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Austausch über Zusammenarbeit, das niederländische Poldermodell und die Zukunft von EUROMIL: Jörg Greiffendorf (zweiter von rechts), Themenverantwortlicher Europa beim DBwV, nahm am Northern Group Meeting von EUROMIL teil. Foto: DBwV
Northern Group Meeting von EUROMIL in Amersfoort – Austausch über Zusammenarbeit, das niederländische Poldermodell und die Zukunft von EUROMIL
Am 21. August trafen sich die Mitglieder der Northern Group von EUROMIL im niederländischen Amersfoort. Gastgeber waren die niederländischen Partnerorganisationen Algemene Federatie van Militair Personeel (AFMP), deutsch: Allgemeiner Verband des Militärpersonals, und die Marechausseevereniging (MARVER), deutsch: Verband der Militärpolizei bzw. Gendarmerie. Im Mittelpunkt des Treffens standen der intensive Austausch über die Arbeit der niederländischen Partner, gemeinsame Herausforderungen und die Frage, wie Interessenvertretung europäisch und national in Zeiten wachsender sicherheitspolitischer Anforderungen wirksam gestaltet werden kann.
Nach der herzlichen Begrüßung durch den Vorsitzenden der MARVER, Sven Schuitema, stellte dieser die Arbeit der niederländischen Gewerkschaften und deren Zusammenarbeit im niederländischen System vor. Dabei wurde schnell deutlich, dass der Austausch innerhalb der Northern Group weit mehr ist als ein regelmäßiges Treffen: Die unterschiedlichen nationalen Erfahrungen bieten konkrete Ansatzpunkte, voneinander zu lernen, bewährte Verfahren zu übernehmen und neue Wege in der eigenen Arbeit auszuprobieren.
Konsens statt Konfrontation
Besonderes Interesse galt dem niederländischen Poldermodell. Der Begriff verweist auf die historische Erfahrung, dass Menschen in einem vom Wasser geprägten Land nur gemeinsam tragfähige Lösungen finden können. Übertragen auf Politik und Arbeitswelt steht das Poldermodell für eine ausgeprägte Kultur des Dialogs, der Konsenssuche und des Interessenausgleichs. Arbeitgeber, Gewerkschaften, Staat und weitere gesellschaftliche Akteure suchen dabei nach Lösungen, die trotz unterschiedlicher Interessen von möglichst vielen Beteiligten getragen werden.
Ein wichtiger Meilenstein dieser niederländischen Konsenskultur war das Abkommen von Wassenaar von 1982. Inmitten einer schweren wirtschaftlichen Krise verständigten sich Arbeitgeber und Gewerkschaften auf Lohnzurückhaltung und eine beschäftigungsorientierte Politik. Das Beispiel zeigt, worum es beim Poldermodell im Kern geht: Nicht jeder Beteiligte erhält alles, was er ursprünglich fordert. Entscheidend ist vielmehr, einen Kompromiss zu finden, der langfristig tragfähig ist.
Schuitema machte deutlich, dass dieses Prinzip auch die Arbeit der niederländischen Militärgewerkschaften prägt. Die gewerkschaftliche Landschaft ist vielfältig, und unterschiedliche Organisationen vertreten teilweise unterschiedliche Berufsgruppen und Interessen. Entsprechend anspruchsvoll ist es, innerhalb der Gewerkschaftsbewegung gemeinsame Positionen zu entwickeln und diese anschließend geschlossen gegenüber den Ministerien zu vertreten.
Gerade darin liege aber auch eine Stärke: Unterschiedliche Perspektiven müssen nicht verschwinden, um gemeinsam handlungsfähig zu sein. Entscheidend sei der Wille, miteinander im Gespräch zu bleiben, Interessen auszugleichen und am Ende gemeinsame Positionen zu entwickeln, führte Schuitema aus.
Verteidigung gewinnt an Bedeutung
Ein weiterer Schwerpunkt war die veränderte sicherheitspolitische Lage. Auch in den Niederlanden ist die Bedeutung von Verteidigung und militärischer Einsatzbereitschaft deutlich gestiegen. Die Debatte über eine stärkere Rolle der Streitkräfte habe dabei zunächst auch innerhalb der Gewerkschaftsbewegung Fragen und Sorgen ausgelöst. Im Dialog sei es jedoch möglich gewesen, unterschiedliche Sichtweisen zusammenzubringen und deutlich zu machen, dass leistungsfähige niederländische Streitkräfte vor allem der glaubwürdigen Abschreckung und der Sicherheit dienen.
Mit der wachsenden Bedeutung von Verteidigung verändern sich zugleich die Rahmenbedingungen für die Interessenvertretung des Personals. Mehr Aufmerksamkeit, mehr Ressourcen und höhere Erwartungen an die Streitkräfte führen auch dazu, dass die Stimme der Beschäftigten stärker gefragt ist. Die aktuellen Entwicklungen in den Niederlanden zeigen, wie eng Fragen der militärischen Leistungsfähigkeit inzwischen mit Personalgewinnung, Arbeitsbedingungen und einer attraktiven Arbeitgeberrolle verbunden sind.
Reservisten als Teil der Interessenvertretung
Diskutiert wurde außerdem die Frage, welche Rolle Reservisten künftig innerhalb der gewerkschaftlichen Interessenvertretung spielen sollen. Mit der wachsenden Bedeutung der Reserve stellt sich diese Frage zunehmend auch aus Sicht der Arbeitnehmervertretungen. Sollen Reservisten stärker in bestehende Gewerkschaften integriert werden oder braucht es eigene Strukturen, die ihren besonderen Interessen und ihrer besonderen Situation gerecht werden?
Die Teilnehmer berichteten aus ihren jeweiligen Ländern, wie Reservisten derzeit organisiert und vertreten werden. Dabei zeigte sich erneut: Die Ausgangslagen unterscheiden sich, doch die Herausforderungen ähneln sich. Gerade der internationale Vergleich kann deshalb wertvolle Impulse liefern.
Gemeinsam stärker
Für Jörg Greiffendorf, Themenverantwortlicher Europa beim DBwV, ist gerade dieser internationale Austausch von besonderer Bedeutung: „Es ist immer wieder wichtig, sich auf dieser Ebene auszutauschen. Wir können viel voneinander lernen. Uns bewegen oftmals die gleichen Themen – und die Art und Weise, wie diese Themen adressiert werden, lässt sich oftmals auf dieser Ebene sinnvoll weiterentwickeln.“
Der Tag endete mit weiteren organisatorischen und strategischen Fragen auf der Tagesordnung. Die Teilnehmer diskutierten unter anderem darüber, wie sich EUROMIL in den kommenden Jahren aufstellen und angesichts der aktuellen sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen weiterentwickeln kann. Die intensiven Gespräche machten deutlich, dass die kommenden Jahre wichtige Weichenstellungen erfordern. Zugleich zeigte sich, dass EUROMIL gut aufgestellt ist, um diese Herausforderungen gemeinsam anzugehen und die Interessen der Soldatinnen und Soldaten auch künftig engagiert auf europäischer Ebene zu vertreten.
Das nächste Northern Group Meeting findet am 20. August 2027 in Belgien statt. Belgien wird dann die Gastgeberrolle übernehmen.
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