Kyros II., Gründer des ersten Weltreiches in der Erdgeschichte im 5. Jahrhundert vor Christus. Foto: picture alliance/imageBROKER/Heinz-Dieter Falkenstein

Kyros II., Gründer des ersten Weltreiches in der Erdgeschichte im 5. Jahrhundert vor Christus. Foto: picture alliance/imageBROKER/Heinz-Dieter Falkenstein

25.04.2026
von Frank Jungbluth

Kyros Mossadegh, der Schah und die Mullahs

Die Perser begründeten in der Antike das erste Großreich der Welt. Es reichte von der Donau bis zum Indus. Jetzt schaut die Welt wieder auf den Iran und fürchtet die Folgen des seit Anfang März tobenden Krieges. All, das hat eine lange Geschichte. 

Im Jahre 500 vor Christus erstreckte sich ein Imperium vom Indus bis an die Donau, das die Welt noch nicht gesehen hatte: Das Persische Großreich unter dem Großkönig Kyros und seinem Nachfolger Dareios war der mächtigste Staat der Erde; erst der Makedonenkönig Alexander der Große machte der Vorherrschaft des Achämenidenreiches knapp 200 Jahre später ein Ende – Persien, das seit mehr als 100 Jahren als Iran bekannt ist, wurde immer wieder und wird bis heute von tiefen Umwälzungen erschüttert. Der Ölreichtum des Landes rückt es damals wie heute in den Mittelpunkt des Weltinteresses; ein Staat, der zwar im 7. Jahrhundert von den Arabern erobert und damit islamisch wurde, der aber nicht arabisch ist.

Das „schwarze Gold“ sorgte in den 1950er-Jahren für einen Bruch mit dem Westen, der bis heute nachhallt. Kolonisiert war der Iran der Neuzeit nie, aber mit der Anglo-Iranian Oil Company sicherte sich Großbritannien Anfang des 20. Jahrhunderts den Zugriff auf den wichtigsten Rohstoff der Welt, selbst das verbrecherische Regime der Nationalsozialisten hoffte mit seinem Angriff auf Nordafrika auf den Schmierstoff für seine Kriegsindustrie.

Dieses Ansinnen machte nach dem Überfall der Wehrmacht auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 eine Allianz aus Briten und Sowjets zunichte, man besetzte den Iran nach kurzen Gefechten im Spätsommer 1941, Reza Schah Pachlawi musste sich fügen, abdanken und sein Land besetzen lassen; in Teheran herrschten vier Jahre lang Stalins Satrapen. So sicherte sich die Sowjetunion den Nachschub im Krieg gegen Hitler-Deutschland – damals wie heute war und ist der Iran strategisch wichtig, was sich an den explodierenden Benzinpreisen seit Beginn des Krieges zwischen Israel, den USA und dem Iran im März bis an die Zapfsäulen an deutschen Tankstellen schmerzhaft bemerkbar macht.

Reza Schah Pahlavi wiederum ist der Großvater des heutigen Hoffnungsträgers der Widerstandsbewegung gegen das seit 1979 im Iran herrschende Mullah-Regime – Reza Pahlavi, Sohn des vorerst letzten Herrschers auf dem persischen Pfauenthron repräsentiert von den USA aus die demokratischen Kräfte in seiner Heimat. Die musste der 66-Jährige zusammen mit seinem Vater Reza Schah Pahlavi, seiner Mutter Farah Diba und dem Rest der Familie 1979 verlassen, nachdem die Revolutionäre ihn gestürzt hatten. Statt der Demokratie landete seinerzeit aber der im französischem Exil verwahrte Ajatollah Ruhollah Chomeini in Teheran – ein stets finster dreinblickender Schlächter, der im ersten Golfkrieg zehntausende Kinder im Kampf mit dem Irak auf die Schlachtfelder schickte. Zuvor hatte sich der selbst ernannte Revolutionsführer unter anderem bei Saddam Hussein versteckt.

Womit man wieder beim Öl wäre: Alles, was den Iran bis heute zerrüttet, geht auf die folgenschwere „Operation Ajax“ aus dem Jahr 1953 zurück. Britische und US-amerikanische Geheimdienste ließen einen der wenigen demokratisch gewählten Politiker des Iran stürzen, Mohammad Mossadegh, Premierminister. Sein Vergehen: Er hatte die Anglo-Iranian Oil Company der Briten verstaatlicht, damit auch sein Volk vom enormen Gewinn profitieren konnte. Das gefiel im Rest des Empire nicht allen, weshalb man ihn von der Macht entfernte und einen Militärputsch iranischer Generale inszenierte. Mossadegh wurde zwar angeklagt und zum Tode verurteilt, konnte aber mit Hilfe von Schah Mohammad Reza Pahlavi nach drei Jahren in Haft bis zum Ende seiner Tage in seiner Heimat unweit des Kaspischen Meeres leben.

Die Spaltungen und Spannungen, Umwälzungen und Friktionen im Iran aus dieser Zeit hallen bis heute nach. Ohne die Entwicklungen der Nachkriegszeit, den unrühmlichen Einfluss des Westens, vor allem den Großbritanniens und den der Sowjetunion, wäre das mörderische Mullah-Regime nicht vorstellbar gewesen, denn bei allem, was man Schah Mohammad Reza Pahlavi nachtragen kann – er führte das stolze Reich der Perser in die Moderne, führte eine Alphabetisierungskampagne an, verhalf den Frauen zum Wahlrecht und bedachte die arme Bevölkerung in den Provinzen mit einer Landreform, ließ aber gleichzeitig seinen Geheimdienst Sovok tausende Regimegegner aus dem linken, islamistischen oder marxistisch-islamistischen Spektrum einsperren und foltern. Die Reformen des Schahs brachten übrigens den islamischen Klerus gegen ihn auf, der wünschte sich lieber ein ungebildetes Volk, das der Scharia kritiklos folgt.

Den Verlust der Macht hat der Schah nie verwunden, er starb 1980 im Exil in Kairo, sein Sohn Reza Pahlavi war in diesem Jahr Gast bei der Münchner Sicherheitskonferenz. Er könnte eine Rolle übernehmen, wenn die Herrschaft der Mullahs in Folge des Krieges mit den USA und Israel enden sollte. Auf den Pfauenthron zurück, so sagt er selbst, würde er nur gehen, wenn das iranische Volk eine konstitutionelle Monarchie wünsche.

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