartner im Überblick