Nahezu 200 Delegierte nutzten die Tagung, um sich auszutauschen, Orientierung zu gewinnen und gemeinsame Positionen zu entwickeln. Foto: DBwV/Sarina Flachsmeier

Nahezu 200 Delegierte nutzten die Tagung, um sich auszutauschen, Orientierung zu gewinnen und gemeinsame Positionen zu entwickeln. Foto: DBwV/Sarina Flachsmeier

23.04.2026
Ingo Kaminsky

Zwischen Zeitenwende und Kameradschaft: Landesverband setzt klare Akzente

Die Bezirkstagungen des Landesverbandes in Bamberg standen ganz im Zeichen sicherheitspolitischer Herausforderungen und einer starken Verbandsarbeit vor Ort.

Vom 19. bis 21. April 2026 kamen in Bamberg nahezu 200 Delegierte der neu gewählten Kameradschaftsvorstände zusammen, um sich auszutauschen, Orientierung zu gewinnen und gemeinsame Positionen zu entwickeln. In einer Zeit wachsender sicherheits‑ und gesellschaftspolitischer Anforderungen rückten unter der Leitung des Landesvorsitzenden Oberstleutnant a.D. Josef Rauch sowohl die Weiterentwicklung der Verbandsarbeit als auch zentrale Zukunftsfragen von Bundeswehr, Reserve und Gesamtverteidigung in den Mittelpunkt. Die Tagung war geprägt von hochkarätigen Vorträgen, einer intensiven Paneldiskussion und praxisnahen Informationen für Mandatsträger – ebenso wie von persönlichen Begegnungen, ehrendem Gedenken und einem spürbaren Zusammenhalt im Landesverband.

Impulse und Diskussion: Politik, Bundeswehr und Reserve im Fokus

Unter der Überschrift „Gesamtverteidigung braucht Zivilgesellschaft und starke Reserve“ machte Thomas Silberhorn, MdB, deutlich, dass Verteidigungsfähigkeit gesamtgesellschaftlich gedacht werden müsse. Während die militärischen Strukturen grundsätzlich vorbereitet seien, bestehe insbesondere ein personeller Engpass. Deutlich größerer Handlungsbedarf bestehe auf ziviler Ebene: Länder und Kommunen seien in Fragen von Führung, Stabsarbeit und personeller Durchhaltefähigkeit bislang nicht ausreichend aufgestellt. Eine erneute Amtshilfe der Bundeswehr wie in der Corona‑Pandemie werde es im Spannungsfall nicht geben. Umso wichtiger sei eine eigenständige Handlungsfähigkeit ziviler Verwaltungen. Zentrale Bedeutung komme dabei der Reserve als Bindeglied zwischen Bundeswehr und Gesellschaft zu. Abschreckung bedeute, „kämpfen zu können, um nicht kämpfen zu müssen“, und erfordere ein gesellschaftliches Umdenken.

Politische Ankündigungen müssen sich an Ergebnissen messen lassen

Der Bundesvorsitzende Oberst André Wüstner würdigte die Bezirkstagung als wichtiges Instrument zur Information und Einbindung neu gewählter Mandatsträger. Er ordnete die sicherheitspolitische Lage vor dem Hintergrund geopolitischer Umbrüche ein und betonte die Notwendigkeit strategischer Eigenständigkeit Deutschlands. Politische Ankündigungen müssten sich an konkreten Ergebnissen messen lassen. Zentrale Herausforderungen blieben ein realistisches Fähigkeitsprofil, eine noch fehlende Verteidigungsaufstellung, die ungelöste Personalfrage und komplexe Gesetzgebungsverfahren. Wüstner unterstrich die Rolle des DBwV als sachkundiger und verlässlicher Interessenvertreter und hob die Bedeutung leistungsfähiger Reservekräfte, glaubwürdiger Abschreckung und gesellschaftlicher Resilienz hervor. 

In der an Impulsvorträge anschließenden Paneldiskussion – moderiert vom Landesvorsitzenden Rauch - mit Bundesvorsitzeden Wüstner und Referenten aus dem Bundesvorstand standen vor allem strukturelle und rechtliche Herausforderungen der Bundeswehr im Fokus. Breiten Raum nahm die von DBwV-Justitiar Major d.R. Christian Sieh dargestellte Problematik der gerichtlich festgestellten rechtswidrigen Mindestdienstzeiten für Beförderungen zum Stabsfeldwebel ein, deren Auswirkungen und die damit verbundene Sprengkraft für das innere Gefüge der Bundeswehr kontrovers diskutiert wurden. Der Vorsitzende ERH im Bundesvorstand, Hauptmann a.D. Ingo Zergiebel, beleuchtete zentrale Fragen zur Weiterentwicklung der Reserve, darunter Verantwortlichkeiten, Arbeitgeberbeteiligung, Ausrüstung, Seiteneinstieg sowie die Reformfähigkeit von Bundeswehr und Gesellschaft. Darüber hinaus wurden Themen wie verfassungsgemäße Alimentation, Altersversorgung, Trennungsgeldregelungen, die politische Arbeit des DBwV sowie personalrechtliche Übergangsfragen offen und sachlich diskutiert.

Mandatsträger brauchen Information, Unterstützung und Handlungssicherheit

Ein weiterer Schwerpunkt der Tagung lag auf praxisnahen Informationen für die Mandatsträger. Christian Singer, Geschäftsführer der Förderungsgesellschaft (FöG), stellte Neuerungen und Serviceangebote vor, unter anderem zur Pflege‑Assistance, Diensthaftpflicht und neuen Anwartschaftsmodellen. Bundesgeschäftsführer Hauptmann a.D. Jörg Greiffendorf informierte über die organisatorische und finanzielle Lage des DBwV und betonte die solide Grundlage für eine handlungsfähige Verbandsarbeit auf allen Ebenen. Damit verbunden ist auch eine stärkere finanzielle Unterstützung der Kameradschaftsarbeit. Ergänzend stellte Daniela Frick die Serviceangebote der Abteilung CFA vor, während die Revisoren Hauptmann a.D. Andreas Kannengießer und Oberstabsfeldwebel a.D. Uwe Karstens Rückmeldungen zur satzungsgemäßen Mittelverwendung gaben. Auf Bezirksebene berichteten die Bezirksvorsitzenden über ihre Arbeit und skizzierten die künftige Ausrichtung. Die hohe Wertschätzung für das Engagement der Mandatsträger machten die Bezirksvorsitzenden durch Auszeichnungen mit Verdienstnadeln in Gold, Silber und Bronze sowie Buchprämien mit persönlichen Widmungen sichtbar. 

Die Panzerbrigade 45 steht für Abschreckung, Verlässlichkeit und Optimismus

Am letzten Tag der Tagung stand der Vortrag von Oberst André Hastenrath, stellvertretender Brigadekommandeur der Panzerbrigade 45 Litauen, im Mittelpunkt. Er zeichnete in seinem Vortrag ein insgesamt optimistisches Bild des anspruchsvollen Auftrags, dem sich der einzigartige Großverband an der NATO-Ostflanke zu stellen hat. Dieser Optimismus speist sich aus mehreren Faktoren: Zum einen aus der außergewöhnlich positiven Unterstützung, die die Soldaten in Litauen durch Politik und Bevölkerung erfahren – von der offenen Willkommenskultur bis hin zur sichtbaren Wertschätzung im Alltag. Zum anderen betonte er den klaren politischen Willen Deutschlands, diesen Auftrag langfristig und verlässlich zu tragen. Sichtbar werde dies auch in den sich kontinuierlich verbessernden Rahmenbedingungen vor Ort: der zügige Ausbau der Infrastruktur, funktionierende Unterkünfte und Dienstorte sowie zunehmend tragfähige Angebote für Familien, etwa bei Kinderbetreuung, Schule und medizinischer Versorgung. Trotz noch bestehender Unsicherheiten, die sich insbesondere in den lebhaften und kritischen Fragen am Ende des Vortrags widerspiegelten, sei das Interesse an einem Dienst in Litauen weiterhin groß. Gerade diese Mischung aus realistischer Auseinandersetzung mit Herausforderungen und spürbarer Zuversicht mache den besonderen Geist der Panzerbrigade 45 und ihren Auftrag „FOC bis Ende 2027“ in Litauen aus. 

Zusammenhalt, Anerkennung und Blick nach vorn

In seinem Schlusswort dankte Landesvorsitzender Oberstleutnant a.D. Josef Rauch allen Mitwirkenden, Referenten und Mandatsträgern für ihr hohes Engagement, die damit zu dem überaus erfolgreichen Verlauf der Tagung beitrugen. Mit der Landesplakette wurde der scheidende SaZ‑Beauftragte Oberstabsfeldwebel a.D. Jürgen Schreier ausgezeichnet. 

Ein emotionaler Höhepunkt war am Vortag die Verabschiedung des Landesgeschäftsführers Benno Spitzweg, der am Kameradschaftsabend mit großer Wertschätzung zum Ehrenmitglied und Ehrengeschäftsführer ernannt wurde. Die starke Verbundenheit im Landesverband zeigte sich auch in der beeindruckenden Spendenbereitschaft von 1.624 Euro zugunsten der SVS. Mit dem Ausblick auf die Landesversammlung 2027 mit den dann anstehenden personellen Veränderungen und einem dreifachen „Pack‘ mas!“ schloss Landesvorsitzender Rauch die Bezirkstagungen auf Landesebene.

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