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Überwältigende Mehrheit für Oberst André Wüstner
Im ARD-Morgenmagazin bezeichnete Oberstleutnant André Wüstner die Lage in Afghanistan als "politisches Desaster". Die Entscheidung zur Evakuierung sei sehr spät gefallen, obwohl die Bundeswehr jederzeit einsatzbereit war. Screenshot: DBwV
Oberstleutnant André Wüstner spricht mit Blick auf die aktuelle Lage in Afghanistan von einem „politischen Desaster“. Im ARD-Morgenmagazin warf der Bundesvorsitzende der Bundesregierung vor, erst sehr spät gehandelt zu haben. Evakuierungspläne habe es schon seit mehreren Monaten gegeben. Die Bundeswehr sei mit ihren Spezialkräften „24/7 vorbereitet“ und jederzeit einsatzbereit gewesen. „Aber es ist immer eine Frage der politischen Lagebewertung, der politischen Entscheidung, und die ist sehr spät gefallen“, sagte Wüstner.
Viele Angehörige der Bundeswehr, Afghanistan-Veteranen, aber auch Hinterbliebene treibe nun die Frage nach dem Sinn dieses Einsatzes um. „Da gibt es zurzeit viele Fragen und auch da ist die politische Kommunikation nicht ausreichend“, sagte der Bundesvorsitzende und warnte vor einem Vertrauensverlust in die Politik. Der Verbandschef betonte: „Das, was wir in den letzten Tagen erlebt haben, auch an Kommunikation, war ein Desaster und über das Thema Verantwortung muss noch gesprochen werden.“
Den aktuellen Evakuierungseinsatz bezeichnete Wüstner als enorme Herausforderung. „Das ist brandgefährlich, die Lage kann sich jederzeit verändern“. Und weiter: „Ich ziehe meinen Hut davor und hoffe, dass es gelingt, zu retten, was zu retten ist, aber ich hoffe auch, dass alle wieder heil nach Hause kommen.“
Mehr als 200 Menschen in einem Evakuierungsflug
Unterdessen hat die Bundeswehr mitgeteilt, dass mit den Flügen der Luftwaffe bislang mehr als 900 Menschen aus Kabul in Sicherheit gebracht werden konnten. Noch in der Nacht zu Donnerstag nahm ein Airbus A400M insgesamt 211 Passgiere auf und brachte sie nach Taschkent in Usbekistan. Bereits zuvor konnten mit einem anderen Bundeswehrflug 229 Menschen Kabul verlassen.
In der Nacht konnten wir weitere 211 zu Schützende aus #Afghanistan evakuieren. Eine weitere Bundeswehrmaschine hat deutsche Staatsbürger, Ortskräfte und weitere gefährdete Personen von Kabul nach Taschkent gebracht - damit steigt die Zahl der Evakuierten auf mehr als 900. pic.twitter.com/08MBaey71i— Verteidigungsministerium (@BMVg_Bundeswehr) August 19, 2021
In der Nacht konnten wir weitere 211 zu Schützende aus #Afghanistan evakuieren. Eine weitere Bundeswehrmaschine hat deutsche Staatsbürger, Ortskräfte und weitere gefährdete Personen von Kabul nach Taschkent gebracht - damit steigt die Zahl der Evakuierten auf mehr als 900. pic.twitter.com/08MBaey71i
Das Verteidigungsministerium bestätigte eine Meldung des ZDF, dass ein eingesetzter A400M defekt sei. Eine Ersatzmaschine sei aber bereits vor Ort, zudem sei ein weiterer A400M mit Ersatzteilen aus Deutschland in Taschkent gelandet. Der Defekt beeinflusse die Evakuierung nicht, heißt es in einem Tweet des BMVg.
„Das ist dramatisch, was wir sehen“
Die Lage am Kabuler Flughafen ist nach Angaben von Brigadegeneral Jens Arlt, der den deutschen Evakuierungseinsatz vor Ort führt, „angespannt“. Es spielten sich „dramatische Szenen ab“, schilderte er am Donnerstag die Situation. Arlt war in einer Online-Pressekonferenz des Bundesverteidigungsministeriums telefonisch aus Kabul zugeschaltet.
„Es ist sehr, sehr turbulent alles“, sagte Arlt. „Sie werden vielleicht den einen oder anderen Schuss im Hintergrund hören. Sie sehen die verzweifelten Augen der Afghanen und auch der Staatsbürger unterschiedlicher Nationen, die einfach versuchen, in den inneren Bereich des Kabul International Airports zu gelangen, das ist schon dramatisch, was wir sehen.“
Der General berichtete von äußeren Kontrollringen der Taliban rund um den Flughafen und Zugängen, die von den USA und andere Nationen besetzt seien. Die Menschen müssten zunächst den Außenbereich erreichen. Es gebe Ausgangssperren in der Stadt, Straßen seien zudem verstopft. Er sprach von Hitze und Staub. Menschen, die in Innenbereich des Flughafens wollten, hätten das Gefühl, dass ihnen die Zeit davonlaufe.
Nach Arlts Angaben versuchen „unterschiedliche Vertreter“ der deutschen Seite, in den Außenbereichen „unsere Leute“ zu finden. „Dann müssen sie wie die Nadel im Heuhaufen versuchen, dort jemanden herauszupicken. Der muss dann auch eine Chance haben, durch diese Massen nach vorne zu kommen, dass sie ihn dann in den inneren Bereich bringen. Das ist die große Herausforderung.“
Die Nachrichtenagentur dpa berichtet, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel in der kommenden Woche eine Regierungserklärung zu Afghanistan abgeben wird. Am 25. August soll der Bundestag in einer Sondersitzung das Mandat zum Bundeswehr-Evakuierungseinsatz beraten und beschließen. Das am Mittwoch vom Kabinett beschlossene Mandat sieht den Einsatz von bis zu 600 Soldatinnen und Soldaten vor und ist bis zum 30. September befristet.
Aktualisiert am 19. August, 16:55 Uhr
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